Review

Wenn Polen feiern, feiern Polen...

... und ich feier die Polen für diesen ungewöhnlichen Film! Selten wurde eine ausgelatschtes Thema so frisch, abwechslungsreich & intelligent aufbereitet. Wer denkt, er hätte schon alle Arten Dämonen- & Besessenheits-Stories gesehen, wird hier eines Besseren belehrt. Und in Sachen verrückter Hochzeiten, muss auch erstmal ein abgedrehteres Beispiel her, als die Geschichte des armen Piotr, der an seinem Hochzeitstag von einem Dybbuk befallen wird & so diesen meist schönsten Tag, zum Alptraum werden lässt. Insgesamt ist die Realität, mit dem Selbstmord des Regisseurs, zwar noch gruseliger als der Film, und vor allem trauriger, bei dem Talent - aber durch sein geschaffenes Werk wird Marcin Wrona sicher weiterleben & noch viele Menschen & Generationen positiv überraschen. Ein Film, dessen Titel so simpel ist, wie dessen Themen es nicht sind.

Warum ist "Demon" mein Überraschungshit der Fantasy Filmfest White Nights vom letzten Wochenende? Weil er es verstand, anders als manch anderer Film des Festivals, Schönheit mit einer unterhaltsamen Geschichte zu verbinden. Die Optik ist edel, als ob der Kameramann ein uneheliches Kind von Kubrick & Tarkowsky ist. Nebelige Landschaften, ausgelaufene Farben & eine Bildkomposition, die meisterhaft erscheint & Abwechslung bietet. Dazu kommt eine Geschichte, die nicht nur überrascht, sondern ganze Vorurteile & Genre-Schablonen auf links dreht. Der Besessene ist ein Mann, die Hochzeitsgesellschaft feiert einfach weiter, es gibt wenig Konfrontation oder Spektakel. Und am Bemerkenswertesten: der Film ist unglaublich humorvoll & gesellig. Manchmal dunkler Humor & etwas gemein - aber überraschend spaßig. Vor allem das ignorante Partyverhalten der Gesellschaft & einzelner abgedrehter Charakter samt Konstellationen untereinander, unterhielt ungemein. Und das, ohne die Spannung zu sehr zu vernachlässigen - zumindest bis kurz vor Schluss, wo sich der Film verläuft & ein Ende, ohne Erinnerungswert oder Antworten liefert. Letzteres kann ich mit leben, Ersteres nicht so gut. 

Als wäre das nicht genug, haben die Schauspieler sichtbar Spaß & vor allem das Hochzeitspaar hat Starqualität & eine elektrisierende Chemie. Das der Film sowohl als Metapher für die Angst vor dem ewigen Bund der Ehe als auch dem Einmarsch der Nazis in Polen gesehen werden kann, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Für mich persönlich als Mitte 20er Deutscher erst recht. Und wenn Piotr anfängt gebrochen deutsch zu sprechen, ist das köstlich gruselig & ein Paradebeispiel für den ganzen Film. Wäre das Ende ein wenig ausgefeilter, wäre hier etwas ganz Wertvolles entstanden. Aber auch so: absoluter Geheimtipp für Cineasten, die auch mal eine Mischung aus Fisch & Fleisch zu schätzen wissen.

Fazit: eine der interessanteren & schickeren Bessessenheits-Filme der letzten Zeit, der erst ganz gegen Ende die Balance zwischen Spannung & Humor verliert. Top!

Details
Ähnliche Filme