Bruce Wayne, gespielt von Ben Affleck, beäugt die Aktionen des von Henry Cavill gespielten Superman zunehmend kritisch. Nicht nur, dass er dem quasi unbesiegbaren, gottgleichen Stählernen die Schuld an der Zerstörung von Metropolis gibt, er meint, dieser könne, wenn er denn von seinem tugendhaften Weg abkommen sollte, eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellen. Und die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit: Der Kryptonier beobachtet mit zunehmender Sorge die Selbstjustiz der Fledermaus, die zu immer drastischeren Mitteln greift, um das Verbrechen in Gotham zu bekämpfen. Der Superschurke Lex Luther, gespielt von Jesse Eisenberg, macht sich das zunutze, indem er die beiden gegeneinander ausspielt, während er seine eigenen, finsteren Pläne verfolgt.
Seit Marvel mit der Vernetzung seiner Superheldenfilme eine Lizenz zum Gelddrucken gefunden hat, forciert auch DC den Aufbau eines eigenen Universums, der mit „Man of Steel“ begann. „Batman v Superman“ sollte der nächste logische Schritt hin zur Justice League sein, bei der dann auch Flash, Aquaman usw. mit von der Partie sein dürften. Der Hype war schließlich so groß, dass die Besetzung des gescheiterten Daredevil Ben Affleck als Batman für allerhand Furore und einen regelrechten Aufschrei in der Fangemeinde führte, der Kinostart wurde schließlich heiß ersehnt. Immerhin waren mit dem ausführenden Produzenten Christopher Nolan, Regisseur Zack Snyder und Autor David S. Goyer allerhand Eliten des Genres beteiligt. Dennoch dürfte es mit diesem 250-Millionen-Dollar-Debakel nicht gelingen, das Publikum für weitere DC-Filme anzufixen.
Der erste im Bunde, der seinen Ruf hiermit nachhaltig ruiniert haben dürfte, ist „The Dark Knight“- und „Man of Steel“-Autor David S. Goyer, der mit „Jumper“ und „Ghost Rider: Spirit of Vengeance“ zwar schon allerhand Schrott auf Papier gebracht hatte, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Hatte es vor allem die „Batman“-Trilogie von Christopher Nolan noch ausgezeichnet, dass dieser auf eine clevere Story, auf Charaktere mit Profil und einen ersten Grundton gesetzt hatte, so ist hier lediglich der düstere Grundton verblieben. Was es mit den Differenzen der Superhelden genau auf sich hat, bleibt relativ unklar, warum sich die beiden nicht allzu impulsiven Charaktere nicht einfach aussprechen, das große Geheimnis der Autoren. Immer wieder werden moralische Fragen aufgeworfen aber nicht weiter ausgeführt. So etwa die überirdischen Kräfte eines Superman, die von keiner demokratisch legitimierten Institution sondern von einer einzelnen Person nach deren Gutdünken eingesetzt werden. Auch die Feststellung von Bruce Wayne, dass er und Alfred immer schon Verbrecher waren, die, wie so vieles im Film, im luftleeren Raum verbleibt, kann in dieser Hinsicht als symptomatisch gelten. Aber auch die Handlung als solche ist alles andere als ausgefuchst, man denke nur an die hanebüchene Szene, in der die Fledermaus und der Stählerne aufgrund einer haarsträubenden Gemeinsamkeit das Kämpfen einstellen.
So gibt es denn auch nichts an Affleck oder Cavill zu kritisieren, die ihre Rollen wie gehabt sehr grimmig ausfüllen, ohne, dass es dafür immer erkennbare Gründe gäbe. Es war eben nicht mehr drin. Vor allem aus Afflecks Figur wird man wegen der stark verkürzten Einführung und des nicht vorhandenen Backgrounds überhaupt nicht schlau, Cavill hat da noch das stärkere Profil, weil seine Figur mit ihren Kräften und ihrem Platz in der Welt aus verständlichen Gründen hadert. Jesse Eisenberg gibt dagegen mit seinem grauenhaften Overacting, seinen sinnentleerten Phrasen und seiner hastigen Art, die wohl irgendwie vom Joker inspiriert sein soll, eine regelrechte Bewerbung für die Goldene Himbeere ab. Dämonisch erscheint der Bösewicht trotz allem zudem überhaupt nicht, während seine Motive vollkommen unklar bleiben. Die restlichen Darsteller sind mehr oder weniger unterfordert. Oscar-Preisträger Jeremy Irons, als Alfred Pennyworth eine mehr als nachvollziehbare Besetzung, ist leider vollkommen verzichtbar, weil seine Figur nicht einmal näherungsweise den starken Part wie in Nolans „Batman“-Trilogie einnimmt. Selbiges gilt für Laurence Fishburne oder Diane Lane, die nicht eine starke Szene bekommen. Besonders schmerzhaft, dass auch die wundervolle Amy Adams darauf reduziert wird, sich in regelmäßigen Abständen von Superman retten zu lassen. Einzig die geheimnisvolle und schlagkräftige Gal Gardot hinterlässt als Wonder Woman einen bleibenden Eindruck.
Und auch Snyder, der hier seine mit Abstand schlechteste Arbeit abliefert, dürfte froh sein, wenn er „Batman v Superman“ unbeschadet übersteht. Snyder fängt zwar auch hier das eine oder andere Bild ein, das nicht perfekter durchkomponiert sein könnte, doch es bleibt bei einer losen Aneinanderreihung guter und auch weniger guter Einzelszenen. Sein Film ist holprig erzählt und bis kurz vor Schluss, unterbrochen von ein paar gelungenen, aber auch nicht herausragenden Action-Szenen, schlicht und einfach langweilig. Die Traum-Sequenzen, die den ohnehin brüchigen Erzählfluss dann auch noch vollends unterbrechen, sind katastrophal nichtssagend. Sie sollten wohl der Einführung allerhand weiterer Helden dienen, nur, dass das kaum ein Mensch versteht. Hier hätte sich Snyder vielleicht besser von den Kollegen bei Marvel inspirieren und solche Anspielungen hinter den Abspann verschieben oder aber offensichtlicher platzieren sollen. Dass der Score von Hans Zimmer austauschbar wie selten ist und bei Weitem nicht an „The Dark Knight“ heranreicht, zeigt beispielhaft, dass keiner der Beteiligten hier eine seiner besseren Arbeiten abgeliefert hat.
Womit wir beim Showdown wären: Den wenigen Minuten, in denen der Film dann einmal hält, was er versprach. Snyder geizt hier nicht mit gut gemachtem Bombast, überlässt jedem der drei Superhelden ein paar starke Sequenzen und sorgt endlich einmal für einen gelungenen Unterhaltungswert, wenngleich das Finale nicht wirklich an Joss Whedons Zerstörungsorgien der Avengers heranreicht. Nichtsdestotrotz sind die Effekte gut, die Kameraführung gelungen und vor allem der Kampf von Batman und Superman bzw. der von Batman mit etwa zwei Dutzend Gegnern kurz danach auch ganz nett choreographiert. Kurz vor Schluss überspannt Snyder den Bogen dann aber etwas, indem er gleich mehrere quasi unbesiegbare Titanen aufeinandertreffen lässt, die selbst den direkten Einschlag einer Atomrakete unbeschadet überstehen. Vor allem wirft das die Frage auf, wie DC in seinen weiteren Filmen noch der Logik des Genres folgen will, wonach die Materialschlachten immer größere Ausmaße annehmen müssen. Danach folgt noch ein etwas zäher Schluss, mit dem sich Snyder noch über die finanziell nicht ganz unattraktive Lauflänge von 150 Minuten rettet. Auf mindestens eine Stunde davon hätte man jedenfalls getrost verzichten können.
Fazit:
„Batman v Superman“ ist die größte Enttäuschung seit Langem und bewegt sich durchgehend auf dem Niveau zu Recht verrissener Comic-Verfilmungen wie „Catwoman“ oder „Ghost Rider“. Es gibt keinen roten Faden, nur ein paar an sich gelungene Einzelszenen, während viele Dialoge im luftleeren Raum verbleiben und auf eine Charakterkonstruktion konsequent verzichtet wird. Symptomatisch sind der von einem ungeheuer nervigen Jesse Eisenberg verkörperte Lex Luther, dessen Motive Goyers und Snyders Geheimnis bleiben dürften und die nichtssagenden Traum-Sequenzen. Für ein derart missglücktes 250-Millionen-Dollar-Debakel kann auch ein nett anzusehender Showdown nicht entschädigen. Aber macht ja nichts: Im Zweifelsfall kann man jeden Mist noch mal rebooten.
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