Review

Review zu „A War“ (2016)

In den letzten Jahren entwickelt sich das dänische Kino immer mehr zu einer Lieblingssparte von mir. Egal ob spannende Thriller, schwarze Komödien, historische Stoffe bis hin zu Dramen. Hier ist auch „A War“ (bzw. „Krigen“ im Original) ein Film, der seinen Namen auf die Liste setzen darf. Zurecht ist dieser Film bei der diesjährigen Oscarverleihung im Rennen um den „besten fremdsprachigen Film“ gewesen. In „A War“ geht es um den dänischen Soldaten Claus Pedersen, der mit seiner Einheit in Afghanistan stationiert ist und sich nach einer folgenschweren Entscheidung mit zivilen Opfern in Dänemark vor Gericht verantworten muss.

„A War“ braucht sich mit seiner Thematik vor großen ähnlich gelagerten Hollywood-Produktionen nicht verstecken. Uns wird der Alltag von Soldaten im Auslandseinsatz gezeigt und vor Augen geführt, unter welch stressigen Situationen Entscheidungen getroffen werden müssen. Jeder Soldat ist eben auch nur ein Mensch – und im Einsatz Befehlsempfänger. Doch in genug Momenten muss eben eine eigenmächtige Entscheidung getroffen werden, wenn „Gefahr im Verzug“ ist. Neben dem Handlungsstrang in Afghanistan wird immer wieder nach Kopenhagen geschaltet, wo sich die Frau von Claus Pedersen mit der Erziehung von den 3 Kindern auseinandersetzen muss, während die Angst um den Mann und die Ungeduld der Kinder wächst. Beide Handlungsstränge laufen in der Mitte zusammen, wenn es um die Heimreise von Claus und den gerichtlichen Prozess geht.

Der Umgang mit dem Thema ist in meinen Augen sehr respektvoll und authentisch gelungen. Natürlich dürfen auch ein gewisser Anteil an drastischen Bildern nicht fehlen, die keineswegs dem respektvollen Umgang schaden. „A War“ hat den Anspruch, einen realistischen Einblick zu geben und diesen Anspruch erfüllt er. Die ganze Inszenierung ist ruhig und dezent – in den entsprechend hektischen Situationen wechselt Sie in eine gewisse hektische Unruhe. Er kommt fast komplett ohne Musik aus und legt seinen Fokus klar auf das Visuelle. Hier kann er sich voll auf seine Darsteller verlassen, die alle ihren Job sehr gut machen. Darüber hinaus war Pilou Asbaek für mich mit seiner feinen, nuancierten Darstellung des Hauptprotagonisten das Highlight.

Wir bekommen hier einen sehr anspruchsvollen, authentischen Film geboten, der im Umgang mit der Thematik intelligenterweise sehr ambivalent bleibt, auch wenn mir die volle emotionale Tragweite und das Pacing nicht immer gesessen hat.

„A War“ bekommt von mir 9/10 Punkte.

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