kurz angerissen*
Eine affektierte Regie und die auf Hokuspokus hinauslaufende Prämisse vertreiben die Gedanken an einen stilsicheren Serienkillerfilm wie "Sieben", obwohl dieser auch für "Die Vorsehung" das Gerüst stellt. Das Casting von Anthony Hopkins ist bei einer solchen Konstellation sicherlich auch als Typenbesetzung zu verstehen, doch spult er keineswegs seine Hannibal-Routine ab, sondern liefert in einem unterkühlten, übernatürlichen Thriller eine hervorragende Darbietung fast nur über sein ausdrucksstarkes Mienenspiel. Dazu der sehr gegensätzlich funktionierende Konterpart Colin Farrell, Abbie Cornish und ein wie immer souveräner Jeffrey Dean Morgan im Support - damit sieht sich der erste englischsprachige Film des Brasilianers Alfonso Poyart sehr gut besetzt.
Dem Regisseur geht es allerdings nicht um psychologische Feinheiten, sondern vielmehr um spektakuläre Gedankenspiele. Einem humorlosen Guy Ritchie gleich betreibt er Szenen-Anatomie, verstreut Hinweise auf Zukünftiges in Form von roten Heringen, führt kontrastreiche Schnitte ein, um die Visionen als horrorkompatible Einschübe zu präsentieren und liefert wiederholt schiefe Schwenks über das Stadtbild, um eine Verknüpfung mit den urbanen Drehorten zu gewährleisten. Besonders intelligent wirkt ein Film dieser Sorte nicht, packend inszeniert ist die Schnitzeljagd nach dem zunächst unbekannten Mörder ohne sichtbares Motiv jedoch sehr wohl. Poyart lässt den Zuschauer aktiv miträtseln, gerade weil des Rätsels Lösung nie allzu tief verborgen liegt. Und als sich die Puzzleteile schließlich langsam zusammenfügen, bittet "Die Vorsehung" zwar zum immer schneller werdenden Tanz mit wirrer Logik, narrativer Faulheit und effekthascherischen Einstellungen; aber den Antagonisten dabei zuzusehen, wie sie ihre Visionen in präziser Millimeterarbeit gegeneinander ausspielen, das hat schon was.
*weitere Informationen: siehe Profil