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Positive Überraschungen werden seltener, je weiter man sich in ein Thema eingräbt, um so schöner, wenn dann dabei tatsächlich erinnerungswerte Dinge an den Tag gefördert werden, die vergessen scheinen und verloren geglaubt waren.

Ich hatte mich schon seit längerem mit den Versuchen beschäftigt, die TV-Versuche des Subgenres „Occult Detectives“ zusammen zu suchen und zu sichten, ein Nebenstrang übernatürlicher Genres, dem nie viel Erfolg beschieden war, abgesehen mal von „Kolchak“, dem „Night Stalker“, der nach zwei TV-Filmen sogar eine Serie serviert bekam, diese aber dann doch schnell in der Aufmerksamkeit (und Qualität) sank. Die übrigen Versuche, „Fear No Evil/ Ritual of Evil“, „Baffled“, „The Norliss Tapes“ und „Spectre“ kamen nie über einen oder zwei Pilotfilme heraus, was rückblickend höchst schade ist.

Die letzten beiden Versuche, ehe die wilden 80er alles veränderten, waren in den Jahren 1977/78 zwei einstündige Pilotfilme, die die gleiche Hauptfigur als „lead“ hatten, einen gewissen Paul Taylor, der nach einer Nahtoderfahrung selbst von den Toten kontaktiert wurde und so zu einem Helfershelfer wurde. Dargestellt von dem etwas ungeschlacht wirkenden Granville van Dusen liegen diese beiden Kuriosa im Trend, dass sie es nicht zur Serienreife schafften – und dennoch in einer gewissen Art und Weise Trendsetter wurden.

Gemeinsam haben sie den Beginn, der die „Bestimmung“ Taylors erläutert, in etwa wie in jeder Folge von „The Incredible Hulk“ kurz erklärt wurde, warum man nicht mit Gammastrahlung herumfrickelt. Ansonsten könnten sie thematisch nicht unterschiedlicher sein und das macht die beiden „Folgen“ so attraktiv.

Der erste Film hieß „World of Darkness“ und ist im Kern eine simple Geistergeschichte. Taylor wird im Traum und im wachen Zustand mal wieder von einem Toten gerufen und macht sich auf die Socken ins tief verschneite New Jersey, wo er sich um eine junge Frau kümmern soll, die in Gefahr sein könnte, nachdem ihr Vater sich gerade erhängt hatte. Natürlich ist der „Anrufer“ besagter Selbstmörder und mehr oder minder geschickt erwirbt Taylor das Vertrauen der jungen Frau und bastelt gemeinsam mit ihr an der Aufklärung, bei der auch ihre Tante, deren Sohn und ein sehr possessiver Rachegeist eine Rolle spielen.

Kenner der Materie ahnen schon: das ist eine Blaupause für Serien wie „Medium“ oder „Ghost Whisperer“, aber ohne den Schmalz und mit ziemlicher Ernsthaftigkeit umgesetzt, kam nur etwa 20 Jahre zu früh.

Für 1977 ist diese Story, die man zwar im Voraus erahnen kann, die aber dennoch überraschend grimmig ausfällt und ein knackiges Finale hat, nicht gerade typisch gewesen, genossen habe ich diesen Alptraum im Schnee in einem echten Psycho-Geisterhaus wegen seiner schönen Kameraarbeit und der atmosphärischen Lichtgebung aber dennoch.

Danach – und das war mein persönlicher Hemmschuh – verschwand diese Episode für sehr lange Zeit und war dann auch jahrelang nirgendwo auf irgendeiner Plattform auffindbar. Bis heute hat die Folge keine 30 Bewertungen auf imdb (und vor ein paar Jahren noch viel weniger bis gar keine) und eine Weile hab ich ernsthaft (auch mangels jeglicher existierender Inhaltsangabe außerhalb der Grundprämisse) angenommen, das Ding wäre irgendwann gelöscht worden , wie es auch bei „Wide World of Mystery“ mit mehr als 30 TV-Filmen der Fall gewesen sein muss.

Was sehr ärgerlich gewesen wäre, denn der zweite Film ist ziemlich weitflächig verfügbar.

Vor zwei Wochen nun schickte einer meiner 200 YT-Kanäle plötzlich doch eine Kopie davon ins Rennen und schneller hab ich selten auf „play“ gedrückt – sie existiert noch, gottseidank.

Und ich habe diese Folge verdammt genossen, genauso wie die zweite „The World Beyond“, die ganz anderes Terrain beackert und als Blaupause für die späteren „X-Files“ genommen werden kann.

Es ist eine handfeste 50minütige Geistergeschichte, die man nicht bemüht auf 75 gestreckt hat und so einen gehaltvolleren und ausbalancierten Vibe bekam und problemlos als „Appetizer“ vor einer Sichtung von Straubs „Ghost Story“ von 1981 geschaut werden kann, der Ton ist da sehr ähnlich.

Von mir gut gegruselte 7,5/10.









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