Schenkt man den Worten der Bibel Glauben, so wäre Kain der erste Killer der Menschheit, welcher Abel aus Neid erschlug. Sehr viel später beschäftigte sich John Steinbeck mit dem Thema und formte daraus „Jenseits von Eden“ und noch viel später nimmt der belgische Regisseur Robin Pront das Motiv ungleicher Brüder zum Anlass für sein Spielfilmdebüt.
Ein Einbruch der Brüder Dave und Kenneth geht schief. Kenneth wird gefasst und sitzt vier von sieben Jahren Gefängnis ab, während Dave versucht ein normales Leben zu führen und inzwischen mit Kenneth` damaliger Freundin Sylvia liiert ist, was Kenneth allerdings nicht weiß. Als Dave mit der Wahrheit herausrücken will, kommt sein cholerischer Bruder mit einem nicht unerheblichen Problem um die Ecke…
Etwas mehr als die erste Hälfte ist als Familiendrama konzipiert. Anstatt saftig grüner Naturkulissen gibt es triste und trostlose Momentaufnahmen einer Unterschicht, in der jegliche Flamme der Hoffnung durch den impulsiven Kenneth rasch ausgepustet wird.
Es stellt sich wahrlich die Frage, wie der Kerl frühzeitig aus der Haft entlassen werden konnte, denn die unberechenbar aggressiven Grundzüge sind unübersehbar, weshalb Dave sich nicht traut, seinem Bruder die Wahrheit zu sagen.
Zeitlich ist das Geschehen schwer einzuordnen, Kleidung und viel Techno sprechen für Mitte der Neunziger, die Handys sehen allerdings neuartiger aus. Zeitlos ist demgegenüber die Problematik zwischen zwei ungleichen Brüdern, bei der die Mutter oftmals hilflos zuschauen muss, zumal sich der Gedanke des „Mitgegangen – Mitgehangen“ mehrfach durch die Geschichte zieht.
Das titelgebende Gebiet wird erst im letzten Drittel zum Schauplatz des Treibens, welche die Ebenen des Dramas verlässt, um die Gefilde eines Thrillers zu betreten. Vorbilder wie Lynch oder Nicholas Winding Refn lassen deutlich grüßen, als es zum Finale ein wenig skurril und gleichermaßen unbarmherzig zugeht. Ein schrulliger Waldschrat und seine Transe, Strauße und ein merkwürdiger Förster spielen ebenso eine Rolle wie ein Twist, der genau zur rechten Zeit ins Spiel kommt.
Überzeugt die Erzählung im ersten Teil mit guten darstellerischen Leistungen der treffend besetzten Mimen, geht es danach recht spannend zur Sache, wobei der schwelende Konflikt der Brüder latent im Mittelpunkt steht.
Handwerklich ohne Patzer, atmosphärisch stimmig verpackt und mindestens zweckdienlich ausgestattet, liefert der Belgier Pront einen gelungenen Erstling ab, der durchaus zu unterhalten weiß.
7 von 10