Los Angeles im Jahre 2019: Die Menschen haben einen technologischen Stand erreicht, der es ihnen ermöglicht künstliche Menschen, so genannte Replikanten, zu erschaffen. Sie werden auf fernen Kolonien als Sklaven verwendet. Da diese äußerlich nicht von Menschen zu unterscheiden sind und aufgrund ihrer Herkunft den Menschen überlegen sind, wurde deren Lebenszeit begrenzt und ihre Haltung auf der Erde verboten. Aber vier Replikanten können auf die Erde fliehen. Ex-Polizist Deckard erhält den Auftrag, diese vier Replikanten aufzuspüren und zu eliminieren. Es entwickelt sich eine spannende Hetzjagd, bei der die wahre Absicht der Replikanten langsam ersichtlich wird.
Oje, nur noch vier Jahre bis 2019 künstliche Menschen durch die smogverseuchten Städte (zumindest in LA) strolchen, hoffentlich reichts bis dahin für ein Häuschen im Grünen.
Philipp K. Dick scheint ein wirklich Visionärer Autor gewesen sein. Neben Blade Runner basieren auch beispielsweise Total Recall oder Minority Report auf seiner Feder und manche seiner Zukunftsvisionen sind ja mittlerweile schon wahr geworden oder in der Entwicklung weit fortgeschritten. Ridley Scott verarbeitete den Stoff zu einer sehr düsteren Zukunftsvision mit stark philosophischen Zwischentönen. Die Großstadt ist hier ein tageslichtbefreiter Moloch futuristischen Ausmaßes, es herrscht ständige Finsternis gepaart mit Dauerregen und emotional abgestumpften Bewohnern.
In dieses klaustrophobische Setting in dem Blade Runner Deckard ein paar marodierende Replikanten verfolgt, die sich auf die Erde gemogelt haben (werden sonst extraterrestrisch als Arbeitssklaven genutzt werden). Diese sind mittlerweile stärker und schlauer als der olle Homo Sapiens und sie haben Fragen an die Menschheit, die sich auf ihr persönliches Haltbarkeitsdatum beziehen. Als Sicherung leben sie nur wenige Jahre, da können schon mal Fragen nach der Geburt und eigenen Endlichkeit hochkommen.
Blade Runner setzt dabei gar nicht mal so auf Action und Ballerei, sondern auf gute Dialoge und geschickten Fragen nach Ethik, Moral und God´s Domain generell, welche mir sonst meist tierisch auf die Nuß gehen, aber hier wirklich gut herein passen. Dazu kommt noch, das der Film optisch eine Wucht ist. Visuell wurde bei den Modellen extremer Wert auf Detailreichtum gelegt und das hat sich gelohnt, dafür eine glatte 1 mit Sternchen. Auch der Score von Vangelis paßt sich toll der geforderten Situation an, technisch gesehen absolut kein Grund zur Klage.
Zum Ansehen hatte ich den final Cut zur Verfügung, muß man bei den zig kursierenden Versionen ja schonmal erwähnen. Als intelligente SciFi Utopie kann man das Werk absolut empfehlen, muß jetzt aber auch nicht vor Ridley niederknien und Dankgesänge anstimmen, wie es oft behauptet wird. Alien gefällt mir beispielsweise besser, aber es lebe die Geschmacksvielfalt.
8/10