Ridley Scotts „Blade Runner“ erntete erst spät Anerkennung, gehört aber heute zu den besten Filmen der 80´er Jahre und ist zweifelsohne ein Klassiker des Sci-Fi Genre. Filme wie „Minority Report“, „Total Recall“ oder auch der kürzlich im Kino gelaufene Streifen „Die Insel“ gäbe es sonst in der Form wohl nicht. Nach „Alien“ ist dies gleich der zweite Geniestreich Scotts, weshalb er auch für mich zu den bedeutendsten Regisseuren jener Dekade gehört.
„Blade Runner“ basiert auf auf der Science-Fiction Novelle „Do androids dream of electric sheep” von Philip K. Dick. Allerdings ist die Umsetzung ziemlich frei, viele Elemente wurden letztlich anders gestaltetet oder fanden keine Verwendung im Film.
Im frühen 21. Jahrhundert ist die Menschheit in der Lage künstliche Abbilder, so genannte Replikanten, zu erschaffen. Diese stehen im Dienst der Menschen und müssen auf entlegenen Planeten alle Arten von Arbeiten verrichten. Die Rückkehr zur Erde ist ihnen strengstens untersagt, versuchen sie es dennoch werden sie von speziellen Jägern, den Blade Runnern, verfolgt und ausgeschaltet. Als 4 Replikanten von einer menschlichen Kolonie fliehen und unbemerkt auf die Erde kommen, wird der Blade Runner Dekker (Harrison Ford) auf sie angesetzt. Eine gefährliche Jagd durch den Großstadtdschungel beginnt…
Es ist schwierig bei diesem genialen Film einen Anfang der Analyse zu finden. Beginnen wir einfach einmal bei der Handlung, die in ihrer Form so komplex ist das mehrmaliges Ansehen nötig ist um alle Details wahrzunehmen. Noch heute ist umstritten was Dekker nun eigentlich ist – Mensch oder Replikant. Im Vordergrund steht die Frage wie mit künstlich geschaffenen Leben umzugehen ist. Ist es richtig künstliche Wesen die sogar im begrenzten Maße fühlen können, seien es nun Androiden oder Klone, für die eigene Bequemlichkeit als Sklaven zu halten? Im Film gibt es für jede Art von Dienstleistung eine Sorte von Replikanten, Soldaten für den Krieg, Arbeiter für die Fabriken und Liebesdienerinnen für intime Wünsche (siehe z.B. auch „A.I.- Künstliche Intelligenz“). Neben den moralischen Fragen im Film, gibt es aber auch viele philosophische Ansätze: Ist der Mensch als Schöpfer von Leben jetzt gottgleich? „Blade Runner“ verarbeitet viele Themen der Science Fiction, verliert aber nie den roten Faden aus den Augen.
Harrison Ford darf nach dem draufgängerischen Han Solo in Star Wars mal einen etwas zurückhaltenden Charakter spielen. Dekker ist zwar konsequent auf der Jagd nach den Replikanten, steht aber nicht im Rampenlicht. Im Mittelpunkt steht der Spannungsbogen, der vom Aufbau her einen Thriller nicht unähnlich ist. Sehr gelungen ist in diesem Zusammenhang Kameraführung und Beleuchtung der Sets, besonders im packenden Showdown ist düstere Stimmung garantiert. Der Schauplatz der Geschichte ist eine Metropole mit gewaltiger Skyline, unendlich tiefen Schluchten und finsteren Gassen. Autos fliegen auf Luftwegen quer durch die Wolkenkratzer, die Straßen sind völlig überfüllt und zu allem Überfluss ist es immer dunkel. Diese Stadt ist quasi der urbane Albtraum und gleichzeitig eine Anspielung auf das heutige Chaos in den Städten und wozu die Technisierung führen könnte. Die pessimistische Grundhaltung ist allgegenwärtig im Film und dem „Film Noir“ entliehen, eine angenehme Abwechslung zu den sonst meist kitschig-bunten Zukunftsvisionen.
Bis heute hat der Film nichts an seiner optischen Pracht verloren, die visuellen Effekte sind nach wie vor meisterlich. Wo andere Film ähnlichen Alters bereits technisch überholt sind, hat „Blade Runner“ nichts von seiner Faszination verloren. Nie zuvor wurde ein realistischeres Zukunftsbild, mit all seinen Ecken und Kanten, gezeichnet. Fliegende Autos, gigantische Bauten und riesige Relkametafeln…. Heute nichts Besonderes mehr, seinerzeit aber wegweisend, Filme wie „Minority Report“ oder „Das fünfte Element“ ließen sich davon inspirieren. Ein wichtiger Bestandteil des Films ist der Synthie-Soundtrack von Vangelis, die Fusion von prachtvollen Bildern und kraftvoller Musik, zieht einem schnell in seinen Bann.
Noch etwas zur Fassungsproblematik: Als Vorlage diente die derzeit einzig erhältliche Version, der „Director´s Cut“. Gegenüber der Kinofassung wurden die Off-Kommentare von Harrison Ford herausgenommen, das Ende wurde ebenfalls geschnitten. Mir persönlich kommt der Schluß sehr plötzlich, aber immer noch etwas besser als das Happy End der Kinofassung.
Fazit:
Ridley Scotts „Blade Runner“ ist ein Meilenstein des Phantastischen Films und versteht es auch heute noch durch seine dichte Atmosphäre zu fesseln. Wegweisende Visuelle Effekte und anspruchsvolle Geschichte verschmelzen hier zu einer düsteren Zukunftsvision die bis heute oft kopiert aber nie erreicht wurde.