Da hat jemand in tiefen Zügen die Action der Achtziger eingeatmet und bringt sie visuell als auch teilweise akustisch recht glaubhaft rüber. Irgendwo zwischen "Rampage", Maniac Cop" und Exterminator" weiß der Streifen jedoch kaum eine mitreißende Dramaturgie aufzubauen.
Bruce (Ry Barrett) ist eigentlich Mechaniker, doch nachdem seine Frau Sam aufgrund von Schlägern zum Pflegefall wurde, zieht er nachts in Motorradkluft durch die Straßen und knüppelt vermeintlich schuldige Bürger nieder. Als die unschuldige Marie in sein Visier gerät, entflammt ein Kampf auf Leben und Tod...
Autor und Regieneuling Gabriel Carrer macht viel richtig, jedoch noch mehr falsch.
Visuell liefert er ein paar ansehnliche Nachtaufnahmen einer Großstadt, punktet mit gelungenen Schwenks und durchdachten Blickwinkeln, überstrapaziert jedoch diverse Zeitlupenaufnahmen, was phasenweise so unbeholfen wie eine Parodie daherkommt.
Storytechnisch wird zunächst nur Stückwerk angeboten und es bleiben zahlreiche Hintergründe offen: Warum besucht Marie eine Gruppentherapie, wurde Bruce zum Rächer und wie genau Sam zum Pflegefall? Ins Detail geht die Geschichte zu keiner Zeit, reichlich wortkarg wird die Beziehung des unglücklichen Paares geschildert, zum dem nie eine Nähe aufgebaut wird. Auch zum Antihelden nicht, denn das Mitfiebern hält sich arg in Grenzen und Spannung kommt erst nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde auf, nachdem zig redundante Szenen Kopfschütteln und Langeweile bereiteten.
Mit einer Hatz durch ein Parkhaus kommt erstmals ein wenig Spannung auf, das Tempo steigt sogleich an und der stark rhythmisch betonte Score, entfernt angelehnt an John Carpenter, weiß die prekäre Situation stimmungsvoll zu untermauern. In solchen Momenten blitzt das handwerkliche Geschick Carrers auf, denn sobald er sich auf das Wesentliche konzentriert, ist ein passabler Unterhaltungswert gegeben.
Als Charakterstudie eines von Wahn und Besessenheit ergriffenen Typen geht das Ding allerdings kaum durch, denn dafür fallen die Figurenzeichnungen zu dürftig aus, die Dialoge geben zu wenig her, was auch für etwaige Backgrounds gilt. Ry Barrett bringt eine gute körperliche Präsenz mit und performt überwiegend solide, die Ambivalenz seiner Figur kann er jedoch nur während der impulsiven Momente transportieren, zumal er innerhalb der ruhigen Szenen zu hölzern agiert. Der Rest vom Cast performt indes brauchbar.
Mit dem Fokus auf die Verfolgung, mit Intervention von Sicherheitspersonal und zwielichtigen Rockern macht Carrer einiges richtig, denn die Action ist okay inszeniert und die wenigen, jedoch teils derben Gewaltausbrüche sind inszenatorisch makellos.
Allerdings schwächelt die Erzählung bei den Dramenanteilen, was deutlich in der ersten Hälfte spürbar wird und man sich fragt, wann es denn endlich mal so etwas wie einen roten Faden gibt.
Handwerklich okay, inhaltlich jedoch schwach und erst im letzten Drittel einigermaßen unterhaltsam ausgefallen,
4 von 10