Sie wissen zwar überhaupt nicht, wie sie dorthin gekommen sind, doch jetzt stehen 50 US-Bürger auf 50 schmalen, im Kreis angeordneten roten Rundfeldern. Jeder kann jeden sehen, aber es bleibt keine Zeit, Fragen über die derzeitige Situation auszutauschen, denn in der Mitte dieses Kreises in dem ansonsten stockdunklen Raum befindet sich eine kleine Kuppel, aus der nach einer Reihe charakteristischer Warntöne ein tödlicher Stromschlag in Form eines Blitzes einen Probanden nach dem anderen ausschaltet.
Etwa alle 2 Minuten stirbt einer der 50, doch es dauert eine Weile, bis bei den Überlebenden einige beherzte Proponenten das Wort ergreifen und feststellen, daß die Auswahl der Todeskandidaten nicht zufällig erfolgt, sondern jeder mit Hilfe seiner Finger beeinflussen kann, wen der Blitz als nächstes trifft. Um diese Entscheidung begründet treffen zu können, versuchen die Leute, Kriterien zu suchen, Bekannte zu entdecken oder Muster zu erkennen, doch reicht die Zeit nie aus, einen tatsächlich trifftigen Grund zu finden, jemand bewußt in den Tod zu schicken - mit Ausnahme des eigenen Überlebenswillens.
Als schon die Hälfte der 50 tot sind und sich die Reihen langsam lichten, kommt es zu teilweisen Zweckbündnissen, wobei die allen Schichten entstammenden Übriggebliebenen sich auf diverse soziale Skills, Hautfarbe, Religion oder sexuelle Ausrichtung beziehen. Die Mordmaschine unbekannten Ursprungs, die ein Davonlaufen oder das Berühren einer anderen Person ebenfalls mit einem sofortigen tödlichen Stromschlag bestraft, läuft währenddessen unaufhaltsam weiter, ein Austricksen scheint nicht möglich, nur bei gleichvielen "Stimmen" entsteht ein Patt, welches in einer sofortigen weiteren Abstimmung mit dem Tod eines der Betroffenen aufgelöst wird. Bald sind nur noch eine Handvoll Leute beiderlei Geschlechts übrig, die sich lautstark gegenseitig zu beeinflußen versuchen...
Das nur an einem einzigen Ort stattfindende Ausscheidungspiel zielt im Großen und Ganzen auf die menschliche Psychologie ab, die unter Zeitdruck weitreichende Entscheidungen treffen muß. Wie weit gehen Leute, um ihr eigenes Leben zu retten? Opfert sich jemand selbst, nur um der Gruppe etwas Zeit zu verschaffen? Manipulieren andere wiederum ihre Mitmenschen, um sich selbst zu retten? Wer sich noch nie mit diesen Fragen beschäftigt hat, wird von Der Kreis wahrscheinlich beeindruckt sein, mit dem die Regisseure Aaron Hann and Mario Miscione (The Vault, 2011) genau diese Extremsituation beleuchten.
Leider unterbleiben jedoch jegliche Erklärungsversuche zu den Bedingungen dieses Experiments, von einer kurzen und unbefriedigenden Schlußsequenz einmal abgesehen.
Vielleicht ist es die Angewohnheit von Krimifreunden, auch auf Kleinigkeiten zu achten und Indizien zu sammeln, die einem die Freude an diesem Filmexperiment, das sehr entfernt an den 1997er The Cube oder den 2010er Nine dead erinnert, verdirbt, doch da die blitzgestützte Selektion ohne jegliche Vorgeschichte oder Begründung so unmittelbar einsetzt, hinterläßt sie prinzipiell nur Verwunderung und verhindert, sich mit den - übrigens schon wegen ihrer Menge kaum sinnvoll zu erfassenden - Charaktären auseinanderzusetzen.
Dass in der zweiten Filmhälfte, nachdem immer weniger Kandidaten übrigbleiben, einige sehr von sich selbst überzeugte Wortführer etwas deutlicher in den Vordergrund treten, liegt in der Natur der Sache, doch gelingt es zu keiner Zeit, zu einem der Kandidaten einen Draht aufzubauen. Ob am Ende der Hippie, der Polizist, der Schwarze, die Schwangere oder das (einzige) Kind übrigbleibt, ist eigentlich egal - viel wichtiger wäre die Hintergründe dieser Auswahl zu erfahren, doch diese, soviel sei verraten, werden zu keiner Zeit aufgedeckt, sondern mit einer Schlußeinstellung, die einer billigen Ausrede gleichkommt, der Interpretation des Zuschauers überlassen.
Verwirrend (in technischer Hinsicht) bleibt der selten exakt eingehaltene zeitliche 2-Minuten-Rhythmus, in dem ein weiterer Teilnehmer sterben muß, besonders am Ende, wenn die Argumentationslinien der Überlebenden greifbarer werden, da diese einfach länger reden, scheint das unerbittliche System den einzelnen Kandidaten genug Zeit einzuräumen, ihre jeweiligen Argumente darzulegen, ja fast scheint es so, als würden diese selbst den Countdown für den nächsten Stromschlag auslösen - ein völlig unerklärliches Entgegenkommen der unbekannten "Spielleitung", welches das Publikum anhand der künstlichen Dramatik vielleicht übersehen soll, das dem geneigten Thrillerkonsumenten jedoch deutlich auffällt.
So bleibt Der Kreis ein bestenfalls durchschnittliches Filmexperiment, dessen bewußt ausgesparte Logik auch mit den üblichen Theorien kaum befriedigend zu erfassen ist und dessen Darsteller sowieso keinerlei bleibenden Eindruck hinterlassen. 4 Punkte.