Wild Boar (2019)
Wild Boar ist eine Mischung aus Creature Feature und Survival Horror. Das erste mal drauf aufmerksam wurde man im Mai 2015 mit der Trailer Veröffentlichung, die tatsächlich unter den Genrefans hohe Wellen geschlagen hatte. Denn Sharknado und Co. war sicherlich nett, aber von der Ernsthaftigkeit weit entfernt, sodass Wild Boar viel versprechend klang und aussah. Das es aber ganze 4 Jahre bis 2019 zur Fertigstellung brauchte, fällt in die Kategorie: Gut Ding will Weile haben!
Regie führte Barney Burman, der bereits 2010 einen Oscar für die beste Maske und Makeup für Star Trek bekommen hatte. Wild Boar ist nun sein Debütfilm, wo er sein Können im Bereich Maske und Makeup mehr als bewiesen hat.
Die Story handelt von einer Gruppe begeisterter Geocacher, die beschlossen hatten, in der Wüste den vermeidenden Ort als Challenge aufzusuchen und um hier einen wertvollen Schatz zu finden, doch hier hinter dem Reservoir lauert auch eine grunzende Überraschung. Eine durch Strahlung / Verseuchung entstandene Mutation, halb Mensch, halb Schwein hat sich ordentlich fortgepflanzt und ist alles andere als zivilisiert und freundlich, sodass ein blanker Kampf ums Überleben beginnt ...
Das war tatsächlich innovativ und interessant! Anders als klassische Tierhorror oder Monsterfilme setzt man hier auf Mutanten, halb Mensch, halb Schwein, was einen sofort an die Minecraft Piglins aus dem Nether erinnert hatte.
Wild Boar ist nicht nur ein Filmdebüt, sondern auch ganz klar ein Low Budget B-Movie. Die Chancen auf einen großen Leinwanderfolg waren logischerweise vorher schon recht gering. Doch trotz allem, denn das, was Barney Burman draus gemacht und rausgeholt hat, ist ordentlich! Allein die Masken, Make-up und Kostüme von den Schweinemenschen und auch die Kulissen waren extrem gut und man sieht hier schön sein künstlerisches Können.
Sehr gut waren auch die gewählten Drehorte in der Wüste rund um den Salton Sea in Kalifornien. Egal ob von der felsigen Landschaft, den Naturellen Wasserbecken oder den verlassenen Villages, all das wirkte authentisch, um hier filmisch ein atomar verseuchtes Gebiet entstehen zu lassen. Ach ja und natürlich gegen Ende die alten Schleusebecken. Lost Place läßt Grüßen ... Für eine gute Horror Atmosphäre sorgte der dreckige Look und die Farbeinstellungen. Schauspielerisch war die Hauptrolle mit Augie Duke gut besetzt.
Doch trotz der vielen kleinen positiven Dinge hat Wild Boar leider auch ziemlich große Schwächen. Hier sei die merkwürdige Kamera zu nennen, die zum Teil wie in einem Amateurfilm ausschaut. Auch sonst wirkt der Film recht billig produziert. Und zu guter Letzt hält sich Wild Boar im Bereich nackter Haut und Blut sehr zurück. Da wäre definitiv noch mehr gegangen. - Die Vermutung liegt nahe, dass es damit zu tun haben könnte, dass die erste Version vom Drehbuch nicht realisiert werden konnte, wo eventuell auch vom Plot mehr auf die Hintergründe und offenen Fragen eingegangen werden würde. Die Idee, Einflüsse aus The Hills Have Eyes (1977) und Planet der Affen (1968) nur mit Piglins mit einfließen zu lassen, ist in der zweiten Version geblieben und ich denke, das war eine gute Entscheidung.
Noch ein paar Worte zu der tieferen Ebene. Auch wenn man es kaum glauben mag, aber auch billige B-Movies wie Wild Boar besitzen eine. So kann man als objektiver Zuschauer gerne darüber philosophieren, ob das Verhalten des Ober-Piglin nachvollziehbar ist im Kontext dessen Kultur und Existenzrechtes und natürlich aus dem Blickwinkel, das sie unfreiwillig in die Situation gekommen sind usw.
Fazit: Das Ganze hat überraschend gut funktioniert und wenn man seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzt, dann wird man als Genre und B-Movie Fan definitiv gut unterhalten werden. Wild Boar ist einfach erfrischend anders. Bewertung: 6,5/10 Punkte.