Review

Das Leben in gutsituierten familiären Verhältnissen an der französischen Atlantikküste scheint einer Gruppe Jugendlicher zu langweilig zu sein. Die Heranwachsenden experimentieren mit ihrer Sexualität und kommen schließlich häufig in der von ihnen „Bang-Gang“ getauften Gruppe zusammen, um wilde Sex-Partys zu feiern.

Ja, ja, die verdorbene Jugend, die versaute und enthemmte „Generation Porno“, der oft Hedonismus und Ziellosigkeit nachgesagt werden. Aber diese Klischees bedient „Gang Bang“ trotz des deutschen Titelzusatzes „Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus“ nicht, vielmehr wird auf moralisierende Töne zunächst weitgehend verzichtet. Stattdessen zeigt die Regisseurin Eva Husson nüchtern und unaufgeregt, wie sich aus pubertären Spielereien und enttäuschten Gefühlen eine sexuelle Massenorgie ergibt, deren Protagonisten vor lauter jugendlicher Geilheit sämtliche Hemmungen verlieren. Dabei folgt die Regisseurin in erster Linie zwei etwas älteren Jungen, die, wenn sie sich gerade nicht mit den Mädchen treffen, im Fernsehen Pornos oder Gymnastiksendungen mit hübschen Frauen in enger Bekleidung schauen. Außerdem folgt sie zwei befreundeten Mädchen, von denen die eine bisher reichlich und die andere keinerlei sexuelle Erfahrungen gesammelt hat.

Trotz einiger relativ expliziter Sex-Szenen ist „Bang Gang“ weder voyeuristisch, noch wird der Tabu-Bruch offensiv gesucht. Stattdessen werden die Treffen der Jugendlichen zu einem Rausch aus Sex und Drogen, durch den die Kamera regelrecht hindurchschwebt. Das ist zwar alles recht nett anzusehen, doch wirklich an Fahrt gewinnt der Film mit seiner distanzierten, behäbigen und spröden Erzählweise nur phasenweise. Wenn dann am Ende ein Sex-Video der Jugendlichen im Internet auftaucht und diverse Geschlechtskrankheiten unter den Mitgliedern der Bang Gang kursieren, schält sich zudem der Eindruck heraus, dass der Zeigefinger letztlich doch erhoben wird und sich Husson die Moral von der Geschichte nicht verkneifen konnte. Angesichts der guten Darsteller wäre da durchaus mehr drin gewesen.

Fazit:
„Bang Gang“ zeichnet das Bild einer Gruppe Jugendlicher, die sich einen Sommer lang in einem sexuellen Rausch verlieren. Der Film ist zwar gekonnt inszeniert, ohne dass die Sex-Szenen zum Selbstzweck verkommen, doch aufgrund der distanzierten und langatmigen Erzählweise schleppt sich das Ganze dennoch eher dahin.

53 %

Details
Ähnliche Filme