Heute schloss sich bei mir eine cineastische Bildungslücke des Science – Fiction Genres. Trotz ausführlichster Reviews, speziell von Blade Runner (auf jeden Fall lesen, weil viele Background Informationen dargestellt werden), möchte ich, auch wenn es objektiv „unnötig“ erscheinen mag, meine Perspektive und Ansicht zu Ridley Scotts Meisterwerk loswerden.
„Blade Runner“
Zwar wird den meisten wohl der Plot wohlbekannt sein, jedoch erachte ich es der Kohärenz wegen als sinnvoll eine Inhaltsangabe zu verfassen, wenngleich sie auch manchen Lesern als überflüssig erscheinen mag.
Anno domini 2019. Der technologische Fortschritt der Menschheit reflektiert sich in Androiden, auch Replikanten genannt, welche von „normalen“ Menschen, nicht zu unterscheiden sind. Die künstlich geschaffenen Menschen sind hoch intelligent und besitzen eine perfekte physische Konstitution, welche sich durch außergewöhnliche Kräfte manifestiert. Ihre Aufgabe war es als Sklaven der Menschheit bei der Erschließung des Weltalls zu dienen, doch durch ihre hohe Intelligenz rebellierten sie gegen diese Diskriminierung und Degradierung. Die Folge der Rebellion der Replikanten, war das Einreiseverbot auf den Planeten Erde, welches bei Missachtung mit der Todesstrafe (Verabschiedung) sanktioniert wurde. Die exekutive Instanz bei der „Verabschiedung“ der Replikanten stellt die Spezialeinheit der Blade Runner dar.Deckard (Harrison Ford) ist ein ehemaliges Mitglied der Blade Runner Einheit und wird wieder in den Dienst berufen, weil vier Replikanten auf der Erde eingetroffen sind. Seine Aufgabe ist klar: „VERABSCHIEDEN“
Deckard lernt beim Besuch Tyrells, dem Erfinder der Replikanten der Entwicklungsphase „Nexus“, die wunderschöne Replikantin Rachel kennen, in welche er sich auch verliebt. Ein Widerspruch, der ihn meistenteils unbewusst bei der Hetzjagd nach den vier Replikanten begleitet.
„Blade Runner ist nicht nur einfach ein grandioser Genrefilm! Nein! Er ist bedeutend mehr! Scott schildert in Bildern eine düstere Vision der humanen Zukunft. Der Film erdrückt den Zuschauer durch seine dichte und klaustrophobische Atmosphäre. Der kontinuierliche Regen, der auf die Neonsilhouette von Los Angeles niederprasselt, als ob die Natur dem fehlgeleiteten Entwicklungsverständnis der Menschheit den Kampf angesagt hat, vermag es den Zuschauer in eine latent depressive Grundstimmung zu versetzen. Der perfekt abgestimmte Score von „Vangelis“ trägt maßgeblich zur Untermalung dieser in Bildern festgehaltenen Stimmung bei. Alleine durch die brilliante szenische Gestaltung von „Blade Runner“ ist Scott schon ein Meisterwerk in diesem Filmsektor gelungen, speziell wenn man sich das Erscheinungsjahr 1982 vergegenwärtigt und Parallelen zu anderen Filmen dieses Genres zieht (außer „Star Trek II“). Zudem sind die darstellerischen Qualitäten der Schauspieler einfach grandios. Harrison Ford, der die Rolle des moralisch hin- und hergerissenen Cops authentisch und mit hohem Identifikationsfaktor mimt, aber auch Sean Young, welche nicht nur eine der attraktivsten Frauen im Filmbusiness ist, sondern auch in ihrer Rolle als zunächst unwissende und dann desillusionierte Replikantin, mit hohem Sympathiefaktor schauspielerisch zu überzeugen weiß, werten den Film maßgeblich auf und verleihen ihm eine hohe Intensität, die im Einklang mit der düsteren Bilderflut steht. Aber auch die Akteursqualitäten von Rutger Hauer und Daryl Hannah dürfen nicht unerwähnt bleiben. Sie beide vermögen erst durch ihre Rolleninterpretation, den Zuschauer zu fesseln und zum reflektieren anzuregen. Interessanterweise stereotypisierte ich die beiden zunächst als die offensichtlichen Antagonisten dieses Filmes, was sich zu meiner Überraschung im Fortgang des Films relativierte.
„Wir bewegen uns auf ,Messers Schneide’!“ Eine zentrale Aussage, welche der Filmtitel uns ans Herz legt und meines Erachtens zutrifft. Eine Aussage die uns verdeutlicht wie wackelig die menschliche Natur ist. Die Protagonisten, inklusive Replikanten, verkörpern alle diese Ambivalenz der reflektierten Lebewesen. Jene zu überwinden ist in Scotts Vision, meiner Deutung nach, unmöglich.
Fazit:
„Blade Runner“ ist ein Genremeisterwerk, welches visionär und düster in unsere Zukunft blickt und uns zugleich unsere unüberwindbaren genuin humanen Schwachpunkte aufweist. Abgesehen von existenzphilosophischen Fragen, welche dem Film einen einzigartigen Tiefgang verleihen, überzeugt „Blade Runner“ mit grandiosen Effekten und hervorragenden Schauspielern. So gehört „Blade Runner“, meiner Meinung nach, zu einem der besten (Science-Fiction) Filme!
10 Punkte