Review

Noch keine zehn Jahre auf dem Buckel und schon einer Frischzellenkur unterzogen?
Die Gründe für das Remake von „Martyrs“ liegen auf der Hand, denn einerseits hat Jason Blum wieder fleißig mitproduziert und dürfte inzwischen eine goldene Nase haben und andererseits wollte man dem US-amerikanischen Publikum eine augenscheinliche „erträgliche“ Variante des Schockers spendieren.

Als die zehnjährige Lucie ihren Kidnappern entkommen kann, landet sie im Waisenhaus und freundet sich langsam mit der gleichaltrigen Anna an. Zehn Jahre später kann sie ihre Peiniger ausfindig machen, tötet diese und ruft Anna herbei. Doch dann entdecken sie im Keller des Hauses ein Geheimnis…

Die Gebrüder Goetz haben das Original recht gut studiert, jedoch wenig davon weiterentwickelt. Im ersten Drittel dominiert die Freundschaft zwischen den Waisenkindern, was recht einfühlsam dargestellt wird. Erdige Farbtöne dominieren, die Kamera findet ein paar überaus gelungene Perspektiven und es wird eine Nähe zu den Mädchen aufgebaut.
Der Zeitsprung erfolgt jedoch zu abrupt, sogleich wird eine Szenerie der rohen Selbstjustiz eingeläutet und dann kommt auch noch ein Monster hinzu, dessen Existenz früh in Frage gestellt wird. Alles ein wenig zu hastig und unüberlegt.

Was folgt, weicht an einigen Stellen erheblich vom Original ab, primär die Darstellungen von expliziter Gewalt, obgleich auch vorliegende Fassung der FSK-Schere zum Opfer fiel und Szenen wie Hautabtrennen vom Rücken erst gar nicht zu sehen sind. Zudem werden unnötige Erklärungen abgeliefert, die sich eigentlich durch die Szenerien von selbst ergeben.
Immerhin wird ein wenig Action eingestreut, so dass im Gegensatz zum Original zwischenzeitlich ein vages Gefühl von Genugtuung entsteht.

Handwerklich ist das gar nicht mal so schlecht, der orchestrale Score ist phasenweise sehr stark und auch darstellerisch wird solide Kost geboten. Allerdings hält sich die Spannung insgesamt in Grenzen, besonders wenn das Original bekannt und noch im Hinterkopf verankert ist. Für sich stehend Durchschnittsware ohne sonderlich markante Eigenheiten, - tut sprichwörtlich nicht so weh wie das Original, liefert allerdings auch nichts Innovatives.
Knapp
5 von 10

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