Review

kurz angerissen*

Es ist ein leichtes, „Backtrack“ in seine Bestandteile zu zerlegen. Aschfahle Gesichter in vorbeiratternden Zügen und sich unnatürlich vornüber in die persönliche Comfort Zone hineinbeugende Geistergestalten zeigen sich klar von der japanischen Geisterfilmschule inspiriert (nicht einmal so sehr von „Ring“ oder „The Grudge“, sondern eher von „The Eye“, „Mirrors“ und vielleicht „Nightmare Detective“), der psychologische Aspekt und die Drama-Anteile mit urbaner Spiegelung folgen der Sixth-Sense-Welle von Anfang des 21. Jahrhunderts und die Rückblenden, im Vergleich zum als Verdrängungsmechanismus fungierenden Großstadtsetting von ländlicher Freiheit geprägt, haben viel mit den 80ern, mit „Stand By Me“ und seiner Aufarbeitung von Jugendtraumata zu tun.

Kurz, die Produktion sät keine eigenen Pfade aus und heftet sich eher an Standards; alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen, zumal Adrien Brody als Hauptdarsteller längst nicht mehr in außergewöhnlich relevanten Filmen in Erscheinung tritt, sondern bei der Rollenauswahl eher einem Nicolas Cage zu folgen scheint.

Und doch kann man nicht behaupten, „Backtrack“ sei eine schnell abgekurbelte Kopie eines unbestimmten Referenzwerks. Seine handwerklichen und auch atmosphärischen Qualitäten erscheinen zu ausgefeilt; die Jump Scares werden sorgsam eingesetzt, wirken abwechslungsreich und sind daher meist effektiv; mit allzu offensichtlichen Twists wird nicht zu lange herumgespielt, lieber gibt man sie vorsorglich preis, wissend, dass das Gelingen des Films nicht von seiner Auflösung abhängen darf.

Es ist wichtig, dass gerade Brody als gepeinigter Psychiater das schauspielerische Gleichgewicht hält; ein trauriger Blick zu viel und schon rollt der Zuschauer angesichts der etwas klischeehaften Ausgangslage mit den Augen. Und obwohl er Szenen zu durchstehen hat, in denen er mit dem Flachmann auf einer Bahnhofsbank sein Selbstmitleid ertränkt und obwohl der Weg vorhersehbarerweise unweigerlich zurück in seine Jugend führt, beweisen sowohl Brody als auch die Regie beim Bewahren der Balance Stärken.

„Backtrack“ ist sicher kein Must See, löst an einem gemütlichen Heimkinoabend aber auch keine Verärgerung über verschwendete Zeit aus; vielleicht ist man sogar überrascht ob der Vorzüge, die man nicht erwartet hätte.

*weitere Informationen: siehe Profil

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