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Die Endzwanzigerin Venus (Alexis Knight) verdient sich ihre Brötchen seit Neuestem beim Lapdance in einem Stripclub - doch statt "die Kerle ordentlich heiss zu machen um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen", wie ihr eine Kollegin empfiehlt, verliebt sich sich in den erstbesten Kunden, mit dem sie dann entgegen jeglicher Gepflogenheiten auch privat etwas anfängt. Objekt ihrer Begierde ist der Fotograf Brian (Woody Naismith), der nach dem Suizid seiner Frau eigentlich nur etwas Zerstreuung in dem Club suchte und sich ohne größeren Widerspruch auf die Tänzerin einläßt. Brian, der beruflich stark eingespannt ist und noch immer um seine Ehefrau trauert weckt gerade durch seine zurückhaltende Art die Zuneigung seiner neuen Bekanntschaft, die Hals über Kopf entflammt ihn am liebsten ganz für sich besitzen möchte. Als sie kurz darauf eine sms einer Frau auf seinem Handy entdeckt, spioniert sie ihm heimlich nach: Brian trifft sich zum Plaudern mit einer alten Bekannten, wie er freimütig zugibt, doch in Venus erwacht dadurch erst recht das Tier: Rasende Eifersucht bestimmt ab jetzt ihr Handeln...

Oh weh! Nach Titel und Cover wäre bei Goddess of Love eher eine Rotlicht-Story zu erwarten gewesen, aber die Chose stellt sich schnell als alltägliches Beziehungsdrama heraus. Katastrophal schlecht eingeführt wird die Hauptdarstellerin, die in einer nie aufgeräumten Wohnung inmitten meterhoch angehäuftem Kitsch und Nippes haust und mehr oder weniger in den Tag hineinlebt. Wieso sie, die französische Vokabeln lernt und Klavier spielen kann, ausgerechnet mit Lapdance ihr Geld verdienen will, wird genausowenig beleuchtet wie ihr komplett fehlender sozialer Background: Sie hat keinen Mann, keinen Freund, keinen Ex, ja nicht einmal eine beste Freundin - für einen kleinen Gefallen muß sie sich an eine (neue) Arbeitskollegin wenden. Dass sie nebenbei auch schwer einen an der Waffel hat, erkennt man an verschiedenen Verhaltensweisen: So hat sie öfters Halluzinationen von Lärm, keifenden Bettlerinnen oder Schlangen unterm Tisch, die sie stets mit Wasserpfeife & Co. bekämpft. Venus, welches ihr richtiger Name ist (wie sie einmal erwähnt) ist mittelgroß und schlank, hat jedoch die Ausstrahlung und den Charme eines Plastik-Gefrierbeutels. Der vielleicht durchschnittlichsten aller durchschnittlichen Darstellerinnen fehlt jegliches Attribut, weswegen es fast schon an Publikumsverarschung grenzt, als sie sich einmal als titelgebende Goddess of Love ihrem neuen Bekannten vorstellt. Bei dieser Gelegenheit überreicht sie Brian eine kleine Venus-von-Milo-Statuette, was dieser passenderweise ebenso intelligent mit "Was ist das?" kommentiert. Ihrem neuen Schwarm, vielleicht dem einzigen ihres Lebens vorgestellt hatte sich diese merkwürdige Liebesgöttin mit dem Selbstbewußtsein einer Zehnjährigen übrigens mit den Worten "Ich wurde in New York City geboren, ich liebe dunkle Schokolade und mein linker Fuß ist ne halbe Nummer größer als der rechte". NeeNeeNee...

Während die Neo-Stripperin also den seltsam unbeteiligt wirkenden Brian anhimmelt, fokussiert das Drehbuch immer stärker auf ihre Psychosen, die auch graphisch durch diverse surreale Bildsequenzen langsam einen größeren Raum einnehmen. Brian, der der neuen Bekanntschaft berufsbedingt schon nach kurzer Zeit sowieso erstmal eine kleine (vielleicht auch eine deutlich längere) Pause gönnen will, bringt damit ungewollt den ohnehin labilen Gemütszustand der selbsternannten Liebesgöttin noch mehr ins wanken. Getriggert durch die vermeintliche Nebenbuhlerin, die sich zudem "erdreistet", ihr ihre Sachen zurückzubringen entwickelt Venus ungeahnte Energien, ihren Besitzanspruch auf Brian durchzusetzen - und ab hier nimmt der Film dann endlich Fahrt auf und wird auch interessant. Denn Brians alte Freundin Christine (Elizabeth Sandy) ist ihrerseits keineswegs bereit hinzunehmen, daß eine durchgeknallte Psychopathin mir nichts, dir nichts ihre Katze aufschlitzt und ihr vor die Haustür legt...

Am Ende dieses Psycho-thrillers inklusive erwartbarem Plot-twist stellt sich der Eifersüchtigen und damit dem Zuseher dann die Frage, was Realität und was Fiktion ist - kann man allem, was man da meist aus Venus´ Perspektive gesehen hat, trauen? Oder waren es nur die Wahnvorstellungen einer immer tiefer abgleitenden Soziopathin auf der Suche nach Anerkennung und Liebe? Diese Frage bleibt über das Filmende hinaus - und auch die Frage, wie jemand wie Venus zu dem wurde, was sie ist - oder zu sein scheint.
Für die ungewollt komischen Momente in der ersten Filmhälfte mit der trotz Strapsen auffallend reizlosen Liebesgöttin vom Typ Biologie-Erstsemester und weil sich nach diesem total verkorksten Beginn doch noch Spannung einstellt gibts von mir 6,51 Punkte.

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