Basierend auf der in China äußerst populären Online-Novelle "Ghost Blows Out the Light", geschrieben von Tianxia Bachang, wurden bereits früh Gerüchte um Verfilmungen, ehemals auch von New Line Cinema und später dann gleich zwei nebeneinander her laufende Produktionen in Größenordnung angekündigt. Chronicles of the Ghostly Tribe erschien im Ende September 2015 eher, wurde zum Weihnachtsgeschäft allerdings auch von dem mit Chen Kun, Shu Qi und Angelababby populärer besetzter und massentauglicheren, da das Abenteuer auch in seiner Komik deutlicher hervorhebenden Nachzügler Mojin - The Lost Legend (2015) in der Gunst des Publikums überholt.
Ein Wettstreit der schieren Ballung und Materie, in der zwei äußerst unterschiedliche Regisseure mit anderen Herangehensweisen und kompletter konträrer Besetzung den gleichen Text (in unterschiedlichen Zeitphasen) interpretieren. Mit ein Beispiel für die aufkommende Filmmacht China, die nicht nur den zweitgrößten Markt für die ausländischen, zumeist amerikanischen Fabrikate und so ein zweites und äußerst wichtiges Standbein für deren Auswüchse stellen, sondern eigene heimische Ware und dies mit stetig neuen Rekorden an den Kinokassen und entsprechend finanzieller Sicherheit anbieten:
1979, in der Nähe der mongolischen Grenze. Während einer von Professor Yang [ Wang Qingxiang ] geleiteten staatlichen Ausgrabung nach riesigen Fossilien einer bisher unbekannten Kreatur gerät eine Freiwilligentruppe, darunter Yangs Tochter Ping [ Yao Chen ] und der ins sie verliebte Hu Bayi [ Mark Chao ] in tödliche Gefahren. Nachdem sich der Schrecken verzogen hat, ist mit Hu nur ein tief traumatisierter Soldat als scheinbar Einziger von der Mission über, und zieht sich unter der Fürsorge vom Bibliothekar Wang [ Li Chen ] und in der Nähe seines Kindheitsfreundes Wang Kaixuan [ Daniel Feng ] in die Einöde zurück. Mehrere Jahre vergehen, aber nicht nur der Professor und seine seltsame veränderte Tochter tauchen wieder auf, auch die Gefahren aus dem Untergrund bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche. Zusammen mit seiner verloren geglaubten Liebe, ihrem neuen Partner, dem Wissenschaftler Chen Dong [ Rhydian Vaughan ] und mit Cao Weiwei [ Tiffany Tang ] geht auch Hu wieder an die Front.
Regie hierbei, und das ist der erste interessante Punkt, der allerdings eher nicht die Mitte, sondern den äußeren Rand an Zuschauern anspricht, führt Lu Chuan. Lu hat auch das Buch mit bearbeitet und teils produziert, wobei die Wahl des Inszenierenden sowohl von seiner Seite aus als auch überhaupt die Beteiligung von ihm erst einmal fasziniert. Bisher grundsätzlich positiv aufgefallen durch eher kleinere Werke, die über das Debüt The Missing Gun (2002) und den folgenden The Mountain Patrol (2004) auch zu dem international in kulturellen Kreisen beachteten City of Life and Death (2009) sowie The Last Supper (2012) reichen, wurde in dem Filmemacher der recht nüchterne Ton mit Anspruch auch auf Bezüge zur Gesellschaft, zur Politik, zur Moralität bewundert und der Mut auch zum Aussprechen ungeschönter Wahrheiten und dem Nichtignorieren der Realität verehrt.
Kleinere Spitzen kann man sich hier auch nicht verkneifen, werden aber gerade nach den ersten Anfangsszenen, einer Nachstellung von Maoistischen Propagandaansinnen zu Zeiten der Sechziger und Siebziger Jahre aus dem Hause Beijing Film Studio schnell von einer bloßen, wenn auch aufregenden Achterbahnfahrt überholt. Ein ungewöhnliches Fundament hat der Film, der sicher seine Längen, seine Verwirrungen, zwischendurch auch eine seltsame Abgehaktheit und Ziellosigkeit aufweist, mit der ersten halben Stunde und manchen Auffälligkeiten in Ton und Ausdruck aber schon geboten. Überhaupt ist trotz der gesamten Ansicht als zu großes, zu schwerfälliges und gleichzeitig wenig ansprechendes Objekt der Film seine einzelnen Momente zwischen Abenteuer, creature feature und Kriegsfilm wert. Ein Zerfall in komplett unterschiedliche Abschnitte, die nicht nur durch Zeitsprünge von Ende der Siebziger bis zu 1982 und dann wieder zu 1985 getrennt, und auch nicht von dem wenig empathischen Hauptdarsteller und erst recht nicht von den anderen Figuren zusammengehalten sind.
Erstaunlich neben dem Wink zur Politik und der Kulturrevolution, die hier ad absurdum geführt wird und dem geheimen, aber nebulös wirkenden Bureau 749, dass in keinerlei Situation als koscher betrachtet wird, ist überhaupt die Herangehensweise an ein in China von der stattlichen Zensur ungern gesehenes Motiv. Die Supernatürlichkeit wurde bisher streng verneint, auch der Roman dahingehend bei der Übertragung vom Online Print zum richtigen Druck überprüft und gereinigt, wobei eine Kontrolle hier im Film wohl gemäßigter ausfiel und manche Szenen und Eindrücke nicht so verweichlicht wirken wie ursprünglich moniert. So geht man von Beginn an mit einem unguten Gefühl, einer mulmigen Bedrohlichkeit an die Ausgangssituation heran, und sieht sich so trotz der Wahl der Waffen, die gleich in Richtung Feind gezückt werden, von den bedenklichen Gefahren auch nicht enttäuscht. Die einleitende Minenexplosion hat für Unheil gesorgt, der erste und (nicht ganz) freiwillige Trupp an Erkundern bekommt ein Erinnungsphoto und damit auch schon den Abschluss ihres Lebens und die schnelle Dezimierung durch spontane Selbstentzündung, dem Aufspießen auf Eiszapfen, dem Sturz aus luftigen Höhen hinab oder dem Zermalmen unter einer Lawine spendiert. Dass darauf folgend eine ganze Stadt ausgerottet wird, sieht man dann nur noch im Ergebnis und nicht dem aktuellen Detail, wird vor der Mumifizierten im Frisörstuhl oder von den Heruntergebrannten im im Erdboden aufgebockten Linienbus aber auch nicht Halt gemacht.
Die ernsten, staubigen, visuell epischen Bilder (bis auf mancherlei Effekte selber) also durchaus beeindruckend und ihre Betrachtung, gerade auch in den Wüstenszenen oder der von der Sonne ausgebleichten Einöde einer verlassenen und ruinösen Stadt samt isolierten Ölfeld vor den Toren schon ihre Aufmerksamkeit wert. Der Rest eher nicht, und wurde auch in The Legend of Wisely (1987) a.k.a. Legend of the Golden Pearl schon besser erzählt.