Review

Die komplette Serie

kurz angerissen*

"Twin Peaks" wird zwar ziemlich deutlich als Stütze beansprucht und in einigen Szenen der ersten beiden Episoden regelrecht nachgestellt, doch mit Kopiervorwürfen möchte man hier eigentlich gar nicht anfangen. Zu groß ist die Freude darüber, dass sich nicht nur der deutsche Film, sondern jetzt sogar deutsches Fernsehen aus seinem Schneckenhaus traut und Genrewerk zu fabrizieren beginnt.

Stärker als jede Lynch- oder auch Shyamalan-Parallele wiegt dann tatsächlich auch die sehr spezielle Atmosphäre deutscher Weinbaugebiete, die in diesem Sechsteiler für hervorragende Bildkompositionen genutzt wird und mit ihnen das Bild einer noch vom Christentum völlig gefangenen, vor der deutschen Großstadtwirklichkeit völlig verborgenen Subkultur zeichnet, die jede Spur unschönen Regionalkolorits großflächig wegpustet.

"Weinberg" ist also eine vom Visuellen angetriebene Produktion, deren Story-Ambitionen allerdings auch nicht außer Acht zu lassen sind. Trotz der erwähnten US-Vorbilder bemühen sich die Drehbuchautoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf darum, Krimi- und Mystery-Elemente so zu kombinieren, dass binnen etwas mehr als fünf Stunden ein gemächlicher Spannungsaufbau mit konstantem Zoom-Out auf die Geschehnisse in der Dorfgemeinschaft zu einem Finale führt, das eine Enthüllung des Whodunit mit möglichst hohem Aha-Effekt anstrebt.

Das funktioniert zufriedenstellend, wenn auch wenig innovativ. Die herausstechende Erkenntnis bleibt aber, dass man die Eigenarten deutscher Drehorte, in diesem Fall des rheinland-pfälzischen Mayschoß, endlich wieder als Möglichkeit begreift, Geschichten aus der Heimat geschmackvoll und alternativlos zu erzählen.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme