Ultimate Edition
Nachdem sich der „Man of Steel“ der Welt offenbarte, setzte Zack Snyder das filmische Universum von DC fort und liefert hier nun den Auftritt einer weiteren Legende aus dem Verlagshaus. Und der Beginn macht etwas, das ich mir schon oft in diesem Genre gewünscht habe. Er zeigt das Geschehene aus einer anderen Perspektive und welche Konsequenzen manches Ereignis für Personen hat, die nicht aktiv beteiligt waren.
Der Kampf von Superman gegen General Zod, der halb Metropolis verwüstete, ging auch an der Bevölkerung nicht spurlos vorbei. Die Schlacht der beiden Überwesen verursachte Zerstörung und Opfer in nicht geringem Ausmaß. Und das weiß Bruce Wayne aus erster Hand, befand er sich doch bei dem Gefecht vor Ort. Was er dort sah, aus der Perspektive des normalen Menschen mit all seinen Auswirkungen, lässt in ihm den Wunsch aufkeimen, zu handeln. Und dabei sieht er in dem Kryptonier mehr eine Gefahr denn eine Lösung.
Nach Superman bekommt so nun auch Batman seinen Auftritt, wenn hier auch im Verbund mit dem 2013 (wieder) eingeführten Alien. Wieder inszeniert von Snyder nach einem Skript von David S. Goyer und Chris Terrio beginnt man pflichtschuldig mit der Rückblende über das Ableben der Waynes und Bruces Fall zu den Fledermäusen. Glücklicherweise ist die Sequenz nicht überlang ausgefallen, man kennt das inzwischen ja schon und springt anschließend in die filmische Jetztzeit.
Und hier greift „Batman v Superman“ eben die letzten Minuten des Vorgängers auf und schildert diese aus einer anderen Perspektive. So folgt man hier Bruce durch das an 9/11 erinnernde Szenario, der Blick von unten auf die oben gottgleichen Wesen und die sich in Richtung aller Bewohner walzende Destruktion. Weiter noch, es stellt sich die Frage nach der Konsequenz daraus, der Verantwortung und diese sieht Bruce nun in dem Mann aus Stahl selbst. Wobei auch Kal-El von den Methoden des kostümierten Helden aus Gotham nicht gerade angetan ist. Und so schaukelt sich das gegenseitige Misstrauen hoch und es kommt zum Aufeinandertreffen. Doch bis dahin dauert es eine ganze Weile, denn Snyder nimmt sich die Zeit, die Gegebenheiten auszuformulieren. Der angerichtete Schaden will betrachtet, die Motivationen verknüpft werden und immer noch steht die Frage im Raum, wie die Welt mit diesem Alien umgehen will. Dies mal so diskutiert zu bekommen ist in meinen Augen eine angenehme Abwechslung, wobei der Film das Fass zwar aufmacht, aber nicht bis zum Ende deckelt.
Ben Affleck steckt dieses Mal im Bat-Kostüm. Optisch erinnert dieses an Frank Millers Variante, das Design ist bulliger und insgesamt gefällt mir Affleck damit ziemlich gut. Er bringt die der Figur innewohnende Besessenheit mit und nimmt, ganz im Stile Snyders, die Sache hier ziemlich ernst. Sein Bats ist desillusioniert, es fehlt ihm an Halt, jünger wird er auch nicht mehr und er zweifelt an der Sinnhaftigkeit seines sich immer wiederholenden Kampfes gegen das Verbrechen.
Trotzdem scheint er immer etwas hinter Cavills Superman zurückzustehen, der aber immerhin schon einen kompletten Solofilm auf seiner Seite hat und daher schärfer wirkt. Und hier fast ebenso zweifelnd wie sein Kollege in schwarz. Cavill beweist wieder, dass er eine exzellente Besetzung für die Figur in diesem Inszenierungsstil ist. Und dieser ist, wie von Snyder gewohnt, bildgewaltig, ausgelegt auf Wirkung und Stil. Glücklicherweise wackelt die Kamera nicht mehr so arg wie im Vorgänger, die Bildersprache und Farbgebung bleiben aber erhalten. Der Ton ist immer noch ruppig, Treffer hinterlassen Spuren, auch aus Blut. Wie im Vorgänger geht man an die Filmreihe ernster heran, Batman geht mit seinen Gegnern auch alles andere als zimperlich um, wie man in der Lagerhaussequenz miterleben kann. Verstärkt wird dies wieder durch das nahezu völlige Fehlen von Humor oder Onelinern.
Wieder mit dabei ist auch Amy Adams als Lois Lane, die ebenfalls überzeugt, was auch für Gal Gadot mit ihrem Auftritt als Wonder Woman noch vor ihrem Solofilm gilt. Auch neu mit im Boot ist Jeremy Irons als Alfred, der hier mit seinen sarkastischen Kommentaren auffällt, ansonsten aber den väterlichen Touch vermissen lässt. Er ist mehr ein Kumpel denn der sich sorgende Typ. Lex Luthor ist nichts davon. Jesse Eisenberg, der eigentlich eine gute Wahl ist, ist mir hier zu hibbelig. Das schwächt seine Bedrohlichkeit ab, wobei er diese durchaus besäße, besieht man sich seine Pläne und deren Struktur. An ihm ist es dann auch gegen Ende, ein Stück vom weiteren Fahrplan anzuteasern. Was allerdings auch schon vorher eingebracht wird, manch Auftritt oder Vision kommt unverhofft.
Im Gegenteil erwartbar ist dann das CGI-Gewitter im Showdown. Das wirkt zwar generisch und zieht die übliche Zerstörung nach sich (hatten wir das vorher nicht aufgearbeitet?). Das kämpfende Team entschädigt immerhin ein bisschen dafür, beschert die Truppe doch manch schönes Bild auf der Leinwand. Von diesen gibt es ja doch ein paar, schließlich lässt man sich (in der Ultimate Edition) knapp drei Stunden Zeit. Da hätte schon noch etwas mehr Charakterentwicklung reingepasst. Denn es passiert doch viel Gewichtiges, emotional greifen will es dann aber nicht so ganz. Und nicht nur deshalb bleibt das Gefühl, dass man nicht alles gesehen hat. Snyder schafft es auch mit seinem zweiten Eintrag, den Hunger nach mehr aus dieser Welt am Leben zu erhalten. Lebendig ist auch der Soundtrack, Hans Zimmer und Junkie XL bleiben im Stil von „Man of Steel“, zitieren logischerweise daraus und bauen Neues mit ein.
„Batman v Superman“ bleibt der Neuausrichtung treu, das DCEU führt mit seinem zweiten Eintrag den eingeschlagenen Weg fort. Snyder nimmt das hier ernst, so ist der Film wieder schön unlustig und das ist gut so. Hätte der Film gerade im Hinblick auf die Laufzeit noch mehr Figurenausarbeitung vertragen können, so spricht er immerhin ein paar Themen mehr als nur im Vorbeigehen an. Unterm Strich eine insgesamt überraschend actionarme und trotzdem interessante, aber auch emotional distanzierte Fortsetzung.