Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 2 - 6,5/10
Staffel 2
In jedem steckt ein Killer. Oder ein Messer.
In der zweiten Staffel von „Scream“, der TV-Serie, kommen die bekannten Gesichter und Jugendlichen, die den letzten Sommer und den Angriff der psychopathischen Bloggerin mit Maske gerade so überlebt haben, wieder in Lakewood und der Highschool zusammen. Ein paar Neuzugänge gibt’s, einen neuen Sheriff und seinen schweigsamen Sohn z.B., doch eigentlich bleibt alles beim Alten - denn schon wieder geht ein Killer mit derselben Maske um und schneidet liebend gerne in das Fleisch der recht hilflosen, nun sogar noch zum Teil berühmten Teenager. Ist es eine komplett neue Bedrohung, ein Komplize der erschossenen Piper Shaw, jemand aus der Gruppe der Überlebenden? Oder gar Brendon James höchstpersönlich, auf dessen Mythos die gruselige Maske ja aufgebaut ist? Viele Möglichkeiten, viele Finten, viele Fährten - aber auch viel Spaß?!
Jein. Noch etwas mehr als im Auftaktjahr, aber noch lange nicht so, wie man es im Idealfall gerne hätte - so würde ich es nennen. Natürlich kennt man die Figuren nun, zumindest ein oder zwei sind einem auch etwas ans Herz gewachsen (Noah + Zoe), die Schauspieler fühlen sich spürbar wohler in ihren Rollen, es gibt mehr Möglichkeiten, Ebenen, Opfer und Anspielungen. Alles eine kleine Nummer besser als zuvor. Auch die Neuzugänge machen ihre Sache solide, das Finale fährt groß auf und dreht alles auf links (wenn auch nicht vollkommen unerwartet in seiner Bahn) und auch das hinten drangehangene Halloweenspecial mit neuem Schauplatz und neuer Legende erfüllt seinen Zweck. Dennoch funktioniert das Konzept eines Slashers meiner Meinung nach über eine ganze Staffel bzw. Serie nicht perfekt. Darüber macht sich „Scream“ anfangs ja sogar selbst lustig. Außerdem gibt es selbst in der Kerntruppe einige, die einem richtig auf die Eier gehen - vor allem Emma als aalglatte Hauptfigur, Kieran als ihrer schmieriger Schwarm und Brooke als eingebildete Zicke zerren dauerhaft und immer wieder an den Nerven und Sympathien. Außerdem hätte ich mir noch viel mehr „Scream“-Feeling, sprich Meta-Horror-Anspielungen, gewünscht, intelligenteres Verhalten solch versierter „Fans des Genres“ und, vielleicht am wichtigsten, wesentlich härter Kills. Bei Letzterem war sogar die erste Season wahrscheinlich noch saftiger dabei, nun wirkt alles oft recht steril und wenig splattrig. Selbst ein allgemeines Slasher-Feeling kommt manchmal abhanden und oft ist das Figurenverhalten, selbst für Slasher-Verhältnisse, einfach nur idiotisch und da, um mehr mögliche Mörder und Verdächtige ins Rennen zu schicken. Insgesamt macht die Serie zwei (Mäuse-)Schritte nach vorne und einen nach hinten, stagniert fast. Eine bessere Slasherserie wird sich im Fernsehen wohl kaum finden - aber wie oben gesagt: die Rarität des Konzepts auf serieller Basis hat vielleicht auch seinen Grund...
Fazit: ein wenig stärker, selbstbewusster als die Auftaktstaffel, wenn auch noch immer nicht auf dem Niveau der Filme. Nicht annähernd. Denn alles bleibt doch sehr oberflächlich, unnötig gedehnt und auch zum Teil redundant, zudem aalglatt und oft leider ohne echte Fallhöhe. Staffel 2 von „Scream“ können hartgesottene, geduldige Fans von Slashern und der Filmreihe gut und gerne gucken - wenn sie denn nicht zu oft vergleichen und nicht allzu streng sind. Wäre die Serie nicht eh schon eingestellt bzw. neu aufgerollt worden, wäre hier Schluss für mich gewesen... (6,5/10)