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Review zu „Freeheld“ (2016)

In „Freeheld“ geht es um die wahre Geschichte von Laurel Hester und Stacie Andree. Laurel Hester ist eine Polizistin, lesbisch und lernt die weitaus jüngere KFZ-Mechanikerin Stacie Andree kennen und lieben. Beide ziehen zusammen und gehen eine Lebenspartnerschaft ein, bis eine medizinische Diagnose das Leben der beiden auf eine Probe stellen wird. Laurel Hester hat tödlichen, unheilbaren Lungenkrebs und nur einen Wunsch – Ihre Pensionsansprüche auf ihre Stacie zu übertragen. Doch das gestaltet sich extrem schwierig, da die Gesetze und Richtlinien bisher nur Pensionsansprüche auf Ehepartner im klassischen Sinne übertragen werden können. Im Kampf um Gerechtigkeit bekommen beide Unterstützung durch Laurels Kollegen Dane Wells und dem politischen Aktivisten der LGBT-Bewegung Steven Goldstein.

„Freeheld“ hat sich als Film ein sehr wichtiges und mutiges Thema ausgesucht. Der Hauptteil der Handlung spielt sich im Bereich der Jahre 2005 bis 2006 ab. Es geht hier um die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gegenüber dem klassischen, heterosexuellen Partnerschaftsbild von Frau und Mann, die zum damaligen Zeitpunkt den gleichgeschlechtlichen Partnerschaften noch weitaus überlegen war und mehr Rechte und öffentliche Akzeptanz bekam. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Dokumentarkurzfilm aus dem Jahre 2007, der im Jahre 2008 auch in dieser Kategorie einen Academy Award abräumen konnte. Die Basis des Films habe ich nicht gesehen – so dass kein Vergleich möglich ist.

Gleichgeschlechtliche Liebe, Kampf um Gleichberechtigung im öffentlichen Diskurs, Kampf gegen Krebs, biografische Abarbeitung von Laurel Hesters Leben und Tod – enorm viel Material für einen Film mit knapp 100 Minuten Laufzeit. Biografische, filmische Stoffe haben für mich seit jeher das Problem, stationenhaft die Handlung abzuarbeiten und dabei mehr oder weniger auf ein paar der Stationen zu verweilen. Da der Film so viele wichtige Themen aufgreifen möchte, bleibt da nicht wirklich Zeit, lange genug sich auf eines der Themen zu fokussieren und dem einzelnen Thema Zeit zu geben. So wirkt das ganze sehr gehetzt, unruhig und stellenweise oberflächlich. Die Inszenierung selbst ist sehr dezent und spartanisch. Und ob Hans Zimmers Score wirklich dazu gepasst hat ist auch eine Frage wert.

Doch das, was den Film davor bewahrt, nur durchschnittlich und am ambitionistisch veranlagtem Ziel vorbeigeschossen zu sein sind vor allem die Darsteller. Laurel Hester wird von Julianne Moore verkörpert, die bereits mit schwerkranken (Still Alice) und lesbischen Personen (The Kids Are All Right) Erfahrung mitbringt und sich auf Ihre Klasse vollkommen verlassen kann. Ihre Partnerin Stacie Andree wird von der Kanadierin Ellen Page verkörpert, die sich seit 2014 öffentlich als lesbisch geoutet hat und mit dieser Rolle auch genau das zeigt, was sie persönlich selbst fühlt und damit eine sehr geerdete und authentische Performance abliefert. Steve Carrell liefert hier eine sehr engagierte, wichtige aber auch stellenweise nervige Performance als Steven Goldstein ab, die mich stellenweise leicht an seinen Charakter aus „The Big Short“ erinnert hat. Aber der größte Lichtblick von der schauspielerischen Seite war Michael Shannon, der zu jedem Zeitpunkt den sehr engagierten, couragierten Langzeitkollegen von Laurel Hester, Dane Wells, absolute Glaubwürdigkeit verleiht.

So bleibt „Freeheld“ ein wichtiges Drama mit tollen Schauspielern, das jedoch ein wenig zu viel wollte und teilweise unfokussiert und gehetzt wirkt. Von emotionaler Seite aus bleibt jedoch am Ende kein Auge trocken.

„Freeheld“ bekommt von mir 8/10 Punkte.

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