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Anthony Hopkins spielt einen ehemaligen FBI-Mitarbeiter, der die Karriere nach dem Tod seiner Tochter an den Nagel gehangen hat. Da die Ermittlungen in einer mysteriösen Mordserie nicht so recht vorankommen, versuchen die zuständigen Beamten, gespielt von Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish, ihn aufgrund seines speziellen Talents hinzuzuziehen. Der alte Einsiedler verfügt nämlich über hellseherische Fähigkeiten und treibt die Ermittlungen dementsprechend auch schnell voran. Da der Killer seinen Häschern aber auch weiterhin mehrere Schritte voraus zu sein scheint, lässt dies nur einen Schluss zu: Er muss die gleichen Talente besitzen.

Dass der Zuschauer viel guten Willen und die Bereitschaft, das Unglaubwürdige einfach hinzunehmen, in den Kinosaal würde mitbringen müssen, lies bereits der Trailer dieses Mystery-Thrillers erwarten. Das ist für Genre-Filme zwar zugegebenermaßen nicht gerade untypisch, doch „Die Vorsehung“ setzt schon ein vergleichsweise hohes Maß an Frustrationsvermögen voraus.

Das ist aber nicht allein der Story geschuldet, die auf der hanebüchenen Prämisse einer schicksalhaften Vorsehung und hellseherischer Fähigkeiten beruht, auch die Inszenierung von Alfonso Poyart ist eher unglücklich. Der brasilianische Regisseur, der hier seine erste größere Produktion abliefert, wählt immer wieder befremdliche Kameraeinstellungen und schnelle Schnitte, was seinen Film jedoch nicht atmosphärischer, sondern lediglich hektischer wirken lässt, teilweise auch etwas anstrengend. Die Visionen des Protagonisten sind mal gut und mal schlecht in Szene gesetzt, die Eindrücke schwanken zwischen weitgehend sinnvollen Traumsequenzen, die durchaus zur Handlung passen und nichtssagender Musik-Video-Ästhetik, die sich nicht ins Geschehen einfügen will.

Die Handlung macht es nicht besser. Zwar lässt sich der eine oder andere vielversprechende Ansatz nicht leugnen, die meisten der Ideen wurden aber bereits in qualitativ erheblich besseren Genre-Vorbildern verarbeitet, so etwa die Visionen bei Handauflegen in „The Dead Zone“. Zum Ende hin wird es zudem immer wirrer. Offen bleibt beispielsweise, was der Serienkiller mit seinem ausgetüftelten (und vorhergesehenen) Plan eigentlich genau bezwecken wollte.

Die Charaktere sind da etwas besser herausgearbeitet, besonders der von einem großartig aufspielenden Anthony Hopkins verkörperte Ermittler, der bei der Serienkillerhatz immer wieder mit der eigenen tragischen Vergangenheit und dem Tod der Tochter konfrontiert wird. Aber auch Colin Farrell macht als Killer, dessen Taten letztendlich gar nicht so abscheulich sind, wie sie zunächst erscheinen, eine gute Figur. Die Höhepunkte des Films sind vor allem die Gespräche der beiden Hollywood-Stars, in denen auch mal moralische Grautöne zum Tragen kommen, wenn der Mörder seine Taten gegenüber seinem Jäger rechtfertigt. Auch das gut funktionierende Ermittlerduo, das von Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish ebenso überzeugend verkörpert wird, trägt seinen Teil dazu bei, dass Poyart sein Projekt nicht vollends an die Wand fährt.

Phasenweise unterhält „Die Vorsehung“ dank einer mitunter vorhandenen, düsteren Atmosphäre ganz gut, besonders dann, wenn der sehr präsente Hopkins ins Bild rückt. Den Oscar-Preisträger umgibt auch hier eine düstere Aura, obwohl er es diesmal ist, der den Serienkiller jagt. Punktuell gelingen auch die emotionaleren Momente, doch insgesamt sind das behäbige Tempo und hanebüchene Wendungen vorherrschend. Man braucht im Übrigen selbst kein Hellseher zu sein, um meist zu erahnen, was als nächstes geschehen dürfte.

Fazit:
Der sehr präsente Anthony Hopkins, der aus einem guten Cast noch heraussticht, spielt wacker gegen die bei den Haaren herbeigezogene Story an, die selbst Mystery-Freunden sehr viel Glauben an das Unglaubwürdige abverlangen dürfte. Die hektische Inszenierung macht es nicht besser, sodass „Die Vorsehung“ über weite Strecken allenfalls mäßige Unterhaltung bietet, wenngleich die moralischen Grau-Töne am Ende durchaus etwas für sich haben.

40 %

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