Früher filmten Menschen nur große, einmalige Ereignisse wie Geburtstag, Abifeier, Sex mit Paris Hilton oder das letzte Saufgelage vom Schützenverein. Bei einigen Leuten läuft die Kamera mittlerweile rund um die Uhr und da kann beim normalen Durchschnittsbürger auf Dauer nicht viel herum kommen. Autor und Regisseur Brandon Kramer liefert eine Art Found Footage via Smartphone, Laptop und Konsorten, wozu ihm leider kaum etwas Spannendes einfällt.
Studentin Emma (Ashley Benson) hat soeben eine nette kleine Wohnung in New York bezogen und fühlt sich in ihrer neu gewonnenen Freiheit wohl. Bis sie anonyme Mails erhält und sich unter Beobachtung wähnt...
Kramer liefert lange Zeit Alltägliches, was im Falle der Hauptfigur verdammt eindimensional erscheint. Mal abgesehen von unglaublich banalen Vorgängen wie Telefonat mit Mom, Beinrasur oder Ballettübung ist Emma zwar sympathisch, zeichnet sich jedoch kaum durch markante Eigenheiten aus, was sie sehr austauschbar erscheinen lässt. Gleiches gilt für ihr Umfeld, welches ebenso lahm als auch oberflächlich erscheint. Eine gewisse Oberflächlichkeit mag man auch der Generation Smartphone vorwerfen, was allerdings kein Grund ist, dass die junge Dame allenfalls vage bedroht wird.
Ein konkret beunruhigendes Gefühl stellt sich erst ab Minute 69 ein, - von da an geht die Handlung keine fünf Minuten mehr, bis der Abspann läuft. Besonders ärgerlich ist daran das völlig offene Ende, welches selbst während einer kurzen Szene während der Closing Credits keine Erläuterung erfährt. Weder wird der Täter entlarvt, noch wird Emmas Schicksal in irgendeiner Form visualisiert. Ein komplett unbefriedigender Ausgang.
Wenn nur der Weg das Ziel wäre, könnte man darüber hinweg sehen, doch spannende Momente bilden Mangelware, wogegen redundante Szenen viel Leerlauf schüren. Eine Bedrohung des Freundes und zwei nächtliche Besuche offenbaren eine Tendenz, die leider zu keiner Zeit intensiv genug erscheint, um ein Mitfiebern hervorzukitzeln. Und da die Identität des Stalkers bis zuletzt völlig unklar bleibt, fällt die Bedrohung schlicht zu vage aus.
Solide performt wird insgesamt schon und kameratechnisch sind die digitalen Fehler, Aussetzer und Wiederholungsframes noch im Rahmen, wogegen der ausbleibende Score ein kleines Manko darstellt, da die natürlichen Umgebungsgeräusche kaum Suspense schüren.
An sich mag die Idee der 24-Stunden-Überwachung okay sein, doch da hätte es deutliche Straffungen im Bereich des Alltäglichen und weitaus mehr konkrete Bedrohungen geben müssen.
Keine komplette Enttäuschung, jedoch eine weitgehend in den Sand gesetzte Grundidee mit einem völlig vergeigten Finale.
3,5 von 10