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Die Überlegung, nach den finanziell erfolgreichen und zumindest anfangs auch von den Kritikern positiv aufgenommenen Abenteuern um Superman dessen Cousine als Nachfolgerin auf die Leinwand zu bringen, schien von den Chancen nah, ist letztlich aber von der angedachten Wirkung fern. Rückwirkend und bereits bei den Mühen um die Vorbereitung der Produktion einschließlich vieler Absagen angefragter Schauspieler und mehrfach veränderter Drehbücher ist der fehlgeleitete Sinn der Handlung und Ausführung deutlich im Mittelpunkt des Scheiterns zu sehen. Selbst zu damaliger Zeit schien man nicht aktuell und im Hier und Jetzt, sondern von der Gesinnung her veraltet und wie zu den Zeiten von Bedknobs and Broomsticks (1971), Chitty Chitty Bang Bang (1968), oder Mary Poppins (1964), also nach anno dunnemals und kindlich und naiv wie eine Walt-Disney-Aufführung versetzt. Große Augen, viel Gefühl, viel Schrulligkeiten und auch bonbonfarbener Fantastereien, was die (wenigen) Realitätsbezüge der maskulinen Vorgänger und Vorbilder gänzlich weg und ein Märchen mit bösen Hexen und unschuldigen Prinzessinnen in den Mittelpunkt des Geschehens rückt:

Der Planet Krypton, in der künstlichen Argo City. Als Kara Zor-El [ Helen Slater ] beim unerlaubten Spielen mit dem Omegahedron diese Kraftquelle der Stadt durch ein Mißgeschick verliert, beschließt sie eigenhändig und gegen Rat und Widerstand ihres Lehrmeisters Zaltar [ Peter O'Toole ] und ihrer Eltern Alura [ Mia Farrow ] und Zor-El [ Nigel Ward ], auf die Erde zu reisen und dort das wertvolle und zum Leben notwendige Gut zurückzuholen. Leider wurde es dort bereits von der Hobbyhexe Selena [ Faye Dunaway ] nebst Freundin Bianca [ Brenda Vaccaro ] entdeckt, an sich gerissen und für allerlei Schandtaten missbraucht, die vor allem auch die Gewinnung der Liebe des ansehnlichen Gärtners Ethan [ Hart Bochner ] einschließt. Währenddessen muss sich Kara erst an die Umstände auf dem ungewohnten Planeten und auch an ihre neu erworbenen Superkräfte gewöhnen, wobei sie sich zur Tarnung ihrer Identität als 'Linda Lee' und Cousine von Clark Kent in der örtlichen Mädchenschule anmeldet. Als um sie herum das von Selena geschaffene Chaos ausbricht, kann Supergirl nur noch auf ihre neue Bekanntschaft und Mitbewohnerin Lucy Lane [ Maureen Teefy ], deren Liebelei Jimmy Olsen [ Marc McClure ], den Reporter des Daily Planet, und schließlich auch auf den Magier Nigel [ Peter Cook ], Selenas geschassten früheren Liebhaber zählen.

Vorhang auf für die kunterbunte Zauberwelt. Zugutehalten kann man, dass mit dem Regisseursonkel Jeannot Szwarc, einem ausführenden Handwerker statt einem selbständigen Organ wenigstens den richtigen Mann für diese Sause gefunden hat und im kurz daraufhin folgenden Santa Claus dieses klebrige Rezept noch mehr kultiviert. Szwarc kommt vom Fernsehen, von Serien, und ging alsbald auch wieder dahin; ein Routinier ohne eigene Handschrift, der seine Aufgaben gelangweilt sicher erledigt und die Zusagen pünktlich einhält. Einer, der kuscht und macht, der hört und gehorcht, der nicht knurrt und murrt und auf die eigene Meinung beharrt wie Richard Donner und auch nicht die Erfahrung und den eigenen Stil wie Richard Lester mitbringt.

Szwarc ist ideal auch für die durchscheinende Naivität, wird sie doch (angenehmerweise) eben nicht gebrochen, sondern stur und strikt und wie blind und dran glaubend durchgezogen, ohne mit der Wimper zu zucken und das Gesicht auch nur etwas zu verziehen. Herauskommt durch diese erste Voraussetzung und der Prämisse des Skriptes sowie vor allem auch der Besetzung mit der unschuldigen Helen Slater die Geschichte einer Person, die noch keine Frau ist, aber ein Mädchen auch schon fast nicht mehr, und sich in der Welt voller Gefahren bewähren muss und wird. Die Geschichte vom Erwachsenwerden und dem sich finden auch als Frau und so mit den weiteren Zutaten von Feminismus, wenn nicht gleich Emanzipation, aber irgendwie doch auch gefüllt ist.

Kara probiert sich, ihre Fähigkeiten, ihre Talente, ihre Wirkung und die Umwelt aus, und da der Film klinisch rein und unbefleckt und wie ein Lamm fromm und eben nicht bösartig und schmutzig ist, bedeutet dies erste Flugversuche und ein erster Kuss (mit geschlossenem Mund), das Erwecken durch einen knuffigen Hasen im Walde und das Testen der Funktionen eines Büstenhalters, allerdings nicht auf dem nackten Körper, sondern über dem Blazer und weiteren Stoff. Eine Blüte reift, ohne richtig zu knospen; ein Gedanke, mit dem der Film wenn überhaupt, nur in den nebensächlichen Szenen an der Mädchenschule, den anderen 'normalen' und schon nicht mehr so ahnungslosen Personen in dem Alter spielt. So entwickelt sich zwischendurch fast eine Pennäler-/Teenager-/Pubertätskomödie, die zu dem Zeitpunkt der frühen Achtziger gerade unheimlich beliebt und auf dem Höhepunkt - verzeih - der Gattung schlechthin war. Wo woanders der Straps SOS funkt, barbusig auf dem Pferd quer über den ganzen Campus geritten wird, oder man sich verkleidet als Mädchen in die Duschkabinen oder die Schlafsäle des anderen Geschlechtes heranpirscht und die letzte amerikanische Jungfrau von den Superanmachern verführt wird, wird hier in wenigen anfänglichen Minuten fast so etwas wie die Sparmaßnahme dessen, mit der Möglichkeit dazu und mehr angerührt.

Auch diverse andere durchaus interessante Möglichkeiten der Erweiterung des Superheld(inn)enkosmos werden hier aufgeführt und angerührt, allerdings immer nur in der Unvollständigkeit halber, als lose Fäden, die wenige Minuten in der Handlung einnehmen und einer generellen Eifersuchtsgeschichte, einer mehrfachen Ménage à trois Platz machen. So steht im Ziel des Geschehens nicht etwa die Weltherrschaft oder die riesigen Besitztümer von Gold, Geld etc., sondern einzig und alleinig der Gärtner von nebenan, der schnieke junge Mann aus der bräsigen Kleinstadt. Das Objekt der Begierde, dass mit den Mitteln der Hexerei und Zauberei willenlos und willfährig gemacht werden soll, und wozu am Ende auch die Windmaschine auf voller Leistung und die Trickeffekte wie beim Luigi Cozzi angeschmissen werden. Ein Tohuwabohu der Liebe und der Hiebe, das vor allem Faye Dunaway mehrfach in den Pol der narrativen Aufmerksamkeit und leider durch die Art der Darstellung auch inmitten die Entnervung rückt. Eine furchtbare verbale Affektiertheit, die im Grunde nur auf Überbetonung der Sprechphasen beruht und der Methode, wahrlich jedes.Wort.einzeln. und mit bedeutungsschwangeren Hinauszögern auszusprechen. Auch die anderen Schauspieler, ausgenommen vielleicht den zugedröhnt scheinenden O'Toole und Slater selber in der Titelrolle sind schlichtweg als Abschreckung, als Kasperletheater und für die Laienbühne gedacht.

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