Die True-Crime-Doku-Serie "Internet der Lügen" (Originaltitel: "Web of Lies") beschäftigt sich mit den "dunklen Seiten des Internets", insbesondere wenn Online-Plattformen und soziale Netzwerke für Betrügereien und Kriminalität genutzt werden und persönliche Tragödien darüber beginnen.
Die Serie wird auf TLC ausgestrahlt und bietet eine eindringliche Darstellung von Fällen, bei denen Menschen durch das Internet manipuliert und in gefährliche Situationen gelockt wurden oder im Internet bloßgestellt wurden. Sehr oft enden die Fälle auf sehr dramatische Weise mit mindestens einem Leichensack.
Die Serie greift verschiedene, schockierende Geschichten auf, die alle auf realen Ereignissen basieren. In einem Fall eines von Mitschülern auf einer Party vergewaltigten und dabei fotografierten Mädchens, das auf Facebook von den Tätern bloßgestellt wurde, errichtete die Mutter eine Facebook-Gedenkseite. Diese habe ich gesucht und sie ist auch tatsächlich noch erreichbar und Opfer ähnlicher Verbrechen solidarisieren sich dort heute noch. Das ist eine besonders bittere Pille, wenn man realisiert, dass das wirklich alles mehr oder so wie gezeigt geschehen ist und die Spuren auch in der Gegenwart noch existieren. Aber zumindest geraten die Opfer so nicht in Vergessenheit.
Jede Episode widmet sich genau einem Fall und beleuchtet die Hintergründe und Folgen, die durch die in diesem Fall durch die Nutzung des Internets entstanden sind. Manchmal wirken die Fälle für meinen Geschmack dadurch aber auch etwas "gestreckt", da man diese auch kompakter zeigen könnte. Das ist aber nicht besonders schlimm, da man immerhin sehr detailliert zeigt, was geschehen ist und auf was die Opfer hereingefallen sind. Dies geschieht mit Interviews, nachgestellten Szenen und auch Original-Bild- und Videomaterial zu den betroffenen Fällen und macht es dadurch besonders tragisch, wenn die Verwandten eines Opfers zu Wort kommen.
Ein zentrales Thema ist die scheinbar grenzenlose und teilweise kaum zu glaubende Naivität vieler Internetnutzer, die durch anfangs harmlose Online-Kontakte und Aktivitäten in bedrohliche Situationen geraten. Die Geschichten reichen von Identitätsdiebstahl und Online-Dating-Betrug bis hin zu weitaus ernsteren Fällen, wie Entführung und Mord.
An mancher Stelle könnte man der Serie zum Vorwurf machen, dass die Fälle mit voller Absicht zur Sensation ausgeschlachtet und sehr über-dramatisiert gezeigt werden. Aber eine spannende und fesselnde Erzählweise ist vermutlich nötig, damit der Zuschauer dranbleibt und sich emotional angesprochen fühlt.
Es lauern zwar nicht überall im Internet Gefahren, wenn man ein erfahrener Nutzer ist, aber insbesondere Leuten, bei denen man weiß, dass sie sehr naiv im Internet unterwegs sind, sollte man vielleicht mal empfehlen als Wachrüttler einige Folgen einer Serie wie "Internet der Lügen" zu schauen um das eigene Nutzverhalten in Frage zu stellen.
Trotz der genannten Schwächen ist die Serie meiner Meinung nach sehenswert und lässt mich immer wieder fassungslos zurück, wenn man sieht auf welche einfachen Tricks Jugendliche aber auch Erwachsene anspringen.