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Neben "Alien" ist "Blade Runner" ein weiteres Aushängeschild für die Regiekarriere von Kultregisseur Ridley Scott. Ein Film den man mal gesehen haben muss, oder besser ausgedrückt, sollte. Ich für meinen Teil war ein wenig enttäuscht, in meinen Augen ist der sehr düstere Science Fiction Thriller eindeutig überschätzt. "Alien" war eindeutig sein größter Clou und "Black Rain" ist auch ein Klassiker. Im Hier und Jetzt hat Scott einiges an Präsenz verloren. Seit "Black Hawk Down" trifft er meinen Geschmack überhaupt nicht mehr, aber seine Filme wurden alle kommerzielle Erfolge. So auch "Blade Runner", bei dem Scott mit einem geringen Budget von 28 Millionen Dollar auskommen musste, der Film sieht aber wesentlich teurer aus. Auf jeden Fall hat sich Scott hiermit entgültig in die Rige der großen Regiesseur katapultiert, aber es gibt Besseres von ihm.

Die Zukunft, Jahr 2019. Der ehemalige Polizist Rick Deckard (Harrison Ford) wird wieder in den Dienst aufgenommen und erhält den gefährlichen Auftrag, vier entkommene Replikanten zu lokalisieren und auszuschalten. Aber die Replikanten, unter der Führung von Roy Batty (Rutger Hauer), haben ihre eigene Vorstellung vom Leben. Dazu müssen sie jedoch ihre Lebensdauer erhöhen, Batty steht schon kurz vor der Schwelle zum Tod, nun hofft er auf die Hilfe seines Schöpfers Eldon Tyrell (Joe Turkel) und die seines Gehilfen J.F. Sebastian (William Sanderson). Deckard verzettelt sich derweil nicht nur in die Ermittlungen, sondern findet auch gefallen an der Replikantin Rachel (Sean Young). Trotzdem hat er die Spur bald aufgenommen und es kommt zu einer Abrechnung auf Leben und Tod.

Nach der Novelle von Philip K. Dick verfasste Drehbuchautor und Schauspieler Hampton Fancher (The Minus Man) das Drehbuch. Die Story selbst gestaltet sich als einfach, auch überraschungsarm. Deckard wird wieder in den Dienst aufgenommen, um vier entflohene Replikanten dingfest zu machen. Das gab es schon oft, doch das ganze Drum herum, im Bezug auf die Zukunftsversion reißt es heraus. Der Replikant, erschaffen von der Firma Tyrell, ist eine Kopie des Menschen, mit einer geringen Lebensdauer von nur vier Jahren. Die Replikaten dienen den Menschen als Arbeiter, Agenten, oder gar Sklaven, auf jeden Fall sind sie nicht frei. Genau das ändert der kluge Roy Batty, indem er zusammen mit seiner Freundin Pris (Daryl Hannah) flieht, mit noch zwei anderen Replikanten an seiner Seite. Batty hat die Absicht seine Lebendauer zu erhöhen, er will frei sein, ein Leben führen, wie es ein normaler Mensch tut. Um genau so etwas zu verhindern, gibt es die "Blade Runner", eine Art von Polizisten, welche auf die Jagd von Replikaten getrimmt wurden und diese auch durch einen Emotionstest erkennen können. Deckard ist einer der Blade Runner Einheit und bekommt diesen schwierigen Fall aufgedrückt. Gerade Deckard, verguckt sich nebenbei in die Replikantin Rachel, wobei sich der Zuschauer wirklich nicht sicher sein kann: Ist sie nun künstlich, oder gar ein echter Mensch. Scott reizt das Thema Lovestory zu arg aus, obwohl es nur einmal zu einer mehr oder minder erotischen Szene kommt. Er hätte sich etwas mehr auf die Jagd und Action konzentrieren sollen, denn nur die zweite Halbzeit kann Rasanz und auch Spannung in höherem Maße bieten.

Doch man muss sich bis dahin eine knappe Stunde gedulden. Mit ist natürlich klar, dass wir uns hier in einem Thriller und nicht in einem Actionfilm befinden, aber die manchmal endlos scheinenden Dialoge, kann nicht mal die grandiose Kulisse überdecken. Es kommt nun mal, auch aufgrund der recht langen Laufzeit von rund 112 Minuten, zu kleinen Hängern, auch die Spannung lässt anfangs stark zu wünschen übrig. Sobald Deckard den ersten Replikant ausfindig gemacht und eliminiert hat, kommt "Blade Runner" endlich in Fahrt. Ausser einem Mord, gleich in den ersten fünf Minuten, ist in der ersten Hälfte sonst nicht viel los. Aber im Finale zieht Scott nochmal alle Trümpfe. Nicht nur Action kommt hier zu Tage, sondern fast Hochspannung. Man weiss genau, dass die Replikaten Deckard locker überlegen sind und auch bereit sind über Leichen zu gehen, um an ihr Ziel zu gelangen. Daher muss sich Deckard auch ein paarmal seiner Haut erwehren, wird verletzt, oder auch verprügelt. Alle außer Batty werden mit der Waffe niedergestreckt, doch er ist wesentlich hartnäckiger und leistet sich mit Deckard ein Katz und Mausspiel in einem großen Gebäude. Die Actionsequenzen selbst sind sehr kernig inszeniert, fallen aber alle, bis auf das Finale, sehr kurz aus.

Wirklich toll gelungen ist die zukunftsorientierte Kulisse. Mit diesem eher geringen Budget ist es wirklich eine Meisterleistung, so etwas hinzubekommen. Wir befinden uns hier in einer sehr düsteren Welt. Die Sonne lässt sich kaum noch blicken, es ist kalt, regnet andauernd. Man würde sich als Bewohner sofort unbehaglich fühlen. Die Gebäude ragen fast in den Himmel, auch der Grund warum man fliegende Autos benutzt und die normalen Strassen sind überflutet mit Menschen, fast schon überbevölkert. Eine düstere Welt in der ich mich nicht wohl fühlen würde. Für 1982 kann man vor den Kreationen nur den Hut ziehen. Das Meiste musste noch in Handarbeit erstellt werden. Man arbeitete mit Modellen oder Miniaturen. Aber alles sieht echt aus. Begleitet und untermalt wird "Blade Runner" mit den Sounds von Vangelis.
Direkt nach dem Dreh des ersten "Indiana Jones" übernahm Harrison Ford hier die Hauptrolle. Er mimt den sehr unentschlossenen Deckard wirklich großartig und verleiht seiner Figur etwas Tiefgang. Aber auch der gegenpart, besetzt mit Rutger Hauer als Roy Batty, Daryl Hannah als Pris und Brion James als Leon Kowalski weiss zu überzeugen. M. Emmet Walsh ist als Polizeicaptain Bryant zu sehen, Sean Young als hübsche Replikantin (oder auch nicht ???) Rachel und Edward James Olmos (Miami Vice) als Gaff.

Düsterer Sci-Fi-Thriller mit überzeugenden Darstellern und einer meisterlichen Kulisse. Die Story ist interessant, sogar leicht sozialkritisch, doch gerade die erste Halbzeit ist zu langatmig. "Blade Runner" ist kein schlechter Film, aber überschätzt, ich hatte viel mehr erwartet.

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