GODZILLA No. 23
GODZILLA 2000: MILLENNIUM
(GOJIRA NISEN MIRENIAMU)
Takao Okawara, Japan 1999
Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!
Godzilla 2000: Millennium markiert den Auftakt zur letztlich sechsteiligen „Millennium“-Filmreihe des Tōhō-Kultmonsters, auf welche die Kaijū-Eiga-Freunde seinerzeit deutlich weniger lange warten mussten als gedacht und befürchtet: Schon vier Jahre nachdem Godzilla in Takao Okawaras Godzilla vs. Destoroyah spektakulär verglühen und schmelzen musste, meldete er sich mit dem vorliegenden Streifen in seiner einzig wahren und legitimen Form zurück. Hintergrund war der desaströse US-Godzilla, für den und seine beiden geplanten Fortsetzungen die Japaner erst einmal ein paar Jahre lang „Platz machen" wollten – nur stand sehr schnell fest, dass dem Plunder, den Roland Emmerich 1998 abgeliefert hatte, keine Fortsetzung beschieden sein würde, und so durfte man im Land der aufgehenden Sonne das Zepter wieder übernehmen und zeigen, wie’s richtig geht. Oder zumindest richtiger.
Um dummen Fragen zu Godzillas kernphysikalisch bedingtem Dahinscheiden in Godzilla vs. Destoroyah aus dem Weg zu gehen, griff man bei der Tōhō zu einem bewährten Mittel: Wie zu Beginn der Heisei-Ära erfuhr Godzillas Geschichte ein Reboot – das heißt, dass alles, was nach Ishirô Hondas als Nationalheiligtum unantastbarem Ur-Godzilla geschah, schlichtweg ignoriert und aus den Annalen Nippons verbannt wurde. Diesen Ansatz fand man sogar so gut, dass er auch für alle folgenden Auftritte des Großen Grünen gelten sollte – die Millennium-Filme würden also jeweils „Einzelstücke“ ohne Serien-Kontinuität bleiben. Wie wir heute wissen, kam’s dann doch in zumindest einem Fall anders, aber das ist Schnee von morgen. Hier ist erst einmal Godzilla 2000: Millennium.
Japan, gerade eben: Um Godzillas Auftauchen besser oder überhaupt einigermaßen vorhersagen zu können (scheinbar macht er gelegentlich Ärger, womit er also doch eine Post-Ur-Godzilla-Geschichte hätte), hat der inzwischen freiberuflich tätige Professor Yuji Shinoda das „Netzwerk Godzilla“ gegründet, das sich nach Lage der für uns ersichtlichen Dinge die Bezeichnung „Netzwerk“ allerdings noch verdienen muss, denn neben Shinoda gehört ihm nur noch dessen grob geschätzt zehnjährige Tochter Io an ... Wer angesichts des Mädchens Böses fürchtet, sieht sich leider schon nach wenigen Sekunden bestätigt, denn Io ist natürlich ein superschlaues Wunderkind und schwafelt uns schon in der Auftaktszene mit allerlei Unwissenswertem über „elektrisches Plasma“ voll. Währenddessen sind sie und ihr Vater gerade mit dem Jeep des Godzilla-Netzwerks unterwegs, um dank ihrer Elektroplasmakenntnisse Vorhersagen treffen zu können, wenn’s denn nötig sein sollte. Begleitet werden sie von der jungen Journalistin Yuki Ichinose, die im Fall, dass Godzilla vorhergesagt oder nicht vorhergesagt aufkreuzt, ein paar schöne Fotos für ihre Zeitung machen soll (ihre Vorgesetzten müssen also mit einem baldigen Auftauchen rechnen, wenn sie eine Mitarbeiterin zum Knipsen abstellen). Godzilla aber taucht sogar sehr bald auf – nämlich: jetzt.
Während sich Shinoda und Super-Io noch darüber freuen, dass ihnen das Raunen des lokalen Elektroplasmas sein baldiges Erscheinen verrät, knuspert der traditionell dem Meer entsteigende Große Grüne bereits an einem Fischkutter herum und zerlegt einen Leuchtturm. Und da das Netzwerk-Duo und Yuki gerade auf einer Straße am Meeresufer unterwegs sind, geraten auch sie flugs in Lebensgefahr, sprich direkt vors Maul der Sechzig-Meter-Echse (ungefähr so groß soll Godzilla in diesem Film sein – er war schon größer). Nur mit viel Glück gelingt die Flucht durch einen Tunnel (sehr schön ist dabei, dass Godzilla hinter ihnen durch den Berg und die Tunneldecke tritt). Von Kleinigkeiten wie dem gerade entgangenen fast sicheren Tod lassen sich unsere Helden freilich nicht die Forscher- und Jungjournalistinnen-Laune verderben und folgen Godzilla in immerhin respektvollem Abstand auf seinem weiteren Weg. Auf diesem zerlegt er zunächst irgendeine kleine Ansiedlung samt Dorfgaststätte und landet dann an einem Umspannwerk, wo ihm Shinoda, Super-Io und Yuki aus einer irritierenden Richtung entgegengefahren kommen. Sie halten an, steigen aus und schauen zu, wie der Große Grüne das Umspannwerk dem Erdboden gleichmacht. Am Ende blickt Shinoda nachdenklich drein und meint: „Godzilla hasst die Energie, die von Menschen erzeugt wird.“ Größeres gibt es hier nicht mehr zu sagen und zu tun, und so verlassen wir unser Heldentrio erst einmal.
Um Godzillas destruktiven Landgang sollte sich nun eigentlich die „Crisis Control Intelligence Agency“ (hierzulande „Nachrichtendienst der Krisen-Kontrollbehörde“), kurz „CCI“ genannt, unter Leitung ihres humorlosen Chefs Mitsuo Katagiri kümmern, aber die Krisenkontrolleure beschäftigen sich lieber mit einem friedlich auf dem Boden des Japangrabens herumliegenden Meteoriten (wo ist da die Krise?). Man taucht nach ihm und startet schließlich seine Bergung mithilfe einiger Ballons, wobei man erstaunt feststellen muss, dass der Gesteinsbrocken am Ende schneller steigt als ihn die Ballons ziehen – deutet sich hier doch noch eine Krise an ...?
Am nächsten Morgen muss Yuki in ihrer Redaktion erfahren, dass aus den Fotos, die sie während ihres Ausflugs mit der Shinoda-Family geschossen hat, nichts geworden ist, weil das Filmmaterial zu stark unter Godzillas Radioaktivität gelitten hatte. Ihr verärgerter Chef scheucht sie daher umgehend wieder los, auf dass sie ihren Fehler ausbügle. Nun ist auch sie verärgert, und der Ärger wird noch größer: Zunächst muss sie die „Zentrale“ des Godzilla-Netzwerks finden, die im dunklen und verkeimten Hinterhof der „Shinoda Sake-Brauerei“ (!) liegt, und dann muss sie auch noch in diesen lausigen Verein eintreten – was nicht nur eine gepfefferte Aufnahmegebühr, sondern auch zukünftige Monatsbeiträge erfordert (buchhalterische Aufgaben gehören übrigens wie auch die Zubereitung der Mahlzeiten zum Tätigkeitsfeld von Super-Io ... arrgh!). Immerhin darf Yuki für ihr Geld bald etwas erleben: Godzilla ist nämlich (inzwischen wieder unter Wasser) unterwegs zum Atomreaktor von Tōkai, und so machen sich Shinoda, Super-Io und Yuki ebenfalls auf den Weg dorthin (nur ... bleibt die Frage, was die Shinodas dort eigentlich Sinnvolles tun wollen, denn ihr Job ist schließlich das Vorhersagen, und das hat sich ja nun wirklich erledigt).
Viel eher sollte sich also jetzt endlich einmal die CCI um die Angelegenheit kümmern, und ja, Katagiri, der nebenbei übrigens auch noch stellvertretender Kanzleramtschef ist, greift höchst persönlich ein, lässt das AKW sicherheitshalber erst einmal abschalten und organisiert den Beistand des Militärs. Katagiris rechte Hand und CCI-Forschungsleiter Professor Shiro Miyasaka ist unterdessen noch mit dem seltsamen Meteoriten beschäftigt und erlebt eine Überraschung nach der anderen. So gibt zu denken, dass der wie ermittelt 60 bis 70 Millionen Jahre alte „Gesteinsbrocken“ nunmehr schwimmt, später stößt man bei Testbohrungen kurz unter der Oberfläche des Klumpens auf etwas undurchdringlich Hartes und dann richtet sich der sehr flache Meteoritenkörper auch noch auf und bleibt senkrecht im Wasser stehen ... um kurz darauf davonzufliegen!
Am Tōkai-Reaktor ist derweil das Militär angerückt, um Godzilla bestenfalls in eine verminte Flussmündung zu locken oder wenn nötig mit neu entwickelten Full-Metal-Raketen, die nicht explodieren, sondern alles durchschlagen, was sie durchschlagen wollen, zur Strecke zu bringen. Als der Große Grüne dem Meer entsteigt, geht es ohne lange Vorrede zur Sache, aber wie gewohnt machen konventionelle Waffen keinen Eindruck auf die Riesenechse, die auch die fünfzigste mit einer gewaltigen Explosion in ihren Körper einschlagende Rakete wegsteckt wie einen Mückenstich (die Zahl ist nicht übertrieben!). Und selbst fünfzig der hoch dotierten Full-Metal-Raketen bringen nicht den gewünschten Erfolg – sie bringen nicht einmal irgendeinen Erfolg, obwohl auch sie beim Auftreffen fleißig explodieren (was sie ja gerade nicht tun sollten). Deutlich mehr Probleme hat Godzilla allerdings mit dem „Meteoriten“, der bald darauf angeflogen kommt und ihn mit einem Strahl beschießt. Der Große Grüne hat so etwas allerdings auch auf Lager und schießt zurück – geht aber letztlich als Verlierer aus diesem kurzen Kräftemessen hervor, sprich er findet sich in den Trümmern eines Lagergebäudes wieder, während der „Meteorit“ hochnäsig von dannen fliegt.
Aus einem Fußabdruck Godzillas, der jetzt übrigens für eine ganze Weile sang- und klanglos die Handlung verlässt, entnimmt Shinoda eine Gewebeprobe, die er gern untersuchen würde (offenbar kann er doch mehr als mit Elektroplasmahilfe Godzillas Auftauchen viel zu spät vorherzusagen). Allerdings reichen dazu die Kapazitäten seines mickrigen Netzwerk-Labors nicht aus, weshalb er sich an höhere Stellen wendet. Tatsächlich gestattet ihm Katagiri, mit dem er seit Jahr und Tag aufgrund weltanschaulicher Differenzen zerstritten ist, das CCI-Labor zu benutzen, wenn er im Gegenzug seine gesamten Godzilla-Daten offen legt. Das tut er, wenngleich nicht gern, und so darf er losforschen. Mit Erfolg: Nach kurzer Zeit ist er dem Geheimnis der einzigartigen Selbstheilungskräfte Godzillas auf die Spur gekommen (und die sind wirklich enorm – gute hundert Raketeneinschläge muss man erst mal auf die Schnelle auskurieren können ...). Verantwortlich dafür ist etwas, wofür Shinoda den Namen „Organizer G 1“ erfindet. Was genau das nun eigentlich ist, bleibt fraglich – Shinoda spricht von einem „Gebilde“. Erst später werden wir (so wir gut hinhören) erfahren, dass es sich schlichtweg um Zellen handelt. Wichtig ist das allerdings nicht.
Der „Meteorit“ hat sich inzwischen über einem See in Stellung gebracht, und da an einer Stelle, an der er bei der Strahlen-Rauferei mit Godzilla ein Stück der „Außenhaut“ verloren hat, blankes Metall zu sehen ist, steht nun endgültig fest, dass er kein Stein, sondern ein UFO ist. Katagiri lässt es mit irgendwelchen elektromagnetischen Seilen festbinden und ordnet einige Untersuchungen an, aber das UFO reißt die Seile (samt einer Brücke) recht bald mühelos durch und macht sich, nunmehr ohne steinerne Tarnung, auf den Weg in die Innenstadt von Tokio, um zunächst ein paar lästige Hubschrauber vom Himmel zu schießen und dann auf einem „City Tower“ genannten Wolkenkratzer „Platz zu nehmen“. Da liegt es nun riesig und metallisch glänzend auf dem Dach herum.
Und jetzt? Katagiri findet eine relativ unsensible Lösung: In den oberen Etagen des Gebäudes, in denen sich auch die Redaktionsräume von Yukis Zeitung befinden, sollen „Blast-Bomben“ installiert und gezündet werden. Das Gebäude wird evakuiert, aber Yuki, nun ganz Heldin, hält es für nötig, sich noch ein wenig darin herumzutreiben: Sie will den Hauptrechner des Towers abstöpseln, weil sich die Außerirdischen (nehmen wir einmal der Form halber an, dass das UFO bemannt ist – zweifelsfrei erfahren werden wir es nie) inzwischen massiv über ihn in die Computer des gesamten Stadtviertels einhacken. Alles Abstöpseln ist jedoch zwecklos, denn die Aliens gehen andere Wege – wie eine Infrarot-Betrachtung zeigt, saugen sie mit unsichtbaren, also rein energetischen Tentakeln den Hauptrechner des City Towers aus, und mit ihm auch alle anderen Computer Tokios. Während die CCI bereits fleißig beim Installieren der Blast-Bomben ist, will die mittlerweile völlig vom Weltrettungs-Größenwahn befallene Yuki auch noch Einzelheiten über die Pläne der Aliens ermitteln und schlägt die telefonischen Bombenwarnungen Shinodas in den Wind.
Da auch der ein echter Held ist, macht er sich mit Super-Io (um die es jetzt Gott sei Dank ruhiger geworden ist) auf den Weg zum City Tower, stöbert dort tatsächlich Yuki auf und schickt sie gemeinsam mit Super-Io nach draußen, denn jetzt ist er es, der noch irgendetwas prüfen oder ermitteln will ... Die beiden sollen Katagiri um einen kurzen Aufschub der Sprengung bitten. Das tun sie auch umgehend, aber Katagiri, ein Mann zweifelhaften Charakters, denkt gar nicht daran, irgendetwas aufzuschieben: Pünktlich auf die Sekunde löst er höchst persönlich die Sprengung aus. Die oberen Etagen des City Towers explodieren eindrucksvoll ... nur das UFO ist nicht beeindruckt, denn es liegt auch nach dem großen Knall noch unbeschädigt auf dem nunmehr etwas kleineren Gebäude herum, während seine (hypothetischen) Insassen ein paar sparsam ausformulierte Botschaften über die Computerbildschirme Tokios flimmern lassen: „Erde zerstört.“ – „Erneuerung.“ – Eroberung.“ – Vernichtung.“ – „Herrschaft.“ – Glanz.“ – „Revolution.“ – „Reich.“ Das mag zunächst kryptisch klingen, aber bei näherer Betrachtung wird durchaus eine gewisse inhaltliche Linie erkennbar. Die Aliens lassen jedoch nicht nur Kurzbotschaften über Bildschirme flimmern, sondern holen auch physisch zum Gegenschlag aus und pulverisieren in bester Independence Day-Manier den City Tower ... in dem, wir erinnern uns, Shinoda noch unterwegs ist oder vielmehr, so muss leider befürchtet werden, unterwegs war.
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und so sind jetzt Yuki und Super-Io mit dem Retten an der Reihe. Sie kriechen in den noch bekriechbaren Kellergängen herum und stoßen fürwahr auf Shinoda, der von ganz oben an einem Fahrstuhlseil herabgerutscht ist und seine Hände trotzdem noch benutzen kann. Gemeinsam geht’s nach draußen (wozu Yuki und Super-Io in dieser Sache gebraucht wurden, wissen die Götter) und schnurstracks zur CCI, wo sich Shinoda kurz und unherzlich für die Sprengung bedanken kann und dann sowohl den umherstehenden Fachleuten als auch uns das Ergebnis seiner Ermittlungen anvertraut: Die Aliens sind im Begriff, die Erdatmosphäre ihren eigenen Bedürfnissen anzupassen und möchten, worauf ihr „Schlüsselwort“ „Millennium“ hindeutet, ein „tausendjähriges Reich“ errichten (ich schreibe „tausendjährig“ sicherheitshalber klein, um Verwechslungen zu vermeiden ...). Zudem zeigen sie großes Interesse an den Organizer-G1-Zellen – so etwas kann ja nie schaden. In dieser Sequenz droht sich der vorliegende Film übrigens selbst aus den Augen zu verlieren, denn als das Wort „Millennium“ fällt, fragt doch tatsächlich die superschlaue Super-Io: „Was bedeutet das?“ (!!) Ein Schock. Wirklich aus den Augen verloren hat der Film indes bereits seit längerem etwas anderes – beziehungsweise einen anderen ... und so wird es höchste Zeit, dass sich Godzilla einmal in Tokios Innenstadt bequemt. Aber er bequemt sich nicht, sondern schreitet würdevoll und unter den Klängen von Akira Ifukubes Godzilla-Marsch schon einmal ein paar Straßenzüge zu Klump tretend heran, um ganz offenkundig eine Kleinigkeit mit den Aliens zu klären.
Das ist jedoch nicht auf die Schnelle getan, denn zunächst gerät der Große Grüne in arge Bedrängnis. Die Invasoren, nennen wir sie ruhig so, reißen mit ihrem UFO die Stromkabel aus den Straßen, fesseln Godzilla damit, werfen ihn um, ziehen ihn grob durch ein paar Gebäude hindurch und begraben ihn abschließend auch noch unter einem halben Hochhaus. Dann beginnen sie, durch das Hochhaus beziehungsweise seine Trümmer hindurch mit ihren unsichtbaren Tentakeln die Organizer-G1-Zellen aus Godzillas Körper zu saugen. Und es wird immer absurder. Aus den entwendeten Zellen formt sich (miserabel am Rechner getrickst!) ein neues Geschöpf – zunächst ist es nur ein in der Nähe des UFOs schwebender, metallisch aussehender Klumpen, aber bald bekommt er Tentakel-Beine und weitere Körperteile, und irgendwann wird aus dem metallisch aussehenden Etwas ein Etwas, das aussieht, als wär’s aus Fleisch und Blut. Aber auch Godzilla ist nicht untätig – er kann sich befreien, jagt per Atemstrahl das UFO in die Luft und wendet sich dem aus seinen Zellen neu entstandenen Wesen zu, das inzwischen weitgehend zu Ende metamorphosiert ist und vor allem durch zwei abstrus große Klauen auffällt. Springen kann es überdies auch, und so macht es erst einmal einen hochgradig albern wirkenden Satz zu etwas entfernter stehenden Gebäuden. Das soeben explodierte UFO ist plötzlich auch wieder da, fliegt Godzilla kurz über den Haufen und wird dann erneut von dessen Atemstrahl in die Luft gejagt.
Nun kann es endlich zum Duell zwischen dem Großen Grünen und dem neuen Monster kommen, das übrigens „Orga“ heißt, ohne dass es von irgendwem so benannt wurde (der Name ist wohl auf die Organizer-G1-Zellen zurückzuführen). Es gibt allerlei Getöse und eine wilde Beißerei, bei der Orga versucht, weitere Organizer-G1-Zellen zu kapern („Das Gebilde versucht, Godzilla zu werden!“, kommentiert Shinoda sachkundig). Am Ende wächst ihm sogar noch ein verstörendes Wabbel-Riesenmaul aus dem Hals heraus, mit dem es Godzilla regelrecht verschlingen will. Dumm nur, dass der sich gern (zumindest ein Stück weit) verschlingen lässt und als er tief genug im Körper des Feindes steckt, von seinem Atemstrahl Gebrauch macht – woraufhin Orga von einer Explosion dahingerafft wird, auf die jede mittelschwere Nuklearwaffe stolz sein könnte. Godzilla macht freilich auch das nichts aus (obwohl er ja nun wirklich mitten im Zentrum stand), und so stattet er unseren Helden und den involvierten CCI-Mitarbeitern, die dem Monsterkampf gemeinsam auf einer gerade ausreichend weit entfernten Dachterrasse beigewohnt haben, noch einen kurzen Besuch ab – vornehmlich, um sich Katagiri einmal aus der Nähe anzuschauen ... der es seinerseits ungemein faszinierend findet, die Riesenechse einmal ganz aus der Nähe betrachten zu dürfen, sein generelles Fehlverhalten aber einsieht und letztlich eher mehr als weniger freiwillig von der Dachterrasse in den Tod stürzt. Die anderen Anwesenden aber verschont der Große Grüne und wendet sich ab, um seiner Wege zu gehen. Er ist doch ein netter Kerl. Das könnte man zumindest kurz meinen, aber ... von wegen nett: In der letzten Szene verwandelt er Tokio ganz spontan mit seinem Atemstrahl in ein einziges gigantisches Flammenmeer ...
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Gebäude, in dem sich unsere Helden und die verbliebenen CCI-Mitarbeiter um Professor Miyasaka aufgehalten haben, weit genug entfernt war, um vor diesem Inferno sicher zu sein – gefühlt eher nicht, aber na ja, es wird schon gut gegangen sein (Klarheit könnte herrschen, wenn man einen oder mehrere der Betroffenen im Nachfolgefilm wiedersehen würde, aber da die Millennium-Reihe eine Reboot-Abfolge ist, muss das flach fallen). Immerhin: Dass man sich zu solchen Gedanken angeregt fühlt, ist schon ungewöhnlich. In diesem Zusammenhang soll auch generell einmal an die Einwohner Tokios gedacht werden – die fraglos nötige und ebenso fraglos schwierige Evakuierung der Riesenstadt wird nicht eines einzigen Wortes oder Bildes gewürdigt. Stattdessen feiert das Skript lieber die nervige Super-Io. (Angesichts der Sicherheit, mit der die Stadt erwarten darf, von Riesenmonstern besucht, zertrümmert und abgefackelt zu werden, wäre es sogar zweckmäßig, sie dauerhaft evakuiert zu lassen und sich mühsame Aufbauarbeiten gründlich zu überlegen – dank des Reboot-Charakters der Millennium-Filme sollten wir Tokio und andere Städte aber regelmäßig in intaktem Zustand wiedersehen.) Das scheint mir schon ein erstes Indiz dafür zu sein, dass das Skript von Hiroshi Kashiwabara und Wataru Mimura (die Originalstory stammt von Takao Okawara himself) nicht gerade mit viel Liebe verfasst wurde, und auch darüber hinaus respektive generell wurde hier Dienst nach Vorschrift geleistet.
Godzilla selbst ist da, weil er eben da ist, tobt sich ohne zwingenden Grund gelegentlich an Land aus und wird erfolglos vom Militär beschossen (obwohl: Umspannwerke, Ölraffinerien oder Atomkraftwerke sind für ihn eigentlich immer ein Grund, mal vorbeizuschauen ...), und die ganze Geschichte rund um den UFO-Meteoriten ist nicht nur kompletter Blödsinn, sondern wirkt auch uninspiriert und bis zum Ende nicht richtig ausformuliert – das Treiben der Außerirdischen und des offenkundig in ihren Diensten stehenden Monsters Orga bleibt schwer nachvollziehbar und sorgt fein regelmäßig für Irritation, ohne dass etwa ein schöner Twist dahinterstecken würde, der den Schwurbel auflöst.
Ohnehin: Die Außerirdischen. Sie bleiben, nicht zuletzt weil man sie nie zu Gesicht bekommt, völlig abstrakt. Aber gibt es überhaupt richtige, sprich lebendige Außerirdische oder steckt im Meteoriten-UFO nur automatisch arbeitende und vielleicht KI-gesteuerte Technik? Immerhin hätten die Aliens 60 bis 70 Millionen Jahre lang auf dem Meeresboden herumliegen müssen, und 60 bis 70 Millionen Jahre können sich ziehen ... Fragen über Fragen, aber die Autoren scheren sich einen Teufel darum – man glaubt förmlich zu spüren, wie froh sie waren, als sie endlich zwei Monster aufeinander loslassen konnten und ihre Ruhe hatten. Mit dem Beginn der finalen Monsterklopperei werden natürlich auch umgehend sämtliche Bemühungen um die menschlichen Akteure eingestellt, denn die nehmen nunmehr traditionell wieder in versammelter Stärke Zuschauerrollen ein – nur dass sie nicht wie zu seligen Shōwa-Zeiten hinter ein paar Büschen hocken, sondern auf einer Dachterrasse in Tokio stehen. Dass es beispielsweise die zarte (wirklich, ganz zarte) Andeutung einer Liebesgeschichte zwischen Shinoda und Yuki gab, ist und bleibt fortan vergessen, und selbst die superschlaue Super-Io hält jetzt die Klappe. Aber die hatte sich ja nach ihrem unverzeihlichen Versagen im Fall der „Millennium“-Bedeutung ohnehin schon aus der vordersten Front zurückgezogen. In diese darf lediglich Katagiri noch einmal treten, um mit seinem Freitod dem Gebiss des Großen Grünen zuvorzukommen.
Wirklich nachtrauern muss man der Zeit, in der die Vertreter des Homo sapiens an der Handlung beteiligt waren, freilich nicht – Menschen sind im Kaijū Eiga seit jeher vornehmlich als Mittel zum Zweck oder gar notwendiges Übel eingeschrieben, und so nimmt es nicht wunder, dass man auch in Godzilla 2000: Millennium lediglich einer Schar ein- oder gar nulldimensionaler Figuren begegnet, denen man nie wirklich nahe kommt. Das gilt schon für den immerhin leidlich sympathischen Shinoda, während Yuki oder auch Professor Miyasaka, der sehr viel mehr Screentime hat als die obige Inhaltsangabe vermuten lässt (was auch schon Bände spricht), erst recht bloße Schablonen und Stichwortgeber sind. Und Super-Io, echt jetzt, geht überhaupt nicht – dank ihres naseweisen Eingangsgesülzes bringt Godzilla 2000: Millennium das Kunststück fertig, schon nach dreißig Sekunden einen beträchtlichen Teil des Publikums verärgert (da bin ich mir sicher!) und drei Pfund Minuspunkte eingesammelt zu haben. Die einzige halbwegs interessante Figur ist Katagiri, aber das Potenzial, das in ihr steckt, wird nicht einmal angekratzt. Dennoch, um nicht nur zu herummeckern, habe ich schon Godzilla-Filme gesehen, mit deren Figuren ich noch weniger anfangen konnte – so haben Shinoda und Yuki im Laufe des Geschehens ein paar milde humorvolle Momente, und dann lässt sich’s mit ihnen ganz gut leben (für eine Journalistin, also eine in der Regel extrem nervende Problemfigur des Sci-Fi- oder Katastrophenfilm-Genres, darf Yuki sogar als überdurchschnittlich zumutbar gelten).
Enttäuschend ist jedoch, wie wenig der erfahrene Takao Okawara (für den der vorliegende Streifen nach Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten, Godzilla vs. Mechagodzilla II und Godzilla vs. Destoroyah bereits die vierte Gojira-Eiga-Regie ist) inszenatorisch mit der Alien-Plotlinie anzufangen weiß. Aus dem mysteriösen Meteoriten hätte man durchaus ein paar spannende und unheimliche Momente herauskitzeln können, aber die ganze Handlung wird lahm und höhepunktarm heruntergeleiert – selbst die „dramatischen“ Rettungsaktionen im City Tower (erst Yuki, dann Shinoda) wollen einfach nicht zünden, und was das Treiben der Aliens angeht, so blickt man ohnehin kaum durch. Es fehlt freilich auch ein geeigneter Anreiz, es überhaupt zu versuchen. Folglich bleiben Gedeih und Verderb des Films weitgehend an Godzillas Auftritten einschließlich seines finalen Duells mit Orga hängen – und ja, der Große Grüne liefert, was man von ihm erwartet, obwohl er sich von der 38. bis zur 75. Minute eine allzu großzügige Auszeit nimmt (wobei es monsterfreie Passagen in dieser Länge durchaus auch schon in seinen früheren Kinoauftritten gab – ungewöhnlich ist nur, dass die hiesige nicht den Anfang, sondern die Mitte des Films betrifft). Aber wenn er dazwischenhaut, dann tut er’s richtig, und auch Orga gibt sich Mühe, sodass man als Kaijū-Liebhaber keineswegs leer ausgeht: Godzilla 2000: Millennium hat sehr wohl ein paar große Momente im Programm, was nunmehr auch Grund genug sein soll, die Nörgelei erst einmal einzustellen.
Mit Blick auf die Optik erfreut uns Godzilla 2000: Millennium zunächst nach den etwas bescheidenen 1.85:1-Filmen der Heisei-Ära wieder mit dem feinen Breitwandformat der Shōwa-Tage (auch wenn es hier nicht mehr als „Tohoscope“ gepriesen wird). Die Bilder selbst sind etwas körnig, wirken aber insgesamt noch ausreichend frisch und bleiben weithin unauffällig – solange sie in Ruhe gelassen und nicht durch tricktechnische Probleme verschandelt wurden. Letzteres ist jedoch leider recht häufig zu beobachten ... und schon geht das Genörgel weiter. Wenn es überhaupt einen nennenswerten Unterschied (ich mag’s nicht Fortschritt nennen) zu den Filmen der Heisei-Ära gibt, dann ist es die nunmehr ziemlich entschlossen vollzogene Hinwendung zu rechnergestützten Trickeffekten. Um die war es seinerzeit und jenseits der westlichen Hemisphäre freilich noch nicht allzu gut bestellt, und so dürfen wir hier eine ganze Reihe mehr oder weniger schlechter CGIs begrüßen. Rauchwolken bei Raketenabschüssen oder in den Militär-Sequenzen eingefügte Jets mögen dabei noch gnädig durchwinkbar sein, obwohl auch sie minderwertig genug sind, aber schon die Zerstörung des City Towers durch das UFO sieht allzu lausig aus und das „metallene“ UFO wirkt keine Sekunde lang auch nur ansatzweise wie ein echter Körper, sondern bleibt immer ein in Farbe, Kontrast und Sättigung defizitärer Computereffekt, obwohl die Umsetzung eines derartig schlicht strukturierten Objekts eigentlich keine turmhohe Herausforderung gewesen sein sollte. Noch schlimmer sind einige zum Teil transparente CGI-Flammen, und endgültig unterirdisch wird es bei jenen Rechnerarbeiten, die in mehreren Schritten die Metamorphose eines metallisch aussehenden Organizer-G1-Klumpens zum Riesenmonster Orga darstellen sollen – so etwas kann man der Öffentlichkeit nicht anbieten.
Vergleichsweise gelungen ist indes der erste computeranimierte ... Godzilla der Tōhō-Geschichte! Es musste eines Tages so kommen. Hier schwimmt er ein wenig durchs Meer und sieht dabei überraschend gut aus – man fragt sich, wie jenen Leuten, die selbst an einem glatten Stück Metall wie dem UFO gescheitert sind, die Animation eines komplex gestalteten Lebewesens glücken konnte. Ansonsten gibt es auch in Godzilla 2000: Millennium die üblichen Rückprojektionen, bei denen Godzilla in eine reale Landschaft oder Stadtkulisse einkopiert wurde, und in dieser Sache nehme ich dann doch einmal das Wort Fortschritt in die Hand oder besser in den Mund: Was selbst in den Heisei-Filmen zum Teil noch schaurig mies aussah, sieht hier nur noch mies aus. Es wird. Ohne Fehl und Tadel ist derweil alles, was in guter alter Handarbeit entstanden ist – wie traditionell die bewundernswert detailreichen Modellbaulandschaften, in denen die Monster herumtoben dürfen, und ebenso die Pyrotechnik. Apropos Monster: Bis auf Godzillas kleinen CGI-„Ausrutscher“ wurde hier natürlich wieder das Suitmation-Verfahren angewendet – und der Titelheld bekam mit dem „Miregoji“-Suit das bislang beste Kostüm seiner langen Karriere spendiert. Es sieht für meinen Geschmack noch immer etwas zu sehr nach Gummi respektive Plastik aus, ist aber schön „sportlich“ geraten, geizt nicht mit Details und wirkt, was Kopf und Gesichtspartie anbelangt, wunderbar grimmig. Derart humorlos ist mir der Große Grüne noch nicht begegnet (abgesehen einmal von seinem ultrafiesen kosmischen Klon Spacegodzilla).
Orga hingegen ... ist ein schwieriger Fall, weil man gar nicht so recht weiß, wie dieses Geschöpf eigentlich im Ganzen aussieht. Was zu sehen ist, sind die absurd großen Klauen (die das halbe Monster ausmachen), der extreme Bösartigkeit versprechende Kopf (wenn es in Großaufnahmen ans Beißen geht) und später das bizarre Riesen-Wabbel-Maul, aber insgesamt ist Orga ein reichlich diffuses beziehungsweise unübersichtliches Monster. Ich habe mir inzwischen einmal einen zeichnerischen Entwurf von ihm angeschaut, und dem kann man tatsächlich nachvollziehbare Konturen entnehmen – im Film aber ist kaum mehr als ein unförmiger brauner Klumpen mit Klauen und Maul wahrnehmbar. Im Übrigen fehlt es dieser Kreatur schon aufgrund ihrer „Schöpfungsgeschichte“ schlichtweg an Persönlichkeit, weshalb sie unter dem Strich zu den am wenigsten memorablen Mitgliedern des Kaijū-Universums der Tōhō gehört. Ich für meinen Teil habe Godzilla 2000: Millennium vor knapp zwanzig Jahren gesehen und hatte schon kurze Zeit danach nur noch eine vage Vorstellung davon, wie Orga überhaupt aussah. So etwas könnte einem bei den anderen Monstern der Godzilla-Historie (inklusive solcher Exoten wie Gabara oder die Kamakiras aus Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn) niemals passieren.
An die Darsteller, die einem in Godzilla 2000: Millennium über den Weg laufen, dürfte man sich ebenfalls nicht allzu lange erinnern können – aber das muss auch nicht zwingend sein. In der Hauptrolle des selbstständigen Wissenschaftlers Shinoda ist Takehiro Murata zu sehen, dem ich ehrlich gesagt den hoch begabten Forscher (nicht weniger als Professor!) nicht abnehmen konnte, ohne damit gleich sagen zu wollen, dass er dumm wirkt. Das tut er nicht, aber er wirkt, als wäre er in komödiantischen Rollen besser aufgehoben. Tatsächlich hatte er eine in diese Richtung weisende Rolle bereits in einem anderen Kaijū Eiga, nämlich Godzilla – Kampf der Sauriermutanten, wo er den leicht trotteligen Antagonisten-Sekretär Andoh mimt. Als Yuki versucht sich Naomi Nishida, die ganz putzig ist, aber keinerlei schauspielerisches Talent mitbringt – ebenso wenig wie Shirô Sano als Professor Miyasaka. Mit den beiden lässt sich gut leben, aber fachlich sind sie ehrlich gesagt nicht einmal den Anforderungen eines, pardon, Monsterheulers in jeder Situation gewachsen. Kaijū-Eiga-Erfahrung bringen sie wie auch alle weiteren halbwegs erwähnenswerten Akteure nicht mit. Interessant ist derweil Hiroshi Abe, der den CCI-Chef Mitsuo Katagiri verkörpert und in seiner Heimat einen ausgezeichneten Ruf genießt – dass er sich in einen Kaijū Eiga verirrt hat, ist erstaunlich. Ich selbst habe ihn erst vor kurzem in Prachya Pinkaews thailändischen Martial-Arts-Kracher Chocolate als Yakuza-Vater der Heldin gesehen. Im vorliegenden Film bemerkt man allerdings herzlich wenig von schauspielerischer Größe – als Katagiri beschränkt sich Abe darauf, humorlos, in sich gekehrt und finster dreinzuschauen, und dies mit dem immergleichen Gesichtsausdruck. Dank seines Charismas ist er freilich selbst damit noch auffälliger als all jene, die ihn umgeben. Obwohl: Mayu Suzuki ist auch sehr auffällig, wenngleich im negativen Sinn – sie spielt nämlich die zehnmalkluge Super-Io. Im Prinzip macht sie das sogar tadellos und ist auch ganz niedlich, aber dank ihrer Rolle geht sie einem dennoch auf den Senkel. Tsutomu Kitagawa und Makoto Itô tun das schließlich ganz gewiss nicht, denn sie stecken in den schweren Monsterkostümen und leisten darin eine dringend anerkennenswerte Arbeit. Kitagawa (als Godzilla) und Itô (als Orga) sind gleichfalls Neulinge, aber sie agieren ebenso gut wie ihre Vorgänger in den Shōwa- und Heisei-Filmen. Der Score stammt zu guter Letzt von Takayuki Hattori, der schon für die Musik in Godzilla vs. Spacegodzilla verantwortlich war. Sie hat mir hier deutlich besser gefallen, vor allem weil sie ein ganz wunderbares und auch fleißig eingesetztes Leitmotiv besitzt. Zudem weiß Hattori, was sich gehört und bindet wie schon erwähnt auch Akira Ifukubes legendären Godzilla-Marsch mit ein.
Nichts Neues also im Hause Tōhō, könnte man mit Blick auf Godzilla 2000: Millennium sagen: Wenn man einmal von der signifikanten Hinwendung zur Rechnertricktechnik absieht, fühlt sich der Streifen nicht anders an als das, was man vordem während der Heisei-Zeit zu sehen bekam. Grundsätzlich ist das keine Katastrophe, weil man ja an den Heisei-Filmen sehr wohl seine Freude haben konnte, aber vom Start in eine neue Ära durfte man sich schon irgendetwas ... nun ja, eben Neues erwarten, ohne dass dies nun gleich etwas Weltbewegendes hätte sein müssen. Godzilla 2000: Millennium liefert indes wie gewohnt blasse Charaktere, die pflichtschuldig durch eine abwegige und ohne erkennbare Hingabe zusammengeschusterte Handlung stolpern und lässt kaum ein vertrautes Motiv (vom Umspannwerk bis zu den Aliens) links liegen – das sieht weit mehr nach dem Abarbeiten einer To-do-Liste als nach inspirierter Arbeit aus. Godzilla 2000: Millennium erhöht demnach lediglich die Zahl der gedrehten Godzilla-Filme, aber in ihrer Gesamtheit als filmhistorische Kategorie bereichern kann sie der Streifen nicht. Seine Daseinsberechtigung will zumindest ich ihm jedoch keineswegs absprechen – natürlich nicht: Sowohl Tierfreunde mit einer Vorliebe für sechzig Meter hohe Riesenechsen als auch Liebhaber unreflektierter Gewalt gegen urbane Strukturen sollte er prächtig unterhalten, und die „Schlusspointe“ hat es wirklich in sich. Ich war hier gern dabei und werd’s verkraften, dass mir Godzilla 2000: Millennium insgesamt nur wenig Erinnerungswürdiges mit auf den Weg gegeben hat. Eine unbezahlbare Erkenntnis gehört jedoch dazu: „Godzilla ist in uns“, sagt Shinoda am Ende. Nun weiß ich, warum mir Godzilla-Filme so am Herzen liegen.
PS: Der Flop, den Roland Emmerichs Godzilla 1998 hingelegt hatte, führte keineswegs dazu, dass man in Amerika das Interesse am Großen Grünen verlor: TriStar Pictures veröffentlichte im August 2000 unter dem Titel Godzilla 2000 eine überarbeitete US-Version des hiesigen Tōhō-Streifens. Seine Laufzeit verringerte sich durch verschiedene Schnitte von 107 Minuten auf 99 Minuten, die Dialoge sollen etwas humorvoller geraten sein als im Original und Teile des Scores mussten Neukompositionen von J. Peter Robinson weichen (Details finden sich in der Wikizilla und aufs Bild genau bei Schnittberichte.com). Diese US-Fassung liegt mir leider nicht vor, sie wird aber gemeinhin relativ wohlwollend betrachtet.
Knappe 8 von 10 Punkten aus persönlicher Sicht, ansonsten Augen zu und 6 von 10.
(08/24)