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Wenn denn ein Film schon „Summer Camp“ heißt und offenbar ein Horrorfilm ist, dann wird dem geneigten Zuschauer schon Angst und Bange, der wer kann schon mit so etwas noch wirklich einen Staat machen?

Gut, einen Staat kriegt auch der versierte Drehbuchautor Alberto Marini in seinem Langfilmdebüt nicht hin, aber eine ordentliche Kleingartenkolonie bekommt er schon zusammen.

Zwar gehen sich auch hier die Beteiligten mit allerlei Schlag- und Schneidewerkzeugen ans Leder, aber anstelle des Killers mit der Maske beruht hier der Ausbruch auf einer Art Infektion, deren Auslöser den überwiegenden Teil des Films im Dunkeln gelassen wird. Wer sich infiziert, der sabbert schwarze Flüssigkeit und dreht volle Pulle durch, attackiert und zermetzelt seine Mitmenschen – um dann, und das ist der Clou, irgendwann umzukippen und relativ normal wieder aufzuwachen. Natürlich nur, wenn ihn die Verteidiger nicht inzwischen selbst in kleine Stücke gehackt haben, aber von einer möglichen Zombie-Rekonvaleszenz ahnt hier natürlich niemand was, als die Attacken über sie hereinbrechen.

Dabei bleibt der Cast höchst überschaubar, denn in dem alten Gebäude irgendwo am Arsch von Andalusien herrscht noch Sonnenglut, Ruhe, Frieden und ggf. Tollwut, was zunächst als Auslöser der Attacken gilt, weil ein Hund betroffen ist. Nach der anfänglichen Rumdödelei (man muss ja die Figuren kennenlernen) herrscht bald gegenseitiges Misstrauen, wer jetzt Verbündeter oder Gegner ist und wie sehr man jemand verstümmeln darf, damit er nach seinem Anfall vielleicht noch aufstehen kann. Deftige Hysterie bestimmt den Großteil des Plots, der de facto nur in einer Nacht spielt, da aber aus der Handvoll Schauplätzen das Maximum herausholt.

Der erwartbare Nervfaktor ist ausnahmsweise mal überschaubar, was die Angelegenheit nicht wirklich innovativer, aber etwas fesselnder macht. Auch erwartet die Zuschauer nicht nur eine gewisse Überraschung bei der Auflösung des Auslösers, sondern auch ein finsterer Showdown und ein übler Schlussgag, der auf den Rest an Zuversicht noch mit einem Hammer drauf schlägt.

In Zeiten, wo vergleichsweise einfallslos nur auf nackte Haut, Drogen und Blödeleien gesetzt wird, bietet „Summer Camp“ eine recht frische Alternative aus dem epidemischen Horrorfilm, der in einem eng begrenzten (und nur dürftig belebten) Gebiet spielt und gerade deshalb so eine ansprechende Wirkung hat. Vor allem nervt der Cast den Zuschauer ausnahmsweise mal nicht zu Tode und offenbart einiges an Nehmerqualitäten. 

Wer seine Beinahe-Zombies schnell, augenrollend und literweise Sirup sabbernd mag, der ist hier richtig. Das ist noch solide Handarbeit. (6,5/10)






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