Review

Review der 1. Staffel:

Die Netflix Marvel Produzenten machen wirklich Nägel mit Köpfen. Nach dem durchaus als sehr gelungen anzusehenden Daredevil kommt die zweite wirklich gute Marvel Serie von Netflix heraus.

Und wie schon bei Daredevil wird eine komplett eigene Identität der Serie etabliert. Und die lautet ungefähr so: Feminismus.

Doch eines nach dem anderen.


Die Story:

Jessica Jones ist eine Frau, die durch einen Unfall übernatürliche Stärke gewonnen, aber ihre Familie verloren hat. Eines Tages kommt sie unter den Einfluß eines Mannes, der sie willenlos machen kann und sich ihm unterwirft, fortan ist sie seine Sklavin und tut alles, was er befiehlt. Irgendwie gelang es ihr, vor ihm zu flüchten. Nun ist er zurück, um sie sich wieder Untertan zu machen. Dies ist die Story ihrer Emanzipation...


Umsetzung:

Wie gesagt, sehr feministisch. Man(n) hat das Gefühl, teilweise in einer Lesbenserie zugegen zu sein, so oft wie über weibliche Gefühle untereinander geredet wird. Nur halt ohne den erlösenden visuellen Part dabei ;-)

Wenn man diesen Punkt mal verdaut hat, was ehrlich gesagt relativ schnell geht, haben wir es mit einer in die Länge gezogenen Traumabewältigung zu tun. Hier wird minutiös die Therapie eines Vergewaltigungsopfers im Gewand einer Superheldenserie durchexerziert, inkl. diverser Phasen der Verleugnung.

So abgedroschen und ablehnend das jetzt klingen mag, auch dies kann man sich schon antun, denn die Leute hinter der Kamera wissen genau, wie man ein solches Thema ansprechend umsetzt, mehr als nur einmal gibt es hierbei Gänsehautszenen.

Und eines muss man der Serie lassen, sie ist deutlich subtiler und zurück haltender als die Comicvorlage, ich wage mal einen kurzen Exkurs, um zu zeigen wie wenig ich von Brian Michael Bendis, dem Comicautor, im Grunde genommen halte: Jessica Jones spürt in den Comics einfach nichts mehr und geht diverse One-Night-Stands ein. Erst als sie Luke Cage trifft, und sie einvernehmlich Analsex haben, spürt sie endlich wieder etwas, da er groß und schwarz ist, und verliebt sich (deshalb) in ihn. Also wirklich, das ist rassistisch, abgedroschen und auch richtig schlecht, außerdem verunglimpft es Traumaopfer von vorne bis hinten. Da geht die Serie deutlich umsichtiger vor.

Alleine für all diese Punkte verdient diese Serie unseren Respekt.

Aber ist Respekt auch gleichbedeutend mit Qualität?

 

Der Schurke:

Die Qualität einer solchen Serie hängt sehr stark auch vom Antagonisten ab, und der ist etwas zwiespältig. Klar, er ist diabolisch und trotzdem irgendwie nachvollziehbar (auf eine erschreckende Art), dennoch bekommt er das, was er verdient, wenn es letztendlich auch eher kein Sieg für die Heldin ist, wenn man die 12 Folgen vor der finalen Folge Revue passieren läßt.

Im Gegensatz zu den MCU Filmen sind bisher alle Schurken der Netflix Marvel Serien (inklusive dem später gestarteten Luke Cage) wirklich greifbare, charismatische Bösewichter, und dennoch dieser Killgarve ist derjenige, der am schwächsten ist, da er eigentlich nicht genug Material für 13 volle Stunden hat.

 

Die Länge:

So zieht sich die Serie auch sichtlich hin bis zum Ende. 6-7 Std. hätten vollkommen gereicht, auch für die Bewältigung ihrer Probleme hätten es gerne 1-2 Std sein können, aber mehr als 10 Stunden sind in keinster Weise gerechtfertigt. Da helfen auch die zig Querverweise (Nuke, kommt sicherlich noch, evtl. auch in Daredevil) und Verbandlungen nicht im geringsten.


Der Cast:

Was soll ich sagen, richtige Aussetzer gibt es keine, und Ritter macht ihre Sache auch sauber. Also alles im Lot.


Urteil:

Guter Ansatz, sehr gute Umsetzung, der schwülstigen, der S/M-Schiene zugewandten Vorlage deutlich überlegen, mit deutlichen Längen im Mittelteil. Und da am Ende eine Katharsis erreicht wurde, schreit hier der Zuschauer auch nicht nach einer Fortsetzung. Kann und sollte für sich stehen. Wird es zwar nicht, aber ich denke nicht, dass ich die Fortsetzung schauen werde.


8 Punkte

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