Eine ungewöhnliche Form der Trauma-Therapie. Bereits in „Memento“ versucht ein Protagonist gegen seine Erinnerungslücken anzugehen, hier wird gleich ein ganzes Haus nebst Bewohnern auf die Beine gestellt. Der Berliner Videokünstler Omer Fast liefert mit seinem Spielfilmdebüt reines Kopfkino mit einem Hauch Thriller.
Als Tom (Tom Sturridge) mitten in London von herab fallenden Trümmerteilen eines Daches getroffen wird, landet er einige Zeit im Koma, nach dem Erwachen leidet er unter extremen Gedächtnislücken. Mithilfe einiger Millionen Pfund durch die Versicherung heuert er einen findigen Makler an, um Teile seines alten Lebens möglichst detailliert zu rekonstruieren.
Eine Spur führt zu einem Bankraub…
Bereits der Titel, der in etwa Rest oder Überbleibsel bedeutet, ist in mehrerlei Hinsicht zu interpretieren. Einerseits die Fragmente, die Tom nach und nach in Real-Life-Action umsetzt und andererseits ist Tom selbst ein Überbleibsel in einer Welt, in der er nicht einmal mehr seinem angeblich bestem Freund oder dem vermeintlichen Love Interest trauen kann.
Im ersten Drittel lebt der Stoff von der Empathie gegenüber der Hauptfigur, welche simple Motorik neu erlernen muss und sich nur schwer in der eigenen Wohnung zurecht findet.
Als er schließlich Visionen eines mehrstöckigen Wohnhauses hat, fügt er diverse Fragmente zusammen und lässt sie mit Statisten nachstellen. So muss eine ältere Frau ständig Leber braten, ein Typ Chopin auf dem Piano spielen, Katzen müssen auf dem Dach turnen, während irgendwo ein Junge seine Hand nach ihm ausstreckt. Ein zuweilen sehr analytisches Unterfangen, das aufgrund seiner visuellen Umsetzung durchaus seinen Reiz versprüht.
Allerdings driftet Toms Verhalten ins Manische ab, seine Obsession lässt ihm zum Pedanten mutieren, der wie ein Diktator bestimmte Hebel in Bewegung setzt. So baut sich eine Distanz zu Tom auf, welcher im Verlauf immer weniger als Bezugspunkt taugt. Zudem vermengen sich Inszenierung von Wirklichkeit und Erinnerungsfetzen zu einer merkwürdigen Ebene, bei der nicht immer klar zu differenzieren ist. Am Ende läuft die Chose ein wenig ins Leere und man könnte beinahe von einer Möbiusschleife sprechen.
Tom Sturridge stattet seine ambivalente Figur mit den notwendigen Nuancen aus und ist primär in der ersten Hälfte recht stark, der experimentelle Score fügt sich optimal der surrealen Atmosphäre, während auf visueller Ebene primär einige extravagante Kamerawinkel und manche Zeitlupe zu überzeugen weiß.
Arthouse und Mindfuck, für die ein wenig Geduld und eine bestimmte Grundstimmung vorhanden sein sollte.
6 von 10