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TV-Formate wie „Verstehen Sie Spaß?“, Trigger Happy TV“ oder auch „Comedystreet“ verlieren zusehends ihren Reiz. In Zeiten von Smartphone, Videoportalen und Snap-Chat ist die Flut an so genannter Aktionskunst unüberschaubar und so manche vermeintliche Provokation in der Öffentlichkeit schockte eher im vergangenen Jahrtausend. Wie bei der Familie Fang, in der es in der vorliegenden Tragikomödie geht.

Seit frühester Kindheit wurden Annie (Nicole Kidman) und ihr Bruder Baxter (Jason Bateman) in die Aktionskunst ihrer Eltern Caleb (Christopher Walken) und Camille (Maryann Plunkett) einbezogen. Heute arbeitet Annie als erfolglose Schauspielerin mit kleinen Skandalen, während Baxter bei seinem dritten Roman von einer Schreibblockade geplagt wird. Nach einer Familienzusammenkunft und einem darauf folgenden Streit, verreisen die Eltern für kurze Zeit, bis Polizisten die Kinder informieren, dass das Auto verlassen und mit Blutspuren übersäht auf einem Rastplatz gefunden wurde. Eine weitere makabere Inszenierung oder die bittere Wahrheit…?

Im Original heißt der Streifen „The Family Fang“, ähnlich wurde er weltweit übersetzt, wogegen der deutsche Verleih einen unglaublich dämlichen und zugleich unpassenden Titel wählte, der noch nicht einmal komplett auf die Leuchttafel eines Kinos passt.
Zumal der Begriff der Peinlichkeiten bereits wertet, was bei Kunst eigentlich außen vor bleiben sollte. Denn als solche versteht Familienoberhaupt Caleb seine Performances, als er etwa einen Banküberfall mit zivilem Opfer fingiert oder seine Kids auf einer Parkbank Lieder mit bedenklichen Texten anstimmen lässt. Bei solchen, in grobkörnige Bilder verpackten Rückblenden bleiben Schmunzler gewiss nicht außen vor, doch gleichermaßen stellt sich die Frage, wieweit Kunst gehen und Kinder in solche involvieren darf.

Besonders Angie leidet noch immer unter dem Kindheitstrauma und wittert nach der Nachricht durch die Polizei sogleich eine neue Inszenierung und sucht im Elternhaus umgehend nach versteckten Kameras. Ein Leben für die Kunst und die daraus resultierenden Schattenseiten werden im Folgenden thematisiert, was im Mittelteil ein wenig vor sich hin plätschert, da zu wenige neue Erkenntnisse gewonnen werden. Diverse Rückblenden sorgen zwar für Abwechslung, doch erst im finalen Akt geht es ein wenig emotionaler zu.

Jason Bateman fungiert hier nicht nur als einer der Hauptdarsteller, sondern zudem als Regisseur, während sich Kidman die Rechte des Romans sicherte und als Produzentin tätig wurde. Beide sind mit Herzblut bei der Sache und performen speziell in den ruhigeren Momenten sehr stark, aber auch Walken überzeugt als verbitterter Patriarch.
Die musikalische Untermalung bietet eine Mischung aus Klassik und konventionellem, orchestral angehauchten Score, der den melancholischen Grundton recht gut trifft, während die Kamera angenehm schnörkellos, jedoch auf den Punkt arbeitet.

Der Streifen pendelt stets ein wenig zwischen Komödie und Drama, folgt den Spuren des Independence Kinos, bleibt im Kern jedoch relativ konventionell und schießt, trotz teils grotesker Live Performances nie übers Ziel hinaus. Obgleich einiger Längen im Mittelteil weiß er das Interesse aufgrund seiner spannenden Ausgangslage aufrecht zu erhalten und auch das Ende rundet die Geschichte zufrieden stellend ab. Im Nachhinein betrachtet wäre mehr drin gewesen, sehenswert ist der Streifen dennoch.
6,5 von 10

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