Review
von Leimbacher-Mario
Die interessanteste filmische Sozialstudie seit Jahren
"Der Kreis" ist eine meiner größten, positiven Überraschungen des Jahres (auch wenn er schon letztes Jahr offiziellen Release hatte) & ein Genuss für alle Fans von Lowkey-Sci-Fi mit Köpfchen. In dem gemeinen, dialoglastigen Psychoschocker, geht es im Grunde um eine Alieninvasion - allerdings wie ihr sie garantiert noch nie gesehen habt! In einem Mix aus Zufalls-Todesspiel aus der Twilight Zone & "Die 12 Geschworenen", stehen 50 scheinbare wahllose Leute in einem Kreis. Alle paar Minuten stirbt jemand aus der aufgeregten Runde & schnell kristallisiert sich heraus, dass dieser unter Druck gesetzte Querschnitt unserer Gesellschaft, die besten & bösesten Seiten der menschlichen Natur herauskehrt. Wer gewinnt das perverse "Spiel"? Wie weit stellt man das Leben eines Fremden, vielleicht einer Schwangeren, über das eigene? Bist du gut oder böse? Und was wollen die Aliens damit bezwecken?
Teilweise erinnerte mich das fesselnde Psychospiel an eine Art "Werwolf" oder "Mafia", falls jemand die Gesellschafts- bzw. Gruppenspiele kennt. Nur eben unter tödlich ernsten, diabolischen Vorraussetzungen. Die Idee & unsere eigenen Gedanken zu dem sich aufbauschenden Todeskreis, ist hier der Star. Und wenn man nicht gerade Psychologiestudent ist, wird man die aufregende Runde & das auf eine Auswahl heruntergebrochene Verhalten der westlichen Gesellschaft, extrem schockierend & gleichzeitig interessant finden. Inklusive aller Vorurteile, Ängste & Aufopferung, die solch eine extreme Situation mit sich bringen würde. Psychologischer Horror & wie ein Unfall - man will nicht hinsehen, geschweige denn beteiligt sein, kann aber nicht anders als hinzusehen & mitreden zu wollen. Das Mini-Budget spielt durch die simpel-geniale Grundidee keine Rolle mehr & "Der Kreis" ist der perfekte Freundeskreis-Film. Wie passend.
Der Look der gewieften, klaren Regeln folgenden Alienmaschine, hat etwas von "Tron" oder HAL in "2001" - finde ich sehr cool. Natürlich extrem eingeschränkt, aber effektiv & konzentriert wie alles an dem Film. Die Darsteller sind zum Glück weitestgehend unbekannt, was Realismus & Sympathie/Antipathie anhebt. Ich zumindest kannte keinen außer "Dexter"-Sternchen Julie Benz. Einige Twists in der illustren Runde sind zwar zu erahnen, doch mich hat es durchaus einige Male eiskalt erwischt. Ähnlich wie der fiese Ton der Maschine, wenn diese wieder mal einen erbarmungslos per Laser erschiesst. Das Ende fand ich gelungen, selbst wenn in meinem Kopf noch einige andere, abartige Szenarien für Begeisterung sorgten. Der Film regt Herz, Fantasie & Gehirn an - in dieser aufsteigenden Reihenfolge. Da der Film extrem viele kleine Subplots, Lügen, Wahrheiten, Prinzipien & mögliche Alternativwege bereithält, zahlt sich sicher auch eine wiederholte Sichtung aus. Ein wahrer Geheimtipp, wenn man sich darauf einlässt!
Fazit: 50 Angry Men? Wie eine psychologisch wertvolle, überlange Twilight Zone-Episode, die mich an den Bildschirm schweißte. Ziemlich genial & massig Redestoff liefernd.