Durch eine Videobotschaft, welche ihm seine verstorbene Chefin "M" nach ihrem Tod hat zukommen lassen, wird der britische Geheimagent James Bond auf die Spur eines gewissen Sciarra gebracht, der in Mexiko-Stadt einen Terror-Anschlag auf ein vollbesetztes Stadion plant. Zwar kann Bond auf eigene Faust den besagten Anschlag verhindern und Sciarra töten, doch spielt er durch sein eigenmächtiges Handeln dem Chef des Joint Intelligence Srvice "C" in die Hände, der das Doppelnull-Programm auflösen und den MI5 und MI6 fusionieren will, um in Kooperation mit ausländischen Geheimdiensten sein eigenes, weltweites Überwachungs-Programm zu starten... und der deshalb mit dem aktuellen "M" im Clinch liegt. Gegen die ausdrücklichen Anweisungen von "M" reist Bond anschließend dennoch nach Rom zu Sciarras Beerdigung, wo er der terroristischen Geheimorganisatzion "Spectre" auf die Schliche kommt, bei der seine früheren Widersacher Le Chifre, Dominic Greene und Raoul Silva allesamt Mitglieder waren und mit deren Oberhaupt Franz Oberhauser - der nun unter dem Namen Ernst Stavro Blofeld firmiert - ihn eine gemeinsame Vergangenheit verbindet... Die Daniel Craig-Ära ist für viele Bond-Fans mit "Casino Royale" mit einem Paukenstart gestartet, ich jedoch konnte mich mit dem Streifen nie anfreunden, sondern betrachte ihn nach wie vor als einen relativen Tiefstpunkt der Reihe, dessen schaumgebremster Handlung es ganz einfach an Drive fehlt und dessen neuem Hauptdarsteller es im Gegensatz zu sämtlichen (!) Vorgängern an Charme und Charisma gemangelt hat... und der eben mehr als Höhlenmensch denn Gentleman rüberkam. Sorry! Im Anschluss ging es dann aber glücklicherweise erzählerisch bergauf und ob des filmübergreifenden Story-Arcs und der vielschichtigeren Zeichnung der Titelfigur konnte man sich - nicht nur was die Qualität der Action anbelangt - bis "Skyfall" sukzessive steigern... einem absoluten Franchise-Highlight, und zwar trotz UND wegen Craig, mit dessen Anlegung der Figur man beim dritten Auftritt doch besser zurecht kam. Sinnvollerweise durfte Sam Mendes, der den Produzenten mit "Skyfall" einen Milliarden-Hit am weltweiten Box-Office beschert hat, nun erneut ran und ist damit der erste Regisseur seit John Glen in den 80ern, der zwei aufeinanderfolgende James Bond-Streifen inszeniert hat. Seinen Job hat er wiederum gut erledigt, auch wenn "Spectre" im direkten Vergleich nicht ganz so fulminant gelungen ist wie der Vorgänger, dafür ist er (nicht nur) von sämtlichen Craig-Bonds derjenige, der sich am meisten wie einer der frühen Connery-Streifen aus den 60ern anfühlt... und das nicht nur, weil Erzfeind Blofeld wieder aus der Kiste gekramt wurde (übrigens: von Christoph Waltz allemal erinnerungswürdiger gemimt als beispielsweise von Max von Sydow in "Sag niemals nie"!) oder eine ausgedehnter Fight mit Henchman Dave Bautista in einem Zug Erinnerungen an eine ähnliche Sequenz mit Robert Shaw in "Liebesgrüße aus Moskau" weckt. Den weithin kolportierten Leerlauf im Mittelteil konnte ich da nicht wirklich ausmachen und so habe ich die Lauzfeit von annähernd zweieinhalb Stunden auch nicht als zu lange empfunden, zumal einen da ja auch die - wie es für James Bond so üblich ist - in regelmäßigen Abständen gesetzten Höhepunkte in Form von (zumeist) handgemachter Action und spektakulären Stunts doch gut bei Laune halten sollten. Dass da aber auch vermehrt ein Augenmerk auf die psychologische Ausleuchtung des Serien-Helden sowie den Beziehungen zu den jeweiligen Bond-Girls gelegt wird, bei denen man sich ja wirklich Mühe gibt, sie nicht nur wie in alten Chauvi-Zeiten als schmückendes Beiwerk einzusetzen (trotzdem niedlich: Léa Seydoux), verhindert effektiv den aufkommenden Eindruck generischer Stangenware und lässt die Bond-Filme weiterhin als Prestige-Produkt dastehen. So haben die Macher bei "Specter" im Grunde genommen also erneut alles richtig gemacht, auch wenn es ihnen realistischerweise nicht gelungen ist, "Skyfall" zu überflügeln... aber das war auch nicht zu erwarten. Ach ja, der wiederum Oscar-prämierte Titel-Song "Writing's on the Wall" von Sam Smith ist übrigens einer der besseren und der wie immer durchgestylte Vorspann inklusive Tintenfisch-Motiv verbreitet mit seiner sexy Tentakel-Action mal ganz dezente "Possession"- und Hentai-Vibes, ey...!
8/10