Es sollte ursprünglich eine Fortsetzung zu Finchers "Sieben" werden, doch rund fünfzehn Jahre lang wanderte das Drehbuch von einem Produzententeam zum nächsten, bis schließlich Sir Anthony Hopkins Interesse zeigte. Tatsächlich erinnert der Streifen phasenweise an populäre Thriller-Kost und auch "Das Schweigen der Lämmer" lässt hier und da grüßen, was im Zuge der teils hanebüchenen Entwicklungen einen angenehmen Kontrast darstellt.
Das FBI-Ermittlerteam Merriweather (Jeffrey Dean Morgan) und seine Kollegin Cowles (Abbie Cornish) kommen im aktuellen Fall mit einem Serienkiller nicht weiter und wenden sich an John Clancy (Anthony Hopkins), dessen hellseherische Fähigkeiten bereits mehrfach zu Ermittlungserfolgen führten. Clancy erschleicht jedoch der Verdacht, dass der Killer (Colin Farrell) sie in eine Falle locken will, da er dem Team stets einen Schritt voraus scheint...
Der eher unerfahrene brasilianische Regisseur Afonso Poyart drehte bereits einige Werbeclips, was sich primär bei einigen Visionen widerspiegelt. Eine schicke Optik ergibt sich durch das Spiel mit Licht und Schatten, farblichen Kontrasten, einigen Nahaufnahmen, manchen Zeitlupen und einem sehr stilsicheren Standbild aus diversen Blickwinkeln, was durchaus gekonnt arrangiert ist und in Form teils knackig einsetzender Inserts ein wenig Abwechslung zur ansonsten eher ruhigen Gangart beschert.
Die Ermittlungsarbeiten folgen klassischen Verlaufsmustern gängiger Serienkillerstoffe, wie man sie hauptsächlich aus den Neunzigern kennt. Tatortsichtungen, Symboldeutungen, kurze Mitteilungen, Befragungen naher Verwandter, eine Autopsie und das Aufspüren des vermeintlichen Domizils des Killers werden stationsartig abgeklappert, dazwischen darf Clancy seine "Luxusausgabe von Intuition" veranschaulichen, was zwischen Körperkontakt mit Betroffenen bis zu berührten Gegenständen, je nach Gusto ausreicht, um einen halben Lebenslauf intimer Details auszuplappern.
Todesahnungen nehmen einen dramatischen Verlauf, werden, weil ja die titelgebende Gabe vorhanden ist, zwischenzeitlich zurückgenommen, um teilweise doch noch vollzogen zu werden. Das erscheint einige Male skurril, ein wenig makaber und doch ergeben sich ein paar nachdenklich stimmende Ansätze. Besonders gegen Ende, als Killer und Medium direkt aufeinander treffen und das Schicksal beider auf eine bestimmte Art bereits besiegelt scheint.
Das Finale in einem Zug weist durchaus einige spannende Momente auf, eine Verfolgungsjagd durch die Stadt ist ebenfalls solide in Szene gesetzt, nur die Jagd auf den Killer selbst gerät nicht allzu spektakulär.
Die sehr guten bis grandiosen Mimen halten das zum Teil etwas bröckelige Drehbuch beisammen, allen voran natürlich Hopkins, dem glücklicherweise einige etwas längere Takes zugestanden werden. Colin Farrell und Jeffrey Dean Morgan holen aus ihrer jeweiligen Rolle sehr viel heraus, nur Abbie Cornish geht allenfalls als Kopie von Jodie Fosters Starling durch, zumal ihre Figur etwas zu steril angelegt ist.
Nicht immer kommt die Erzählung sofort auf den Punkt, während an anderer Stelle etwas mehr Zeit für leise Töne wohl getan hätte. Viel Action, größeres Blutvergießen und doppelbödige Ermittlungen sollte man nicht erwarten, dafür jedoch eine passable Inszenierung, versierte Mimen und ein paar zumindest oberflächlich angesprochene Themen mit leichter Nachwirkung. Für Freunde leicht altbacken anmutender Thrillerkost gewiss keine schlechte Wahl, - dem hellseherischen Aspekt zum trotz sollten allerdings keine bahnbrechenden Wendungen erwartet werden.
Knapp
7 von 10