Review

Wenn man „Das letzte Gewehr“ sieht fragt man sich, ist das ein amerikanischer oder ein europäischer Western. Denn bis auf die vereinzelten italienischen Texteinblendungen hat dieser rein gar nichts mit den italienischen Western zu tun. Aber kommen wir zunächst zur Story:

Pistolen-Jim (Cameron Mitchell), der beste Schütze im Westen, möchte ein normales, gesittetes Leben beginnen.
Aus diesem Grund lässt er sich als Krämer nieder. Ungefähr zur gleichen Zeit plant eine Gaunerbande einen Überfall auf einen Goldtransport. Auf ihrem Weg treffen sie auf einen Gitarrenspieler, der bei ihnen anheuert.
Jeff, der Chef der Bande, ist von der Pistolenfertigkeit des Gitarrenspielers, genannt Guitar, beeindruckt.
Als die Bande in das beschauliche Städtchen kommt, wo Jim unter dem Namen Brett wohnt, beginnen sie sofort Unruhe zu stiften. Keiner setzt sich ihnen entgegen, nichtmal der Sheriff. Die Banditen kooperieren mit dem Bankbesitzer, der ihnen, gegen einen Anteil, beim Überfall helfen will. Als jedoch begonnen wird die Frauen zu belästigen, darunter auch Bretts Freundin, kehrt Pistolen-Jim zurück und beginnt im Dorf auszuräumen...

Die Story um einen alternden Pistolenhelden, der eigentlich aufhören möchte, aber doch zurückkehrt, um zum letzten Mal für Recht und Ordnung zu sorgen wurde schon in zahlreichen anderen Western durchgekaut und bietet kaum Neues. Einzig die Rolle Guitars scheint etwas undurchsichtig zu sein, was dem Film eine gewisse Spannung bringt. Der Zuschauer weiß jedoch von Anfang an, wer Pistolen-Jim, nur keiner im Dorf, nichtmal Bretts Freundin. Ja, haben die denn alle was an den Ohren? Auch wenn Jim immer maskiert auftritt, so spricht er mit den Leuten aber niemand merkt anscheinend, dass Brett und Jim die gleiche Stimme haben, Größe etc.
So hab ich mich immer köstlich amüsiert, wenn sich die Dorfbewohner verblüfft gefragt haben, wer denn nun dieser Fremde ist. Einzig Guitar weiß, wer Jim wirklich ist.
Das dieser Western wie ein amerikanischer Western aussieht, habe ich ja schon am Anfang gesagt. So sehen die Kulissen aus wie in amerikanischen Filmen, die Einrichtung der Häuser. Auch die Kleidung lässt auf einen US-Western schließen. So tragen die Herren fast alle bessere Kleidung und die Frauen in der Bar diese unauffälligen roten Kleider. Auch gibt es keinen unrasierten Helden, wie in späteren Italo-Western. Und das Ende kann auch keinen mehr verblüffen. Es ist hollywood-like.

Cameron Mitchell spielt seine Rolle nicht schlecht. Er verkörpert gut den alternden Revolverhelden, der nicht mehr kämpfen möchte. Er spielt fast als einziger in diesem Film natürlich. Höchstens noch der Schauspieler, der Guitar spielt ist halbwegs glaubwürdig. Die andere Schauspieler spielen viel zu übertrieben. Auch gefällt mir diese aufgesetzte Nettigkeit nicht, z.B. bei der Szene in der Kutschfahrt. Leicht nervig finde ich auch die Synchronisation. Die Stimmen sind schrill und hören sich unnatürlich an, aber diese Probleme haben viele ältere Filme.

Die Musik ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Sie wird viel zu spärlich eingesetzt und kann nicht zur Schaffung einer guten Atmosphäre beitragen. Auch hört sie sich an, wie Eine aus Vielen. Einen Wiedererkennungswert hat sie nicht wirklich.

Die Kamera hat mir recht gut gefallen. Der Kameramann hat geschickt schöne Landschaftsaufnahmen mit eingebracht. So gibt es auch einen interessanten Zoom, wo die Kamera beim Sheriff ist, dann nach oben fährt und man sieht, wie die Banditen die Lage beobachten. Stimmig ist auch die Szene, wo die Banditen bei Sonnenuntergang reiten.

Mich konnte dieser Film nicht begeistern, dies liegt wahrscheinlich daran, dass ich mit amerikanischen Western nur bedingt etwas anfangen kann. Jemand, der diese Art Western mag, sollte ruhig einen Blick wagen.
Westernfans der härteren Gangart, können diese Filme links liegen lassen.

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