Review

Ist das noch ein Hexenschuss oder schon ein Bandscheibenvorfall, Herr Snyder?

"Batman v Superman" war mein meisterwarteter Film des Jahres, ein Kindheitstraum diese zwei Ikonen endlich zusammen auf der Leinwand zu sehen. Auch wenn "Man of Steel" schnell vergessen & maximal in Ordnung war, mag ich einige Filme von Zack Snyder ("300", "Watchmen") & ging voller Vorfreude, unvoreingenommen ins Kino. Weder als blinder Fanboy, noch als Hater voller Vorurteile. Ein Grund warum das epische Battle von mir so heiß erwartet wurde, war vor allem ja auch, dass hier alles passieren hätte können: der beste Superheldenfilm aller Zeiten oder der Sargnagel auf dem DCU... Und leider, auch wenn es etwas mein Herz bricht, tendiere ich ganz klar zu Letzterem. Der Film, samt seinen legendären Charaktern, hatte so viel Macht & Möglichkeiten - und im Endeffekt kommt ein abstruser, seelenloser & in jeglicher Hinsicht überfrachteter Comic-Overkill zu Stande, der einen innerlich zittern lässt. Leider nicht aus Freude.

Nicht nur weil die Herangehensweisen total unterschiedlich sind & man den Vergleich schon zu oft gezogen hat: man kann & sollte den Film nicht mit Werken aus der Marvelschmiede vergleichen. Und wenn doch, dann zieht er fast immer den Kürzeren. Und das müssen sogar die hartgesottensten DC-Fanboys zugeben. Wir wollten alle den Film lieben, ich wollte den Film des Jahres, den (bisherigen) Höhepunkt des Superhelden-Genres - es wurde eher ein Schmachgesang. Kreuz, quer, wirr, weder packend noch wirklich spannend. Eher Transformers als Avengers - und das ist fast die brutalste Backpfeife, die man geben kann. Vielleicht übertreibe ich etwas, da bei großer Hoffnung & Vorfreude natürlich auch die Fallhöhe extremer ist, aber ich habe während der sich sehr lange anfühlenden 150 Minuten öfter schwer geatmet & mit dem Kopf geschüttelt, als nach einem Halbmarathon. Ich erwarte finanziell zwar keinen Flop, aber könnte mir bei einem Beinahe-Debakel inklusive mieser Kritiken & weniger als 600 Mio. weltweites Einspiel sogar vorstellen, dass das DC-Universum nicht weitergeführt wird oder zumindest ohne Snyder. Schade wärs hier nach nur noch bedingt.

Es war keine Überraschung, dass Snyders Filme hübscher sind als ihr eigentlicher Inhalt & das BvS keine Ausnahme würde, dass die Trailer schon viele Wow-Effekte vorweggenommen haben (Wonder Womans Auftritt leidet darunter sehr) & dass der Film einige Elemente wiederholen wird (Batmans Vergangenheit zum 112. Mal), andere Dinge radikal verändert (Batmans Attitüde). Aber es stimmt hier einfach noch wesentlich mehr nicht - einige der schlimmeren Befürchtungen wurden sogar wahr. Man merkt an jeder Ecke, dass der Film drastisch gekürzt worden sein muss. Er springt wie eine kaputte Schallplatte, sodass sogar Comicfans Knoten in den Kopf gezaubert werden. Überambitioniert & zu vollgepackt wäre untertrieben. Batmans Geschichte, Supermans Kampf um das Ansehen der Menschheit, Lex Luthors Wahnsinn, Wonder Woman (komplett ohne Sinn & Zweck) & ein unverschämt billige Vorstellung der Justice League - alles rein da, passt schon irgendwie. Qualität kann man nicht mit Quantität erzwingen. Vor lauter Wechsel der Schauplätze, vor lauter seltsamer Nebencharakter & völlig fehlgeleiteter, unfreiwillig komischer Traumsequenzen, verlor ich stellenweise komplett den Überblick & meine Stimmung wanderte von angespannt über zwischendurch beeindruckt hin zu schlicht wütend. Der Film will alles sein, ist im Endeffekt aber nichts richtig & damit noch mauer als "Man of Steel".

Von einer völlig verkorksten Batmobil-Verfolgung über eine unnötig viel Platz einnehmende Lois Lane bis zu einem, mir gehörig auf die Nerven gehenden, kaum ein Lächeln entlockenden, aber seinen Arsch wegspielenden Lex Luthor Jr. / Jesse Eisenberg - die Liste lässt sich noch viel zu lang fortführen, es ist ein leichtes den Film zu zerreißen. Aber um auch Positives zu nennen: man kann sich auch berieseln lassen, vor allem bei niedrigen Erwartungen. Der alte, eisenharte Batman gefällt mir klasse, auch wenn er ungewohnt über Leichen geht. Affleck ist für mich vielleicht der beste Batman, den ich bisher gesehen habe. Dagegen verblasst Cavill als Superman etwas, enttäuscht aber auch nicht. Gal Gadot ist eine Augenweide als Wonderwoman (inklusive packendem Theme-Song), aber wie gesagt nur sinnlose Dreingabe, genauso wie Doomsday eher an einen Videospielendboss erinnert. Ziemlich schrecklich, nicht im positiven Sinne. Ihr seht, ich drifte wieder in Richtung Ärger - aber es gibt einfach so viel Frustpotenzial hier. Jeremy Irons als Alfred war cool & in manchen Szenen hatte ich sogar Gänsehaut (einstürzende Gebäude in Metropolis zu Beginn, Supermans "Retter der Menschheit"-Montage). Die Action am Ende ist schon Eyecandy, der Kampf Fledermaus gegen Superflieger ist dramatisch & der eingestreute Humor wirkte nur selten wie ein Fremdkörper, hielt sich aber auch enorm hinter dem dunklen Ton zurück. Wenn man dann aber wieder an ein paar Logiklöcher, Zeitsprünge & schlicht dumme Handlungsstränge denkt (z.B. Erschaffung Doomsdays; freches, nolansches Ende), dann guckt man ihn sich sicher so schnell nicht noch ein zweites Mal an. Ein beschämend schlechtes 3D voller Doppelkonturen & ohne Mehrwert, vollendet das Desaster. DC, bleib lieber bei den tollen Comics, Animationsfilmen oder direkt beim tollen TV-Universum rund um Arrow & Flash! 

Fazit: oh oh - DC, Warner Bros. & Snyder haben sich mit diesem hohlen, super enttäuschenden Spektakel gehörig ins Bein geschossen, indirekt sogar dem ganzen Comicfilm-Genre. Ein paar gute Ansätze, die Hoffnung auf einen besseren Director's Cut & die nostalgische, scheinbare unkaputtbare Liebe zu den Helden, halten mein Interesse am DC-Movie-Universum halbwegs aufrecht. Was für ein brachiales Durcheinander, dem man sogar Misserfolg an den Kinokassen gönnen könnte, erst recht wenn man bedenkt, was für Potential, Geld & Hoffnung verbraten werden :(

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