Review

kurz angerissen*

Der extrem überdrehte Humor, den Sony bei vielen CGI-Produktionen des eigenen Hauses anschlägt, ist zweifellos nicht jedermanns Sache. Bei der Fortsetzung zum extrem cartoonesken „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ hatte man die Regler beispielsweise überspannt, denn wenn aus den Augen der Charaktere schon reiner Irrsinn spricht, der selbst einem Joker die grünen Haare weiß färben würde, wird es gruselig.

„Hotel Transsilvanien 2“ bewegt sich diesbezüglich ebenfalls auf einem schmalen Grat, schließlich hatte der erste Teil schon das Herzschlagtempo eines Karnickels mit Herzrasen - und Fortsetzungen sollen ja grundsätzlich immer alles noch toppen. Ein Vorteil dieser Reihe ist ganz klar das atmosphärische Ambiente: Der knallbunte Monster-Mash im Schloss Dracula war im ersten Teil bei weitem noch nicht kreativ ausgeschöpft und wird vermutlich selbst für den schon beschlossenen dritten Teil doch Aberhunderte Möglichkeiten für Anspielungen und Running Gags übrig lassen.

Entsprechend lebendig sind die kalten Gemäuer und ihr wuselndes Innenleben wieder gestaltet. Die Animation genügt einmal mehr allerhöchsten Ansprüchen und wimmelt vor Details und schillernden Persönlichkeiten hinter Capes, Bandagen und Pudding-Epidermis. Über den eigenwilligen Animationsstil erschließt sich der Humor; Körperhaltung und Gesichtsausdrücke folgen nicht der Niedlichkeitsstrategie diverser Disney-, Pixar- und Dreamworks-Produktionen, sondern haben ihre geistigen Ursprünge im anarchischen Selbstverständnis der Nickelodeon-Cartoons. Es ist jedenfalls keine Überraschung, dass der russische Regisseur Genndy Tartakovsky auch bei „Dexter's Laboratory“ seine Finger im Spiel hatte.

Plottechnisch gibt sich „Hotel Transsilvanien“ da schon wesentlich konservativer und folgt der klassischen Generationen-Evolution. Nachdem der erste Teil sich nämlich der Vater-Tochter-Beziehung widmete, sind es jetzt Großvater und Enkel, denen sich das Drehbuch zuwendet. Wiederum geht es dabei um Toleranz; die Grundaussage hat sich nicht geändert, allenfalls die Struktur des Storyverlaufs, der im Mittelteil jeder Nebenfigur seine fünf Minuten Ruhm gibt und damit zu perlenkettenartigen Slapstick-Nummernrevue wird, was man sich aber dank der spaßigen Figuren gerade noch leisten kann; das Finale dann bringt einen neuen Twist ins Spiel und wird noch einmal ungewöhnlich düster. Zumindest bis wieder die grassierende Animationsfilm-Krankheit um sich greift, alle Figuren fröhlich in den Abspann tanzen zu lassen.

Insgesamt hält „Hotel Transsilvanien“ Tempo und Niveau seines Vorgängers und überzeugt erneut mit Referenz-Animationen, hochoriginellen Figuren bis in die Nebenrollen hinein und jede Menge Anspielungen. Emotionen und Tiefe bleiben dabei auf der Strecke, aber würde das irgendwer bei Bugs Bunny und Daffy Duck vermissen?

*weitere Informationen: siehe Profil

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