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Der investigative Journalist Sam (Malik Zidi) will eine Bericht über islamische Vereinigungen schreiben und schleust sich in eine kleine Gruppe überwiegend in Frankreich geborener junger Moslems ein, die für den Dschihad das Land verlassen wollen. Doch als ihr Anführer Abu Hassan (Dimitri Storoge) aus Pakistan zurückkehrt, befielt ein Attentat auf dem Champs-Élysées…

Regisseur Nicolas Boukhrief (geb. 1963 in Antibes, „Cash Truck“ 2004, „Off Limits – Wir sind das Gesetz“ 2010) inszeniert seinen Thriller „Made in France“ im 1. Halbjahr 2015 unter den Eindrücken des Attentats auf die Redaktion von Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015. Der Regisseur ahnt nicht, dass am 13. November dieses Jahres weitere, schreckliche Anschläge rund um das Länderspiel Frankreich – Deutschland das Land erschüttern werden. Der für den 18.11.15 angesetzte Kinostart wird erst verschoben, dann ganz abgesagt, so dass Boukhriefs Film ausschließlich im französischen Heimkino startet.
Er beginnt in einem Gebetsraum in einem Pariser Hinterhofs mit den Parolen eines Hasspredigers, der über Alkohol, das Internet, das Fernsehen und die Gleichberechtigung wettert und mit seiner so einfachen, wie radikalen Weltsicht zumindest das Herz von drei jungen Franzosen erreicht hat, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlen. Einer wurde im Gefängnis radikalisiert. Sie sehen sich von diesem falschen Seelenfänger zum Dschihad berufen, wenn’s denn sein muss auch im eigene Land, wie ihnen die Hintermänner von Abu Hassan befehlen, über die sich der Anführer der kleinen, nun terroristischen Zelle aus guten Gründen ausschweigt. Mehr Reflexion über die Motivation der Männer bietet „Made in France“ nicht, letztlich ist der Film als aktueller Thriller angelegt. Auch beim Verhalten der Polizei machen es sich Regie und Drehbuch zu leicht, wenn im guter Cop / böser Cop Stil der aussteigewillige Sam mehr als ein mal erpresst wird die Gruppe nicht zu verlassen, obwohl sein Leben beim Auffliegen seiner Deckung keinen Centime mehr wert ist. Als Zustandsbeschreibung Frankreichs im Jahr 2015 und kleiner Einblick ins Terrornetzwerk ist Nicolas Boukhriefs Film trotzdem sehenswert. Und als spannender Thriller sowieso, zudem er mit einer klaren Botschaft endet: „Glaube darf uns nie in die Dunkelheit drängen. Vielmehr sollen wir das Leben lieben. Und respektieren.“ (8/10)

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