Windows 95, eine überaus geräuschvolle Einwahl ins Internet, Tarifabrechnung stundenweise und eine Tauschbörse, bei der es minimal eine Stunde benötigte, um eine rare Maxi aus den Achtzigern zu saugen. Natürlich gab es auch in dieser Epoche bereits Cyber-Kriminelle, doch die Allgemeinheit war beileibe nicht so gläsern und angreifbar und das Darknet noch nicht in aller Munde. Regisseur und Co-Autor Akan Satayev scheint ein wenig in dieser Zeit stehen geblieben zu sein, denn die eigentlichen Hacker (so der Originaltitel) sind hier kaum am Werk.
Student Alex (Callan McAuliffe) sorgt mit kleinen Online-Gaunereien fürs schnelle Geld, doch als seine Mutter ihren Job bei der Bank verliert, muss mehr Kohle her. Mit Kumpel Sye (Daniel Eric Gold) macht er Toronto unsicher und verdient sich eine goldene Nase, so dass bald der Chef des Darkweb auf ihn aufmerksam wird. Als sich die Cyber-Kriminelle Kira (Lorraine Nicholson) zu ihnen gesellt, wird Sye zunehmend skeptischer…
Satayev scheint ein Freund von Simplifizierung zu sein, denn Alex gelingt binnen weniger Mausklicks der Zugang ins Darkweb, Uhren und Notebooks werden in Rekordzeit an Unbekannte vertickt und später kopiert man Kreditkarten und kauft in lausiger Verkleidung ein, obgleich klar sein sollte, dass alles von Kameras aufgezeichnet und jede Bewegung auf der Karte registriert wird. Läuft ziemlich glatt und reibungslos.
Immerhin erfahren wir direkt zum Einstieg, dass Alex irgendwann in eine prekäre Situation kommt, wonach das Feld von hinten aufgerollt wird und auf zunächst recht abwechslungsreiche Weise der zweifelhafte Werdegang von Alex und Kompagnons im Mittelpunkt steht. Dabei wird zwar kaum Spannung aufgebaut, doch die teils exotischen Schauplätze zwischen Hongkong und Bangkok werden gut genutzt, während es inhaltlich mehr um Schmuggel, Hehlerei und einen gehobenen Lifestyle statt Programmierung und Verschlüsselung geht.
Das Pacing reicht aus, um nicht gelangweilt zu werden, wobei die Dreiecksgeschichte ihren Twist früh verballert und im Finale nicht mehr allzu viele Wendungen zu erwarten sind.
Fatal ist allerdings, das Oberhaupt des Darkwebs in persona ins Spiel zu bringen, denn diese geballte Ladung an Klischees hätte es nicht gebraucht.
Ansonsten wird von allen Beteiligten passabel performt, auf audio-visueller Ebene ist nichts zu beanstanden, allerdings stört der Off-Kommentar von Alex ein wenig, da er dem Betrachter seine Moral aufdrückt, die zuweilen wenig mit der Realität zu tun hat.
In Sachen Online Crime ist das alles nicht so mitreißend, häufig unlogisch und meistens weichgespült, wenig detailliert und oftmals gar technisch altbacken.
Unterhält auf annehmbaren Niveau, klammert brisante Eckdaten jedoch weitgehend aus und bleibt unterm Strich zu harmlos und oberflächlich.
5,5 von 10