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The Turn - Verschollen im Südpazifik ist eine halbdokumentarische Story nach einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1989: Ein Segelturn vor der neuseeländischen Küste gerät zu einer Robinsonade von vier Männern, die nach einer Havarie im Sturm mehrere Monate auf offener See treiben und auf engstem Raum zusammengepfercht überleben müssen.

Skipper John (Peter Feeney), der schon viele tausend Meilen alleine auf dem Meer verbracht hat, braucht für den nächsten Segelturn eine neue Besatzung, da ihm die alte kurz vor dem Termin abgesprungen ist. Es gelingt ihm, kurzfristig drei Männer dafür zu gewinnen, die allesamt wenig See-Erfahrung haben: Die beiden Mittdreißiger Jim (Dominic Purcell) und Rick (Owen Black) sowie den älteren Phil (Greg Johnson) - alle drei betrachten den Turn eher als Spaß und vertrauen auf Johns Führung. Schon nach kurzer Zeit jedoch wird der auffällig gelbe Trimaran von einer Riesenwelle getroffen, die das Boot kentern läßt - fortan treibt es kieloben in der See und die vier Insassen, die mit einigen blauen Flecken davongekommen sind, überleben in einer Luftblase im Rumpf, gerade groß genug, um dort halbwegs trocken kauern und schlafen zu können. Ein kleines Loch sorgt für den notwendigen Luftaustausch, später wird eine Luke ausgesägt, die es ermöglicht, das Boot zu verlassen und auf dem Rumpf zu sitzen.

Mit der Zeit werden die Spannungen zwischen den Männern immer größer: Der impulsive Rick kann sich am wenigsten mit der Lage abfinden und beschimpft die anderen, wobei er dem Eigentümer der gekenterten Rose Noelle die Hauptschuld gibt, da dieser eine Sturmwarnung zwar mitbekommen, aber ignoriert hat. Letzterer zeigt ein eigentümlich unaufgeregtes Verhalten, will nichts unternehmen und bezieht sich bei jeder Gelegenheit auf sein Gottvertrauen. Die anderen beiden versuchen trotz ihrer Unruhe, mit der Situation klarzukommen. Es stellt sich dann heraus, daß das Funkgerät nur eine unzureichend kurze Reichweite hat, da der Skipper sich teure Lizenzgebühren sparen wollte, auch lassen die Batterien für das Notsignal bald nach und so sind die vier vollkommen auf sich selbst gestellt. Auch die Vorräte an Dosen gehen langsam zur Neige, erst nach Wochen gelingt es, irgendwo aus dem Schiffsrumpf einen korrodierten Gasbehälter zu bergen, mittels dessen sich das Quartett dann selbst gefangenen Fisch zubereiten kann - die erste warme Mahlzeit nach über einem Monat...

Eigentlich hatte ich mir The Turn - Verschollen im Südpazifik wegen Dominic Purcell, dem Action-Haudegen aus Prison Break angeschaut, dessen Gesicht auch das Cover ziert, der hier jedoch eine eher bescheidene Rolle als Schiffskoch spielt. Der Film, der die ganze Zeit über von Skipper Johns Stimme aus dem Off kommentiert wird, hat allerdings überhaupt nichts mit Purcells bisherigen Rollen zu tun, sondern stellt viel eher ein Survival-Drama um das erzwungene Zusammenleben vier völlig unterschiedlicher Charaktäre dar, die lange Zeit brauchen, bis sie sich endlich zusammenraufen und als Team ihr Überleben sichern. Aufgrund der kurzen Laufzeit von nur 86 Minuten unterbleibt jedoch eine detailliertere Charakterzeichnung, die durchaus interessant gewesen wäre - so erfährt man nur, daß die drei Hilfsmatrosen Familie haben, während der Skipper selbst in Erinnerung an eine Verstorbene lebt. Vollkommen ausgeblendet werden auch sämtliche Rettungs- und Suchaktionen der Hinterbliebenen.

Dank einer ordentlichen Kameraführung, welche die Enge im kieloben schwimmenden Schiffsrumpf gut einfängt und auch mit einigen interessanten Perspektiven von oben aufwarten kann, vermag man der Handlung gut zu folgen und die Freude mitfühlen, als die vier nach 119 Tagen tausende Kilometer abseits der eigentlichen Route endlich wieder an Land gehen können - wo ihnen zunächst gar nicht geglaubt wird, daß sie monatelang auf dem Meer getrieben sind. Da es sich um einen halbdokumentarischen Film handelt, fehlen natürlich sämtliche dramaturgischen Momente, die man hinter dem Titel vermuten könnte - dennoch kann The Turn - Verschollen im Südpazifik durchaus unterhalten. 6 Punkte.

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