Wenn Kinder noch an den Weihnachtsmann glauben, werden sie von ihresgleichen oftmals gehänselt oder ausgelacht. Doch im Grunde haben sich diese jungen Menschen ein Stück Fantasie und Träumerei bewahrt, was im Gegenzug zur oftmals rauen Realität viel wert ist. Und bei einem Weihnachtsfilm nicht in albernen Klamauk oder unerträglichen Kitsch zu verfallen, hat Regisseur Alexandre Coffre aufgrund seiner eher ungewöhnlichen Geschichte schon mal geschafft.
Der sechsjährige Antoine (Victor Cabal) wünscht sich nichts mehr, als den Weihnachtsmann persönlich zu treffen, mit ihm Schlitten zu fahren und dabei seinen Vater auf einem Stern zu besuchen. Tatsächlich entdeckt der Junge an Heiligabend einen Typen im Weihnachtsmannkostüm (Tahar Rahim) auf dem Balkon, welcher sich jedoch als Einbrecher entpuppt. Doch Antoine lässt nicht locker und folgt dem vermeintlichen Nordpolbewohner auf Schritt und Tritt, woraufhin er als Gehilfe für die nächtliche Diebestour eingespannt wird...
Über den Dächern von Paris geht es nicht nur romantisch, sondern vor allem abenteuerlich zu.
An den anfangs nervigen Antoine muss man sich eine Weile gewöhnen, doch die Unerschrockenheit, gepaart mit Neugier und einige verspielten, typisch kindlichen Attributen lassen ihn nach einiger Zeit sympathisch erscheinen. Gleiches gilt für den namenlosen Einbrecher, welcher zunächst einige Tricks versucht, um seinen Bewunderer loszuwerden.
Aus Genervtheit resultiert Mitleid, doch gepaart mit ein wenig Skrupellosigkeit erfolgt die Idee der gemeinsamen Einbrüche, denn schließlich wird ja Gold für den Schlitten benötigt.
Das Zusammenspiel der Hauptfiguren ist die Stärke der Erzählung, aus der zuweilen drollige, ein paar nachdenklich stimmende, jedoch auch situationskomische Momente zu entnehmen sind. Sogar gerät es einige Male spannend, etwa, beim Abseilen vom Mehrfamilienhaus oder dem Verstecken in einer dunklen Wohnung bis diese von den Bewohnern betreten wird.
Es bleibt zwar kindgerecht und die bösen Drahtzieher tauchen nur zweimal am Rande auf, doch wird dadurch auch klar, dass der junge Einbrecher nicht grundlegend böse ist und selbst unter Druck steht.
Mithilfe einiger effektvoller Kameraperspektiven und der Untermalung oftmals gar nicht so weihnachtlicher Musik (Mc Hammer "Can't touch this") wird für Abwechslung und viel Bewegung gesorgt und obgleich im letzten Drittel auch Reibereien, Enttäuschungen und Eingeständnisse hinzukommen, dürfte das junge Publikum nie zu sehr beansprucht werden, wogegen auch die Erwachsenen nicht zu kurz kommen.
Ergo ein Weihnachtsfilm für Jung und Alt, - charmant, sympathisch, nur selten kitschig, zuweilen atmosphärisch sehr stark und von beiden Mimen recht glaubhaft und bodenständig performt.
Mit 81 Minuten Laufzeit ein kurzweiliger Festtagskrimi, der sich auf angenehme Art vom üblichen Kitsch und Schmalz unterscheidet.
7 von 10