Review

Der heißkalte Krieg 

Auch wenn viele Regisseure im Alter schwächer werden & nicht mehr ganz so spritzige Werke abliefern - ich sehe es immer noch als Geschenk, neue Spielberg-Filme im Kino bewundern zu dürfen. Selbst wenn ganz große Meisterwerke ausbleiben, ist er einfach eine Legende & eines des Jahrhunderttalente der Unterhaltungsindustrie. Und wenn dabei noch so lohnenswerter Geschichtsunterricht wie "Bridge of Spies" entsteht, kann ich verstehen & schätzen, warum der Herr noch nicht aufhört. Leiden- & Meisterschaft vergehen halt nicht & sind auch beim neuen Tom Hanks-Vehicle unübersehbar. Wenn auch etwas gesetzter & versteckter als zuvor. 

In der Geschichte (wieder mal nach wahren Begebenheiten), geht es um einen sympathischen Versicherungsanwalt, der einem russischen, in den Staaten gefassten Spion an die Seite gestellt wird, damit zumindest nach außen der Schein gewahrt wird, dass in den USA alle eine "faire" Verhandlung kriegen. Nachdem Tom Hanks, als an seinen Aufgaben wachsender Anwalt, zumindest die Todesstrafe abwenden kann, bekommt er nun die noch schwierigere Aufgabe, seinen russischen Spion, Mandanten & mittlerweile auch irgendwie Freund, gegen einen amerikanischen Gefangenen in Ost-Berlin auszutauschen...

Ich glaube, als Deutscher, findet man am neuen Vorzeige-Cold-War-Thriller noch mehr Gefallen, als der Rest der Welt. Nicht nur weil ein Großteil der Geschichte in (Ost- & West-) Deutschland spielt & die Kulissen grandios aussehen, sondern weil ich persönlich gar nicht so viele Bilder & Geschichten im Kopf hatte, die zur Zeit des Mauerbaus spielen. Vom Fall der Mauer ist alles aktuell & extrem bebildert, von dem dunklen Beginn dieser Epoche relativ wenig. Diese Lücke füllt der Film gewaltig, mit der besten Optik & dem versiertesten Regisseur, den Hollywood zu bieten hat. Trotz Hollywood-Glanz der alten Schule spürt man die Kälte am Checkpoint Charlie, spürt die dreckigen Gefängnisse der Kommunisten & die allgegenwärtige Paranoia auf beiden Seiten erst recht. 

Stärker wurde selten verdeutlicht, dass sich beide Großmächte extrem ähnlich verhielten & die Spannung verständlich wie dumm gleichzeitig erschien. Spielberg schildert das Ganze sogar eher US-kritisch, was eine positive Überraschung ist. Auch wenn er gerade gegen Ende doch noch genügend auf Tränen- & Patriotismus-Drüse drückt. Dadurch ist er spätestens dann ein eisklarer Spielberg - was aber größtenteils als Kompliment zu verstehen ist, egal wie oft man das von ihm schon gesehen hat. Hanks & Rylance spielen heldenhaft & elektrisierend, die Optik ist deluxe & das Thema eigentlich spannend. Einem mutigen & wichtigen Mann der Geschichte, der bisher eher unbekannt war, wird endlich etwas Fame & Anerkennung zu Teil. Das ist in letzter Zeit im Trend & in den meisten Fällen, genauso wie hier, mehr als verdient. Daher verzeihe ich manche Längen & das die Spannung (historisch gesehen zum Glück) nie kulminiert. Für etliche, geschliffene & überraschend humorvolle Dialoge stehen die Coens - wow! Spielberg + (gedrosselte) Coen-Brüder - kann nicht schlecht sein, oder?

Fazit: keine öde Lehrstunde wie "Lincoln", aber auch kein essenzieller Spielberg. Trotzdem ein solider, altmodischer Kalter Kriegs-Thriller, mit einer längst verloren geglaubten Klasse!

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