„Blade Runner“ ist ein visuell einfallsreicher Science Fiction Film, der allerdings nicht mit der Rasanz anderer Genreklassiker aufwartet und seine Qualitäten daher teilweise erst bei mehrmaligem Ansehen entfaltet.
In der von „Blade Runner“ ausgemalten Zukunft ist die Welt ein finsterer Moloch mit in Neonlicht getauchten Straßenschluchten, gigantischen Konzerngebäuden und Straßen voller Obdachloser, Ramschhändler und Gesetzloser. Das Englisch der Zukunft ist vermischt mit Deutsch und Sprachen aus dem asiatischen Raum, einen Blick auf die Sonne darf man zumindest im Großstadtdschungel nicht erhoffen. Alles in allem ebenso düster wie beeindruckend, wobei „Blade Runner“ mit seiner Optik diverse nachfolgende Sci-Fi-Filme prägte.
In dieser Welt muss sich auch Rick Deckard (Harrison Ford) durchschlagen, ein zynischer Ex-Cop und exzellenter Replikantenjäger. Bei Replikanten handelt es sich um künstliche Menschen, die für verschiedenste Tätigkeiten gebaut wurden – immer wieder rebellieren einzelne Modelle jedoch. Rick ist ein Held im Stil der Schwarzen Serie Hollywoods, in seinem Trenchcoat hat er den richtigen Look und auch von seinem Auftreten her würde er wunderbar in einem Hard Boiled Roman der Detektivliteratur passen.
Von seinem Ex-Boss wird Rick zu einem Job berufen, den er widerwillig annimmt: Einige Replikanten begingen ein Massaker auf einer Raumfähre und müssen nun aufgehalten werden. Ihr Anführer ist der hochintelligente Roy Batty (Rutger Hauer)...
„Blade Runner“ gehört zu jenen Filmen, die vor allem auf das Visuelle setzen. Ridley Scotts Bilder sind einfach großartig, die so herrlich düster kreierte Zukunft wird von ihm stilvoll eingefangen. Dabei erweist sich „Blade Runner“ auch optisch als Neo-Noir, von der Ausleuchtung her ebenso wie von diversen Kamerapositionen und dem Dauerregen, der zu herrschen scheint.
Vom Feinsten sind auch Setdesign und Special Effects. Die Zukunftsvision sieht nie zu futuristisch, sondern durchaus glaubwürdig aus und die Locations machen was her: Ein Nachtclub, die Werkstatt eines Organhersteller oder die Wohnung von J.F. Sebastian (William Sanderson), des kindlich anmutenden Erfinders der Replikanten.
Allerdings muss man sagen, dass „Blade Runner“ nicht immer ganz in die Puschen kommt, wenn es um die Story geht. Ridley Scotts Film ist recht spannend, über weite Strecken jedoch eine eher simple Hatz auf die Replikanten. Rick spürt einzelnen Hinweisen nach und schaltet dann den Replikanten aus, den er findet. Erst gegen Ende kann „Blade Runner“ mit ein paar überraschenden Plottwists aufwarten, von denen einige (z.B. der Sinneswandel Battys gegen Ende) Filmgeschichte schrieben.
Dies ist allerdings nur ein kleines Manko in einem sonst sehr sauber erzählten Film, der sich auch für seine Charaktere Zeit lässt. Hinter Ricks harter Fassade erkennt man einen vom Leben enttäuschten Mann, der seine Prinzipien überdenken muss, als er beginnt etwas für die Replikanten-Sekretärin Rachael (Sean Young) zu empfinden. Auf die Lovestory verwendet „Blade Runner“ einige Zeit, was zwar auch zu Lasten des Mainplots geht, aber die Figuren vertieft. Selbst die Replikanten in ihrem Bedürfnis nach Leben stellt „Blade Runner“ nicht als einfache Bösewichte da; vor allem Battys Monolog gegen Ende geht unter die Haut.
So ist „Blade Runner“ dann auch kein Film, der auf große Schauwerte setzt. Das Setting ist wie gesagt beeindruckend gemacht, drängt sich aber nie in den Vordergrund, Action wird hier klein geschrieben. Kommt es dann mal zur Konfrontation Deckard vs. Replikant, dann geht die Chose roh und nicht auf Eleganz ausgelegt vonstatten, doch die Actionszenen sind überzeugend gemacht (vor allem das temporeiche Finale).
Großen Anteil am Gelingen trägt der toll aufspielende Harrison Ford als harter, wortkarger Replikantenjäger. Rutger Hauer als Gegenspieler kann mithalten, seine Replikantencrew wird von Brion James, Darryl Hannah und Joanna Cassidy ordentlich verkörpert. Gut ist auch Sean Young als Love Interest, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh und James Hong gelungener Support.
Im Bereich Story mag „Blade Runner“ nicht der raffinierteste Film sein, doch Ridley Scotts Neo-Noir im Sci-Fi-Gewand ist flott wie spannend erzählt und kann mit großartigen Bildern aufwarten, welche die eher simple Geschichte wunderbar übertünchen.