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1985: Mambru (Benicio del Toro) und B (Tim Robbins), seit Jahren Mitglieder einer internationalen Hilfeorganisation, versuchen bei einem Einsatz zum Ende des Balkan Krieges eine Leiche aus einem Brunnen zu bergen. Als das Seil reißt, erbitten sie vergeblich Hilfe von der UN und versuchen dann irgendwo ein neues Seil aufzutreiben. Doch die Einheimischen zeigen sich ablehnend…

Regisseur Fernando Léon de Aranoa (geb. 1968 in Madrid) hat sich in Spanien mit Filmen, wie „Montags in der Sonne“ (2002) oder „Princeas“ (2006) bereits einen Namen gemacht. Bei seinem Sprung aufs internationale Parkett begibt sich de Aranoa auf dünnes Eis und bewältigt die Aufgabe vorbildlich. Für sein realistisches Drama aus den letzten Tagen des Bosnien-Krieges wählt er nämlich einen ironischen Unterton, der seinen Film nicht zur Komödie, sondern die Schrecken des Krieges erträglicher machen soll. Der aus Puerto Rico stammende Helfer Mambru und vor allem sein Freund und Partner B haben erkannt, dass sie nur mit einer gehörigen Portion Sarkasmus ihre Arbeit bewältigen können. Und obwohl mittlerweile Waffenstillstand herrscht, die Friedensverhandlungen laufen und kein Schuss fällt, ist der Irrsinn des Krieges allgegenwärtig. Angefangen mit der Leiche im Brunnen, die Beginn und Schluss der Geschichte ist, bei der unklar bleibt, ob sie das Wasser aus militärischen oder kommerziellen Gründen verseuchen soll. Der Händler mit dem Tankwagen ist schließlich nicht weit. Oder das fehlende Vertrauen der kriegsgebeutelten Bevölkerung, so dass offensichtlich in der ganzen Umgebung kein lumpiges Seil aufzutreiben ist. Kinder vor Ruinen, Eltern, die in Sicherheit geglaubt, längst tot sind, der Streit um einen alten Fußball, der fast tödlich endet und lebendige, sowie tote Kühe auf verminten Straßen und Feldern. Wer hier nicht verbittert oder verzweifelt, muss die Kunst beherrschen einen gewissen Abstand zu bewahren.
Tim Robbins („Die Verurteilten“ 1994) sieht man den Spaß förmlich an 4 Jahre nach „Green Lantern“ (2011) mit so einer Rolle auf die große Leinwand zurückzukehren und Mélanie Thierry („The Zero Theorem“ 2013) überzeugt als junge, engagierte Helferin, die ihren Idealismus binnen eines, besagten Tages verliert. Benicio del Toro („Sin City“ 2005, „Sicario“ 2015) aber überragt wieder alle, diesmal mit ruhigem, nuanciertem Spiel.
Einziger Kritikpunkt ist die kleine Liebesgeschichte, die im Sande verläuft. Vielleicht soll sie aber auch deutlich machen, dass wo Menschlichkeit und Tatkraft gefragt sind, für Romantik erstmal kein Platz ist. (8,5/10)

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