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In einer postapokalyptischen Welt kämpfen die letzten Menschen um knapp gewordene Nahrung. Martin McCann spielt einen Mann unbekannten Namens, der sich allein in einem Wald versteckt hält, wo er in einem kleinen Garten anbaut, was er zum Überleben benötigt. Das Wenige, das er hat, reicht gerade so für das eigene Überleben. Dennoch nimmt er eine Mutter, gespielt von Olwen Fouere, und deren Tochter, gespielt von Mia Goth, bei sich auf, da er als Gegenleistung Geschlechtsverkehr bekommt. Er ahnt nicht, dass die beiden nur auf eine Gelegenheit warten, ihn aus dem Weg zu räumen, um allein von der kargen Ernte leben zu können.

Der Ton wird bereits in den ersten Sekunden gesetzt. Die Kamera folgt kommentarlos einer roten Kurve, die sich vor einem einfachen schwarzen Hintergrund exponentiell steigend in die Höhe schraubt. Sie zeigt die Anzahl der Menschen auf der Erde an, erreicht schließlich einen Höhepunkt, um dann gen null zu sinken. Selten war der Prolog eines Endzeitstreifens prägnanter, vielsagender - oder schlichter. Adjektive, mit denen sich das Langfilmdebüt von Stephen Fingleton treffend umschreiben lässt. Der Regisseur spart, anders als bei anderen postapokalyptischen Low-Budget-Filmen, billige Action-Szenen aus, verzichtet auf platte Dialoge (stattdessen herrscht Schweigen vor) und sogar auf ein genretypisches Setting, mit dem das Ende der Zivilisation in Bilder der Zerstörung gebannt wird. Stattdessen wurde überwiegend mit drei Darstellern in einem Wald gedreht. Kurzum: „The Survivalist“ ist spartanisch aber sehenswert.

Wenn sich die drei Akteure in der entlegenen Hütte gegenübersitzen, dann wird vordergründig geschwiegen, während unausgesprochen Argwohn und Misstrauen durch den Raum wabern. Der Namenlose tritt seinen beiden Mitbewohnerinnen auch nach Tagen nur bewaffnet gegenüber - und hat allen Grund dazu, gibt es für drei Personen doch eigentlich zu wenig Verpflegung. Bezeichnend ist, dass auch der Deal - Sex gegen Unterschlupf - stillschweigend abgeschlossen wird. Die ausweglose Situation, die Enge in der kleinen Waldhütte, die fast gar keine Rückzugsräume bietet, die kammerspielartige Stimmung und die Unberechenbarkeit von Akteuren und Situation entfalten für den geduldigen Zuschauer eine gewisse Spannung, die bis zum Ende aufrecht erhalten wird. Der Film, anfangs so kalt und grimmig, schlägt dabei zunehmend auch emotionalere Töne an, ohne sich kitschig oder melodramatisch anzufühlen. Hinzu kommen die großartigen Darsteller, drei weitgehend unverbrauchte Gesichter, welche die schlichte Inszenierung nutzen können, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Sie tragen nach einem behäbigen Start den stellenweise doch etwas spröden Film über seine langatmigeren Momente hinweg.

Fazit:
„The Survivalist“ ist ein spartanisches und etwas sprödes Endzeitdrama, das dank guter Darsteller und gespannter, kammerspielartiger Atmosphäre ohne große Worte oder Action-Szenen über weite Strecken gelungene Unterhaltung bietet. Damit setzt sich der Film von den manchmal allzu lauten und brachialen Genrevertretern wohltuend ab.

72 %

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