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Blade Runner - Ein Kultfilm, ein Mythos. Aber auch ein Film, der altern musste, um eine Fangemeinde aufzubauen.
Doch was bleibt neben einer tollen Optik, technischen Raffinessen, viel Liebe zum Detail, etwas plakativ zur Schau gestellten philosophischen Fragestellungen und einigen pathetischen Wortfetzen eigentlich von diesem, für viele, Meisterwerk des Cyberpunk- und SciFi Kinos? Die unzähligen Reminiszenzen an Metropolis und Klassiker aus dem Film Noir sind unübersehbar, das Design einer postmodernen Endzeitstadt voller Art Deco-, Jugendstil- und internationalen Architekturelementen, die sich zusammen mit futuristischen Stilen im Schatten der Hightech-Giganten zu einem Megaslum zusammensetzen, sind ein optischer Augenschmaus. All dies verbucht Blade Runner eindeutig auf der Habenseite.
Spricht man jedoch mit den Fans dieses zum Kultstreifen avancierten Ridley Scott Films, dann bekommt man zumeist eine Abhandlung über tief philosophische Handlungsebenen gehalten, doch sind die wirklich da?

Mal abgesehen davon, dass Hauptdarsteller Harrison Ford über weite Strecken des Films ziemlich blass und austauschbar wirkt - und vielleicht auch wirken soll - sind auch die Replikant - Mensch Dualismen inszenatorisch eher oberflächlicher Natur. Okay, die Replikanten zeigen Gefühle, es stellt sich die Frage: Wer ist in dieser futuristischen Megacity nun menschlich und wer nicht? Besonderer Mehrwert: Fehlanzeige. Zu offensichtlich sind die Antworten die "Blade Runner" bietet.
Desweiteren stellt sich die Frage, warum Replikanten erst einem "Voigt-Kampff-Test“ unterzogen werden müssen, erkennt sie der Zuschauer doch in jeder Szene an den Reflektionen der Augen, aber geschenkt. Auf die doch viel zu triviale Kapitalismuskritik möchte ich gar nicht erst eingehen - die ist durch unzählige Wiederholungen von Coca-Cola Werbung und dem Stereotyp konzipierten Boss der Tyrell Corporation in jeder zweiten Szene sichtbar. Allgemein arbeitet der Film so gewollt und gezwungen mit Symboliken, das der anspruchsvolle Zuschauer zumeist gar keine Lust spürt ständig an ihrer Entschlüsselung zu arbeiten, weil er einfach nicht ernst genommen wird. Egal ob es nun Origami Figuren oder phrasenartige Gespräche sind - ich möchte Symbole selbst entdecken und nicht mit dem Gesicht in sie hinein getunkt werden. Als Descartes' berühmtes "Cogito ergo sum" dann auch noch von Replikant Pris wörtlich zitiert wird, reicht es eigentlich. Ich habe verstanden, aber für wie Blöde hält man mich hier?
Dramaturgie im Allgemeinen ist dem Film leider zu oft fremd, genauso wie Charaktertiefe und Logik. Die plötzliche Liebesbeziehung zwischen Deckard und Rachael trieft nur so vor Kitsch und Unglaubwürdigkeit, ganz allgemein ist die Charakterentwicklung ziemlich banal, das meiste wird ohnehin der Gesamtoptik unterworfen. Viel zu oft hat man auch das Gefühl, dass Blade Runner Motive seiner Vorlage außer Acht lässt, zu lückenhaft wirkt die Story, zu banal die Charaktere.

Was bleibt nun also von "Blade Runner"? Blade Runner ist einer dieser Filme, die eine bestimmte Sorte Filmfans lieben will, weil diese Sorte Film einen Mehrwert verspricht. Das kann ein ganz bestimmter Blick auf die Welt sein, ein bestimmter philosophischer Habitus, oder der bloße Anstrich "Cineast" zu sein. Doch diesen Mehrwert liefert Blade Runner selbst nur, wenn man ihn in den Film hineinlegen will und den Film als etwas verklärt, was er nicht ist. Der SciFi Fan und Hobbyphilosoph, der seine intellektuellen Reisen ausschließlich durch Hollywood bestreiten muss, wird somit nicht drumrum kommen Filme wie Blade Runner toll zu finden.
Für den objektiven Betrachter ist Blade Runner am Ende nur ein ambitionierter, optisch überragender, aber aufgrund der fehlenden Tiefe von Story und Charakteren nur durchschnittlicher, mäßig spannender, SciFi-Actionfilm.

5/10

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