Javier Camara spielt Tomas, der aus dem fernen Kanada nach Madrid reist, um einen Jugendfreund zu besuchen. Dass sie sich nach all den Jahren wiedersehen, hat jedoch einen traurigen Grund: Der in Spanien lebende Argentinier Julian, gespielt von Ricardo Darin, wird bald an Krebs sterben. Die beiden verbringen also vier gemeinsame Tage im Wissen, dass sie einander vermutlich nicht mehr wiedersehen werden.
„Freunde fürs Leben“ räumte bei den heimischen, spanischen Goya-Awards in sämtlichen Hauptkategorien eine Trophäe ab und wurde mit guten bis sehr guten Kritiken regelrecht überschüttet. Das dürfte einer der Gründe dafür sein, dass der Film mit seinen internationalen Ambitionen auch in deutschen Kinos zu sehen sein wird und vorab bereits in diversen Sneak-Previews gezeigt wurde. Seinen Vorschusslorbeeren wird das Ganze letztendlich aber nur teilweise gerecht.
Cesc Gay, der sich als Autor und Regisseur für die Tragi-Komödie verantwortlich zeigt, widmet sich einem heiklen Thema, das in den letzten Jahren aber bereits mehrfach Gegenstand recht ähnlich gelagerter Komödien war. „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder „Third Star“ sind nur einige Beispiele aus jüngster Zeit. Und auch Gay versucht, sich der Thematik zwar mit Wehmut und Respekt, aber eben auch mit Humor anzunähern, also ein nachdenkliches Feel-Good-Movie über das nahende Ende zu inszenieren. Eine witzige Idee ist es in jedem Fall, dass es den Todkranken vor allem umtreibt, wo sein alter, etwas verwöhnter Hund verbleiben und inwieweit der Tod des Herrchens das gute Tier emotional belasten wird.
Gay trifft meist den richtigen Ton, lässt Emotionen zu, ohne in Seelenkitsch abzudriften, weil er lustige und traurige Momente im permanenten Wechsel aufeinander folgen lässt und die wirklich rührenden Szenen wohl dosiert. Vor allem tragen die beiden starken Hauptdarsteller zum Gelingen des Films bei. Der Argentinier Ricardo Darin, der zuletzt in „Wild Tales“ zu sehen war, verkörpert den vergleichsweise aufgeräumten Sterbenden, der sich seinen Humor nicht nehmen lässt und mit bewundernswerter Ruhe seine Angelegenheiten ins Reine bringt, wirklich ausgezeichnet. Javier Camara nimmt sich daneben zurück, verleibt meist in der Rolle des Beobachters und Begleiters, bringt sein tiefes Bedauern dann aber vor allem zum Ende hin sehr gelungen und subtil zum Ausdruck.
Dennoch zeigt die sympathische Tragi-Komödie nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte und hält nur wenige Überraschungen bereit. Was „Freunde fürs Leben“ noch am meisten auszeichnet, ist die Beiläufigkeit mit der Gay auf das letzte Zusammensein der Jugendfreunde blickt, die sich aus den Augen verloren hatten, die gemeinsame Zeit aber noch einmal genießen, ohne, dass sie das aussprechen würden oder müssten. Wo andere Filme auf minütliche Gefühlsausbrüche und todtraurige Dialoge setzen, reicht bei „Freunde fürs Leben“ auch ein bedeutungsvolles Schweigen oder eine kleine Geste der tollen Darsteller. Die Kehrseite dieser Herangehensweise liegt jedoch darin, dass der Film sehr lange braucht, um eine gefühlvolle Stimmung zu kreieren und den Zuschauer zu packen. Das führt insbesondere in der ersten Filmhälfte zu einigen Längen.
Fazit:
„Freunde fürs Leben“ ist ein stellenweise heiterer, zum Ende hin rührender und schauspielerisch jederzeit hervorragend umgesetzter Feel-Good-Film über das Sterben, der sich jedoch kaum von den unzähligen Tragi-Komödien mit ähnlicher Thematik absetzt. Die subtile, beiläufige Erzählweise entfaltet zudem erst allmählich ihre Wirkung, bis dahin plätschert der Film eher vor sich hin.
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