Review

Das ist also Ridley Scotts Meisterwerk? Mag sein.... Jedoch nicht für mich.
Ich habe eigentlich seit jeher ein Problem mit Ridley Scott. Nicht insofern, dass ich ihn nicht mag oder weil er mich enttäuscht hat mit seinen Filmen oder so, nein: Er sagt mir einfach nichts. Irgendwie finde ich zu seinen Filmen nie wirklich einen Zugang. Daher kann ich auch nicht wirklich abschätzen, ob er ein guter Filmemacher ist oder nicht.
Wieso ich das ausgerechnet in dieses Review schreibe, wird sich gleich noch zeigen.

Blade Runner kann meines Erachtens mehr oder weniger wenn schon nicht als bester Film Ridley Scotts, dann doch schon als sein erster richtiger Film mit unverkennbarer Handschrift bezeichnet werden.
Ähnlich wie schon zuvor Alien ist der Film athmosphärisch dicht, aber im Gegensatz zu Alien spielt diesmal eine große Rolle die Filmmusik, sowie der ästhetische Aspekt der Bildsprache, und zwar auf so eine Art und Weise, dass man eigentlich alle weiteren Filme, die Ridley Scott gedreht hat, nur anhand seiner Erfahrungen mit Blade Runner sofort auf den ersten Blick erkennen kann.
So ist beispielsweise in seinen kälteren Filmen immer ein recht warmer Farbton vorhanden und in seinen wärmeren Filmen ist im Kontarst dazu ein kälterer bläulicher Farbton vorhanden. Es ist aber niemals so, dass es einen (in diesem Fall mich) großartig fesselt, eher kommt es einem dadurch artifizieller und künstlicher vor.
Vieles beläßt Ridley Scott bei Andeutungen, ohne großartig explizit zu werden, oder läßt seine Protagonisten kryptische Verse von sich geben. Das ist hier bei Blade Runner so, wird auch in seinen späteren Filmen so werden.
So zeigt er zwar einerseits, dass er sein Publikum für mündig genug hält, es mit seinen Ergüssen aufnehmen zu können, andererseits zeigt er auch, dass für ihn ein erwachseneres Publikum seine Zielgruppe ist. Umso erstaunlicher ist dann für mich auch, wieso mir seine Filme dann auch nicht sonderlich zusagen?

Ein weiterer Aspekt der Filme Ridley Scotts, mit dem ich wirklich wenig anfangen kann, ist die Tatsache dass seine Protagonisten weder sonderlich sympathisch sind, man also vergeblich die Identifikation mit ihnen sucht, noch wirklich durchleuchtet werden. Auch im Blade Runner ist das der Fall, denn obwohl man Harrison Ford die ganze Zeit über begleitet, erfährt man im Grunde genommen nichts über ihn, dabei könnte man sehr viel mehr aus seinem Charakter machen.
Man könnte nun meinen, dass das gerade das ist, was Blade Runner auszeichnet: Er bleibt seltsam mystisch und geheimnisvoll und zieht einen erst dadurch in seinen Bann.

Und tatsächlich ist das dann auch einer der wenigen wirklichen Stärken des Films: Er ist geheimnisvoll, hat eine ungeheure Bildsprache (inklusive Ausstattung) und eine gute Geschichte.
Dass diese Geschichte nun derart verfilmt wird wie von Ridley Scott und nicht wie von Steven Spielberg, der daraus ein grauenhaftes fast schon erzählerisch stümperhaftes Märchen für Kinder hätte machen können (man nehme nur den absolut enttäuschenden und nicht enden wollenden A.I.) ist zwar einerseits ein Segen, aber andererseits auch ein Fluch, den beispielsweise ein Paul Verhoeven hätte zur gleichen Zeit daraus vielleicht sogar einen richtigen Adrenalinreißer machen können.

So bleibt, wie häufig in Ridley Scott Filmen, die noch folgen würden, bei mir der fade Geschmack, dass man mehr hätte aus dem machen können, was Ridley Scott so schön arrangiert hatte, dass der Film wirklich schön anzuschauen ist, dass er möglicherweise interessante Aspekte (nur) anschneidet, aber nicht weiter vertieft, sowie die Gewissheit, es wird jetzt eine Horde von Menschen begeistert sein von diesem Film, mir geht er ziemlich am Arsch vorbei.

(Kurzer Exkurs: In ähnlicher Form trifft all das auch auf Ridleys Bruder Tony zu, wobei jener ja sogar die niedereren Instinkte des Publikums mit einer sehr ähnlichen Bildsprache anspricht. Prinzipiell ist das ja auch ein Kompliment, wenn man anhand von zwei Minuten Film schon erkennen kann, wer der Regiseur ist. Und das trifft bei deiden zu: Ridley bedient die selbsternannten Intellektuellen Mainstreamjunkies und Tony das niedere Gemüt.)

Wie auch immer, aus den eben erwähnten Gründen empfinde ich Blade Runner als den Prototypen des Ridley Scott Films, wie wir ihn heute in regelmäßigen Abständen serviert bekommen, und wie alle seine Filme eigentlich:
Die Machart ist offensichtlich professionell, die zu Grunde liegende Story ist äußerst interessant, die Besetzung eine Wucht (daher brauchte ich auch nicht groß auf Rutger Hauer hier einzugehen, da fast schon selbstverständlich, dass er eine gute Performance hinelegen wird), die Musik eigentlich am Puls der Filmmusikzeit, aber immer das Bewußtsein: Berührt mich nicht im Geringsten, da mir die Identifikation mit den Figuren einfach nicht gelingt. Ich neige sogar dazu zu behaupten: Ridley Scotts Filme sind einfach nur oberflächlich tiefsinnig, in Wahrheit nicht die Spur davon, statt dessen sehr pretentiös und mehr heiße Luft als tatsächliche Werte ( sieht man immer wieder an seinen merkwürdigen Propagandafilmchen, die er in regelmäßigen Abständen fabriziert....)

Nun ja, offensichtlich ist ja Blade Runner aber dennoch ein Meisterwerk, mir sagt er aber leider nichts, daher subjektive 5 Punkte, er hat schon sehr viel besseres abgeliefert.

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