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Der weltberühmte Pianist Hannes Westhoff (Günther Maria Halmer) feiert seinen 70. Geburtstag. Seine Ehefrau Anne (Michaela May) hat seine 3 Söhne eingeladen und auch seine alkoholkranke Exfrau Renate (Hannelore Elsner). Auf der Hinfahrt landet Sohn Max (Lars Eidinger) im Straßengraben. Im Krankenhaus bittet er Schwester Jenny (Jördis Triebel) ihn zur Feier zu begleiten…

Lars Kraumes (geb. 1973 in Chieri, Italien, „Die Kommenden Tage“ 2010, „Der Staat gegen Fritz Bauer“ 2015) Drama ist eigentlich für das ZDF produziert, erhält aber nach der viel gelobten Uraufführung auf dem Münchner Filmfest einen Kinostart. Unwillkürlich erinnert nicht nur der Filmtitel an Thomas Vinterbergs Meisterwerk „Das Fest“ (1998), auch hier steht die Abrechnungen zwischen einem tyrannischen Familievater und seinen Söhnen auf dem Programm. Doch auch, wenn die Sünden der Vergangenheit Stück für Stück in Erinnerung gerufen werden, geht es in Lars Kraumes Film eher um den Ist-Zustand. Und der ist traurig genug. Seine Figuren sind wohlmöglich einen kleinen wenig klischeehaft, ermöglichen aber somit dem Zuschauer eine besonders gute Identifikation. Und vor allem aber liefern die Darsteller starke bis herausragende Leistungen ab: Allen voran Lars Eidinger („Was bleibt“ 2012, „Die Akte Beethoven“ 2013) als Sohn Max, der sich Jahre lang nicht hat blicken lassen und ein schreckliches Geheimnis verbirgt. Sein Spiel ist auch hier wieder so intensiv, dass er eine echte Bereicherung für den deutschen Film ist. Oder Günther Maria Halmer („Ghandi“ 1982, „Anwalt Abel“ 1988-2001 TV) als Klassik-Star, der als Vater und Ehemann gescheitert ist, draußen verehrt, im eigenen Haus gehasst. Auch Michaela May („Polizeiruf 110“ TV) überzeugt als Ehefrau, deren Versuch ein harmonisches Fest zu feiern schon beim ersten Zusammentreffen der Familie am Vorabend scheitert. So wie Jördis Triebel („Ich und Kaminski“ 2015), die mit sensiblen Spiel beeindruckt. Und natürlich Hannelore Elsner („Die Herren mit der weißen Weste“ 1969, „Hin und Weg“ 2014), die als ununterbrochen saufende und rauchende Exfrau beweist, dass sie im reifen Alter ihre vielleicht denkwürdigsten Rollen spielt. So wird aus einem guten, aber nicht umwerfend originellen Drehbuch großes Schauspieler-Kino. Denkwürdigstes Zitat: „Wenn die Jungen wüssten, wenn die Alten könnten“. (8/10)

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