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Im Grunde furchtbar, wie abhängig der Mensch heutzutage von Strom ist. Manche verfallen in Panik, wenn er mal für eine halbe Stunde ausfällt, weil die Tiefkühlware aufzutauen droht oder die Gasheizung aus bleibt, ganz zu schweigen vom Internetzugang oder dem halbleerem Akku im Handy. Wie verheerend dieser Zustand nach einigen Monaten ausfällt, beschreibt Regisseurin Patricia Rozema in ihrem Endzeit-Drama über zwei ungleiche Schwestern.

Fast ist das Öko-Haus in den nordkalifornischen Wäldern komplett eingerichtet, da fällt der Strom aus. Die Schwestern Nell (Ellen Page) und Eva (Evan Rachel Wood) sind schon bald auf sich allein gestellt, für eine Fahrt in den benachbarten Ort reicht das Benzin kaum mehr und obgleich die Vorräte vorerst reichen, stellt sich bei den beiden schon bald ein Lagerkoller ein…

Ausnahmezustand in minimalistischer Form. Rozema konzentriert sich voll auf die beiden Hauptfiguren und streift nur gelegentlich die Umstände der Apokalypse. Das Geschehen spielt sich fast ausschließlich im und um das Haus herum ab, lediglich zu Beginn ist ein kurzer Abstecher in den nächsten Ort drin. Mit dem Fokus auf die Schwestern kristallisiert sich mit Nell die Sympathieträgerin heraus, welche versucht, die Normalität und den Alltag zu bewahren, indem sie weiterhin in medizinischen Büchern für die eigentlich anstehende Aufnahmeprüfung übt und vergleichsweise rational mit der prekären Situation umgeht.
Eva trainiert indes wie besessen fürs Vortanzen, was nur mithilfe eines Metronoms aussichtslos erscheint. Sie ist oft gereizt, neigt zu depressivem Verhalten, was durch ein späteres, einschneidendes Ereignis zu einem Trauma führt.

Leider häufen sich im Verlauf einige nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen und sonderbare Begebenheiten. So haben die beiden im Grunde viel Zeit, schaffen es jedoch nicht, ein kleines Leck im Dach abzudichten, was natürlich nicht ohne Konsequenz bleibt. Dass jemand Konserven für ein halbes Jahr gehortet hat, scheint ebenfalls unrealistisch und dass es trotz aller Abgeschiedenheit kaum eine Begegnung mit anderen Menschen gibt, kommt ebenfalls nicht sonderlich realistisch daher. Der Winter wird gar komplett ausgeklammert und eine Aktion gegen Ende ergibt wenig Sinn, doch zumindest erhält der Titel einen gewissen Kontext.

Rozema versteht es allerdings, die latent unbehagliche Stimmung in adäquate Bilder zu verpacken und doch immer mal wieder einige Hoffnungsschimmer zu platzieren. Die Kamera arbeitet effektiv, der Score von Max Richter ist großartig und darstellerisch ist vor allem Ellen Page sehr stark. Doch auch Wood hat ihre intensiven Momente, wobei in diesem Zusammenhang eine FSK12 aufgrund von zwei, drei verstörenden Szenen zu niedrig erscheint.

Zwischenzeitlich mangelt es leider ein wenig an Suspense und manche Szenen kommen gar ein wenig redundant daher, doch die Konzentration auf die Charaktere hat im Gegensatz zum actionlastigen Survivalkampf den Vorteil der Empathie. Zwar repräsentiert die Geschichte eine reine Frauensicht, doch innerhalb dieser dürften sich auch männliche Betrachter zurecht finden. Im Kreise gängiger Dystopien eine willkommene Abwechslung mit Tiefgang und nachdenklich stimmenden Momenten.
7 von 10

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